Wersiboard Music 64

Wersiboard Music 64

Testbericht von Richard Aicher, Mai 1985

Commodore 64 und das Wersiboard ähneln sich beinahe wie ein Ei dem anderen. Man könnte fast meinen, ein übernächtigter Fließbandarbeiter hätte aus versehen schwarze und weiße Tasten in ein Commodore-Gehäuse eingebaut. Selbes Beige, selbes Plastik, selbes Design, nur länger ist das Ganze. Genauer gesagt 46 Tasten lang. Das Keyboard besitzt einen Tonumfang von 4 Oktaven. Der Anschlag ist etwas lapprig, aber nun denn, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und als Tastenspieler ist man ja bereits einiges gewohnt. Das Wersiboard wiegt beinahe gar nichts. Die ca. dreihundert Gramm lassen sich problemlos transportieren. Natürlich darf man Computer und Monitor sowie die Diskettenstation nicht vergessen. Ohne diese Gerätschaften läuft nämlich gar nichts. Man benötigt einen Commodore 64 mit Diskettenstation VC 1541 und als Sicht gerät entweder einen Fernseher oder besser einen Monitor. Und hier stellt sich denn auch erstmals die Frage, ob die Anschaffung dieses ganzen Geräteparkes die drei Stimmen, die das Wersiboard-System produzieren kann, rechtfertigt. Sicher wird kein Keyboarder knapp DM 2.000,- ausgeben, um dann einen dreistimmigen computergesteuerten Analogsynthi daheim zu haben. Der Anwenderkreis dürften eher die ‚Schon-Computerbesitzer‘ sein. Für sie ist das Wersiboard eine billige Ergänzung mit einigen raffinierten Features.

Demo-Sounds

Auf der Systemdiskette befinden sich 2 Programme und viele Demo-Sounds, die für 64er Verhältnisse überraschend gut klingen. Natürlich darf man keine Moog-Bässe oder Prophet-Bläser erwarten.

Bild J: Die Hardware – das Wersiboard mit Commodore SX 64

Im Commodore 64 sorgt der SID-Chip, ein einziges IC, für den gesamten Sound. Und dieses klingt nur in den Mittellagen gut. Außerdem sind die Sounds nie völlig frei von leichten Nebengeräuschen, die von hochfrequenten Einstreuungen im Computer herrühren. Zwei Basisprogramme, Mono 64 und Poly 64, bilden mit dem Keyboard die Grundausstattung des Systems. Das Ganze kostet zusammen 495,- DM. Gegen diesen Preis kann man nichts sagen. Verglichen mit anderen Keyboardzusätzen zum Commodore 64 ist die Preis/Leistungsrelation bei diesem System am günstigsten.

Mono 64-Programm

Mono 64 ist ein Eldorado für Klangbastler und Liebhaber von Geräuscheffekten. Vom Hubschrauber zum Dieselmotor, vom Gong bis zur Panflöte – ‚Mono 64‘ macht’s möglich. Mit ‚Poly 64‘, dem zweiten Programm, kann man dann richtig in die Tasten greifen. Dies ist das Programm für ‚Keyboarder‘ , weniger für Klangfetischisten. Nach dem Laden des Anfang-Programms können wir uns erst einmal für Mono 64 oder Poly 64 entscheiden. Das System lädt dann das Gewählte automatisch. Wie schon der Name sagt, verwandelt Mono 64 den Commodore 64 in einen monophonen Synthesizer mit sehr vielen Modulationsmöglichkeiten. Dieses Programm nutzt man zum Solo-Spiel oder für Effekte. Der Verzicht auf die restlichen zwei Stimmen des SID-Chips macht komplexe Modulationen möglich. Der dritte Tongenerator wird bei diesem Programm als langsamschwingender Modulationsoszillator genutzt. Der zweite Oszillator läuft mit dem ersten parallel, um eine bessere Klangfülle zu erreichen. Der Abstand, in dem die bei den Oszi‘ s laufen, ist stimm bar. Durch Einstellen einer leichten Schwebung klingen die Sounds dann etwas lebendiger. Die beiden Oszillatoren kann man mit unterschiedlichen Kurvenformen und Hüllkurven versehen.

Das Einstellfeld des Mono 64-Programmes

Solche Soundüberlagerungen ergeben schon beachtlich komplexe Klänge. Drei verschiedene Kurvenformen: Dreieck, Sägezahn und Rechteck sowie Rauschen stehen für jeden der beiden Tonoszillatoren zur Auswahl. Die Pulsweite des Rechtecks ist veränderbar. Ein Ringmodulator sorgt für besondere Soundeffekte.

Der Modulationsoszillator kann mit Dreieck, aufsteigendem Sägezahn oder Rauschen modulieren

Bild 3: Mehr Stimmen. aber weniger Klangvielfalt mit Poly 64

Geschwindigkeit und Grad der Modulation des Filters und der Oszillatoren lassen sich regeln. Wie auch bei allen anderen Parametern erscheinen die eingestellten Werte in numerischer Form im Display. Die Envelope Sektion verfügt über einen Hüllkurvengenerator der gleichzeitig auf Filter und VCA wirkt. Wie üblich lässt sich Attack, Decay, Sustain und Release regeln. Der Filter des SID-Chips bietet neben Low Pass, Band Pass und High Pass noch 4 verschiedene Filter-Mischformen. Cutoff Frequency, Resonanz und der Grad der Modulation durch den LFO sind veränderbar. Die Parameter stellt man mit den Funktionstasten ein. Hierzu bewegt man mit Taste F 1 bzw. F 2 einen kleinen Cursorpfeil am Bildschirm von Parameter zu Parameter. Mit F 5 bzw. F 7 kann man die Werte dann erhöhen oder erniedrigen. Die erstellten Sounds lassen sich in der Programmgrundversion nicht auf Diskette abspeichern. Es haben auch nur maximal 12 Sounds bei Mono 64 bzw. 5 Sounds bei Poly 64 im Arbeitslager Platz. Nicht gerade viel. Doch mit der Programmerweiterung des Sound Pak 1, soviel gleich hier, kann man erstens sehr viel mehr Sounds bearbeiten und diese überdies auch auf Diskette abspeichern. Mit dieser Erweiterung haben je Programm 320 verschiedene, also insgesamt 640 Sounds im Arbeitsspeicher Platz. Jeweils 32 Sounds bilden eine Speicherbank. 10 Speicherbanken stehen für jedes Programm zur Verfügung. Bei so vielen Programmen verliert man leicht den überblick. Deshalb kann man die Namen der eingespeicherten Sounds jeder Bank in einer Bildschirm-Tabelle abrufen.

Die eingestellten Parameter der einzelnen Sounds kann man mit einem angeschlossenen Matrixdrucker ausgeben. Die ist praktisch für die Archivierung der Klänge.

Poly 64-Programm

Wer des monophonen Geklimpere auf den Tasten überdrüssig ist, kann mit Poly 64 dreistimmig in die Tasten greifen. Die klanglichen Möglichkeiten sind dann im Vergleich zu Mono 64 jedoch eingeschränkt. Bild 3 zeigt das Klang-Wahl-Menue von Poly 64. Die drei Stimmen lassen sich hier nicht mit unterschiedlichen Sounds versehen. Wie wir im Bild erkennen, lassen Envelopes, Pitch, Waveform und Pulsbreite nur für alle drei Oszillatoren gemeinsam regeln. Genau wie bei Mono 64 kann man die Namen der abgespeicherten Klänge Bank für Bank in einer Tabelle am Bildschirm betrachten. Genau wie dort druckt die Software auf Wunsch eine Liste mit den Soundparametern einer Soundbank aus.

Sound Pak Programme

Als Ergänzung zu diesen zwei Programmen bietet Wersi diverse Zusatzsoftware, die sogenannten Sound Paks an.

Der Sequenzerzusatz bietet immense Modulationsmöglichkeiten

Zusatzsoftware ist allerdings untertrieben. Es handelt sich bei allen diesen Sound Paks um eigenständige Programme. Sie bieten ähnliche Klangeinstellmöglichkeiten wie die beiden Grundprogramme, weisen darüberhinaus aber noch interessante Zusatzfeatures auf.

Sound Pak 1 ist ein Sound-Memory-System. Wie schon erwähnt, erweitert es die Speicherkapazität der Grundprogramme bis auf 640 Sounds in 20 Banks mit jeweils 32. Sounds. So gibt man die Sequenzen in die Notenzeilen ein. Die Sounds lassen sich alle mit eigenen Namen versehen, am Bildschirm auflisten oder als Hardcopy über einen angeschlossenen Commodore-kompatiblen Drucker ausgeben.

Sound Pak 2 ist eine Sequenzer- Software. Sie verfügt zusätzlich über sehr ausgefeilte Klangeinstellmöglichkeiten, die sowohl im monophonen als auch polyphonen Modus wirkt. Jeder der drei Oszillatoren lässt sich mit eigenem Sound versehen. Lediglich der Filter bleibt für alle drei Stimmen der gleiche. Alle anderen Parameter wie ADSR Einstellungen, Waveforms, Pulsweite und Filter on/ off kann man jedoch unabhängig voneinander auf die einzelnen Stimmen schalten. Alle Parameter sind Realtime veränderbar. Das heißt, man kann gleichzeitig spielen, hören und verändern. Dies ist zwar für Synthesizer mittlerweile ganz normal, für Commodore 64 Musikprogramme jedoch nicht alltäglich. Die Oszillatoren lassen sich synchronisieren und ringmodulieren und zwar wählbar, jeder Parameter mit jedem. Hervorragend sind die Modulationsmöglichkeiten über die zwei LFO’s. Sie lassen sich unabhängig voneinander auf fast alle modulierbaren Parameter aufschalten. Alle Klangeinstellparameter haben auf einer Bildschirmtafel Platz, die recht übersichtlich gestaltet ist. Natürlich benötigt man etwas Einarbeitungszeit, bis man sämtliche Befehle kennt. Hier hilft jedoch die Help-Page. Das ist eine Art Software-Bedienungsanleitung. In Notfällen ruft man sie auf den Bildschirm.

Sound Pak 3: jeder Taste der eigene Ton

In ihr werden alle Funktionen und die dazugehörigen Befehlseingaben auf gelistet. Die Aufnahme der Sequenzen erfolgt in einer Art Mischung von Composer und Step by Step Eingabe. Die drei Stimmen können nur nacheinander programmiert werden. Drei verschiedene Taktarten, 2/4, 3/4 und 4/4 sind wählbar. Im Bild sehen wir das Sequenzeingabe-Display. Zunächst wählt man die gewünschte Stimme an, dann die Notenwerte die im anliegenden Takt vorkommenden Töne. Danach gibt man über das Keyboard die zugehörigen Tonhöhen ein. So programmiert man der Reihe nach Takt für Takt. Die einzelnen Takte können im Controltrack-Mode in beliebiger Reihenfolge aneinander geheftet werden. Die ist nichts anderes als eine Sequenzchain. Jeder Takt lässt sich mit eigenem Sound versehen. Natürlich kann man nur aus den Sounds der geladenen Soundbank auswählen. Jeweils 10 Sounds bilden eine Bank. Die Soundabfolge programmiert man in einer Song-Chain im Soundtrack-Mode. Auf der Diskette sind bereits diverse Sounds und viele Sequenzbeispiele mitgeliefert. Natürlich lassen sich auch alle erstellten Sounds und Sequenzen auf Disk speichern. Der Inhalt der Diskette kann auf dem Bildschirm ausgegeben werden.

Das Intonationsprogramm des Sound Pak 3 lässt sich auch in das Sequenzerprogramm laden. Skalierungsprogramm Ein besonderer Gag ist das Skalierungsprogramm auf der Sound Pak 3-Diskette. Hiermit ist die Intonation des Keyboards beliebig festlegbar. Das heißt, jede Taste lässt sich einzeln stimmen. Ein Feature, mit dem das Wersiboard-System fast alle gängigen Keyboards schlägt. Die Stimmung lässt sich entweder manuell oder automatisch vornehmen. Bei der manuellen Eingabe fragt die Software für jede Taste die gewünschte Frequenz ab. Nach dem Eintippen wird die neue Stimmung am Bildschirm aufgelistet und lässt sich dann mit 10 Preset Sounds auf dem Keyboard spielen. Im Automatik-Mode berechnet die Software die neue Stimmung. Man kann hierbei zwischen Linearer, Geometrischer und Exponentieller Stimmung wählen. In jedem Fall gibt man einen Faktor ein, der im Fall a) als konstanter Summand, im Fall b) als konstanter Faktor und im Fall c) als konstanter Exponent in die Berechnung eingeht. So erhält man schnell Skalierungen, die bisher nicht zu verwirklichen waren. Vor allem für Experimentalmusiker dürfte dieses Programm äußerst interessant sein und unter Umständen die Anschaffung dieses Systems überlegenswert machen. Sowohl das Sequenzer- als auch Mono 64 und Poly 64 sind mit dem Skalierungsprogramm kompatibel. Die Stimmungen lassen sich also von diesen Programmen übernehmen.

Zusammenfassung

Das Wersiboard-System ist etwas für Musiker, die bereits einen Commodore 64 besitzen. Da das System mit dem Sound-Chip des Commodore 64 arbeitet, sind die Sounds leider von leichten Nebengeräuschen begleitet. Die Klangmöglichkeiten des Systems sind nicht zuletzt Dank der vielfältigen LFO und Ringmodulations- sowie Synchronisationsmöglichkeiten ausgezeichnet. Besonders die Möglichkeit der freien Intonation des Keyboards sucht nach seinesgleichen. Der Sequenzer ist gut durchdacht. Schade ist jedoch, dass die Sequenzen nicht auch Realtime einspielbar sind und keine ernst zu nehmende Notendarstellung am Bildschirm möglich ist. Alles in allem ist das Wersiboard Music 64-System in Verbindung mit den Sound Paks momentan von der Preis/Leistungsrelation eine der interessantesten Keyboard/Musiksoftware-Erweiterungen zum Commodore 64.

Die ungefähren

Preise für das Wersi-System

betragen: Keyboard mit den zwei

Grundprogrammen DM 495,-

Sound Pak 1: DM 65,-

Sound Pak 2: DM 89,50

Sound Pak 3: DM 39,50.

Richard Aicher, Mai 1985

Korg DW6000, Test von Richard Aicher für SoundCheck, Mai 1985

Korg DW6000

Jedem seinen Sound

Mehr als ein Jahrzehnt haben sie jeden zufriedengestellt. Vom Avantgardefreak bis zum Schnulzenheini, alle bastelten ihre Sounds aus wenigen Kurvenformen: Sinus, Dreieck, Rechteck und Sägezahn. Doch plötzlich ist der Teufel los. Was gestern noch super war, ist heute ,vergessen. Und mit einem ganz normalen Sägezahn kann man heute keinen Staat mehr machen. Das Rennen hat begonnen. jedem Hersteller sein Synthesizerverfahren, jedem Produzenten seinen Sound.

Nachdem Yamaha mit der FMSynthese und Casio mit Phase-Distortion Furore machten, will man nun auch bei Korg nicht länger an Analogsounds kleben bleiben. Doch nicht jeden Tag fällt ein völlig neues Klangsyntheseverfahren vom Himmel. So besann man sich auf eine Methode, mit der PPG auf ähnliche, jedoch komplexere Weise seine Wavecomputer zum Klingen bringt: digital erzeugte und in Chips abgespeicherte Kurvenformen. Man fängt quasi da an, wo Sinuszugriegelorgeln aufhören.
Jeder der bei den Oszillatoren des DW 6000 liefert acht (!) verschiedene Kurvenformen. Diese wurden nach dem Verfahren der additiven Synthese gewonnen. Genau das gleiche Verfahren benutzen Sinuszugriegelorgeln. Man mischt Sinusschwingungen diverser Fußlagen so lange mit unterschiedlichen Amplituden, bis sich der gewünschte Klang ergibt. Aus der Überlagerung resultiert eine sehr komplexe, obertonreiche Kurvenform, die nichts mehr mit Sinus oder den restlichen Grundwellenformen zu tun hat. Während der Endmix des Sounds aus den einzelnen Grundkomponenten bei der Sinuszugriegelorgel im Ohr des Betrachters stattfand, werden die Kurvenformen bei der digitalen Klangsynthese natürlich berechnet.

Acht verschiedene digitale Kurvenformen als Ausgangsmaterial
Acht verschiedene auf diese Weise berechnete Kurvenformen wählten die Korg Techniker also aus und brannten sie auf 2 ROM-Chips. Die enthaltenen Oszillatorenkurvenformen sind übrigens auf dem Bedienpanel abgebildet. Auch das jeweils zugehörige Frequenz/ Amplituden-Spektrum sieht man hier. Letzteres verdeutlicht, welche Obertöne und mit welcher Amplitude diese an der Mischung (additiven Synthese) der betreffenden Kurvenform beteiligt sind. Die Darstellungen sehen gut aus, und man weiß, womit man arbeitet. Mehr Sinn dürften sie jedoch nicht haben. Am Besten hört man sich zunächst mal an, wie die jeweiligen Kurvenformen klingen. Sie haben mit Dreieck, Sinus, Rechteck oder Sägezahn nichts mehr zu tun, sondern klingen bereits instrumentenspezifisch.
Für den DW 6000 haben die Korg Techniker überdies digital klingende Kurvenformen ausgewählt. Keine Angst, mit Orgelsounds von einst hat das nichts mehr zu tun. Wo die Orgler von einst aufhörten, fängt der DW 6000 erst so richtig an. Diese Sounds bilden ja erst die Oszillatorschwingungsform. Wir jagen sie jetzt durch den Filter, modulieren das Ganze nach Lust und Laune und versehen die so analog weiterverarbeiteten digitalen‘ Oszillatorkurvenformen mit den gewünschten Envelopes. Bis alles stimmt. Auf diese Weise lassen sich DX 7 bzw. PPG-Sounds ganz gut imitieren.
Das Besondere des DW 6000 steckt also in den beiden Oszillatoren. Die von Korg gewählten Schwingungsformen sind für den digitalen Sound des Keyboards in großem Maße verantwortlich. Sicher dürfte es auch technisch kein allzu großes Problem sein, die auf Chips gespeicherten Kurvenformen durch andere auszutauschen. Vielleicht kann man diese sogar einmal selbst programmieren. Hardware-Umrüst und -Aufrüstfreaks, wie wär’s mit ein paar Gedanken in dieser Richtung! Der Rest des DW 6000 ist solide nach altbewährter Korg-Manier aufgebaut. Beide Oszillatoren lassen sich auf die Fußlagen 16′, 8′, und 4′ schalten und mit regelbarer Amplitude abmischen. Oszillator 2 lässt sich in Intervallen (kleiner und großer Terz, Quart und Quinte) zum ersten stimmen oder in Schwebung leicht verstim men (Detuning). Der Detune-Bereich liegt im Bereich einiger Herz. Somit lässt sich zwar der Sound etwas lebendiger gestalten, aber für extremere Effekte ist es etwas zu wenig. Als weitere Klangquelle gibt es noch einen Rauschgenerator für Sturm und Brandung oder auch einigermaßen natürlich klingende Anblassounds oder Percussion. Der Rauschgenerator kann in 32 Stufen zugemischt werden. Diese 32-stufige Quantelung gilt übrigens für die meisten regel baren Parameter. Nur die Cutoff-Frequency des Filters ist feiner, nämlich in 64 Stufen aufgelöst.

Programmierung und Bank-Hold
Sämtliche Parameter besitzen eine Nummer. Tippt man diese im Parameter (Edit) Mode auf den acht Zahlentastern ein, erscheint im Display der aktuelle Wert des Parameters. Diesen kann man nun im angegebenen Bereich entweder über den Value-Schieberegler oder den Up- bzw. Down-Taster step für step ändern. Neben dem Parameter-Wert steht die aktuelle Programmnummer und die Parameternummer im Display. Es ist im Dunkeln hervorragend, mit zunehmender Beleuchtung jedoch immer schwerer zu entziffern. Das ist ungünstig, denn man kann ja nicht deswegen im Dunkeln spielen. Eine Tabelle auf dem Frontpanel mit den Parametern und Nummern, sowie den jeweils möglichen Einstellwerten, erleichtert anfangs das Selbstprogrammieren von Sounds ziemlich.
Logisch zusammengehörige Parameter, wie z. B. Filterparameter oder Filterenvelopeparameter usw., stehen immer in einer Zeile (Bank) nebeneinander. So stehen z. B. die Filter Envelopes Attack, Decay, Break Point, Slope, Sustain und Release in einer Zeile (Bank) und haben die Nummern 41 bis 46, wobei die erste Ziffer, hier also 4, die Bank und die zweite die Nummer des Parameters in der Bank bezeichnet. Die VCA-Envelopes stehen eine Zeile tiefer und tragen die Nummern 51 bis 56. Dieses System hat man bald im Kopf, und wenn nicht, findet man sich in der Tabelle schnell zurecht.
In Verbindung mit dem Bank/Parameter Hold Schalter weist dieses System noch ein weiteres Plus auf. Normalerweise muss man ja immer zweistellige Zahlen eintippen, um ein Programm oder einen Parameter zu ändern, Banknummer und Parameternummer. Drückt man jedoch den Bank Hold Switch, genügt die Eingabe der Parameternummer, die Bank bleibt in diesem Fall immer die gleiche. Das ist praktisch, wenn man z. B. nur mit den Filter-Envelopes oder eben den Parametern innerhalb einer Bank experimentieren will.
Der DW 6000 ist ein Keyboard mit dem man eigene Sounds leicht erstellen kann und auch sollte. Die mitgelieferten Sounds lassen nämlich von den Möglichkeiten des Geräts nur wenig ahnen. Vielleicht hören eben japanische Ohren doch anders als unsere. 64 Sounds haben übrigens im Programmspeicher Platz. Sie sind in acht Bänken mit jeweils acht Sounds zusammengefasst. Man kann sie auf Tape speichern.

Filter
Beim Filter handelt es sich um einen ganz normalen Low Pass Filter mit regelbarer Cutoff-Frequency (64 Stufen) und regelbarer Resonanz. Letztere lässt sich bis zum Selbstschwingen des Filters hochregeln. Und hier freut man sich dann spätestens über die feine Auflösung der Cutoff-Frequency. Weiter geht ’s mit dreistufigem Keyboardtracking und normaler sowie inverser Filterenvelope. Bei normaler Filterenvelope wird der Ton bei z. B. langsamem Attack langsam heller (Filter öffnet sich), bei inverser Envelope jedoch entsprechend langsam dunkler (Filter schließt sich). Mit der Inverse Polarity lassen sich teilweise ganz witzige Effekte erzeugen. Der Grad, mit dem der Envelope den Filter beeinflusst, ist regelbar.

Envelopes
Wie üblich, bietet der Korg auch bei diesem Synthie diffizilere Envelope- Einstellmöglichkeiten als die Konkurrenz. Zusätzlich zu Attack, Decay, Sustain und Release lässt sich ein weiterer Bereich mit dem sogenannten Breakpoint und der Slope Time definieren. Dieser Zeitbereich schließt direkt nach dem Decay an, die Slope Time bestimmt das Abfallen des Pegels auf den Sustainpegel. Unser Ohr identifiziert verschiedene Klänge in sehr großem Maße durch deren unterschiedlichen Hüllkurvenverlauf. Vor allem die ersten Augenblicke des Sounds sind hierfür entscheidend. Dieser zusätzliche Regelbereich ist also nicht bloß Gag, sondern ermöglicht tatsächlich exakteres Reproduzieren natürlicher Klangeinsätze. Die Attacks waren bei meinen Gerät ca. im Bereich 0 bis 10 Sekunden, die Decays im Bereich von ca. 15 Sekunden regelbar.

LFO, Joy-Stick und Chorus
Für die Modulation sorgt ein LFO, der. jeweils regelbar sowohl den Oszillator als auch den Filter bzw. beide gleichzeitig, beeinflussen kann. Leider verfügt er nur über eine Dreiecksschwingung. Mit dem Delayregler konnte ich bei meinem Gerät Verzögerungen bis ca. 5 Sekunden erzielen. Das Portamento ist polyphon und läuft in der langsamsten Einstellung in ca. 10 Sekunden vom tiefsten C bis zum höchsten H. Die Zeit wird ins Memory übernommen.
Der Pitchbender lässt sich nicht nur in einer Dimension bearbeiten. Pitchbender ist etwas untertrieben für dieses Gerät. Genauer gesagt ist es ein Joy-Stick, in vier Richtungen bewegbar. Nach oben regelt er die LFO-Modulation der bei den Oszis, nach unten die des Filters. Nach rechts gedrückt, bewirkt er einen Bend des Oszillators nach oben, nach links, dasselbe nach unten. Gute Effekte erzielt man bei Schrägbewegungen. In jeder Stellung des Joy- Sticks hat man also einen anderen Effekt, bzw. eine Kombination zweier Effekte. Für einen breiteren Sound sorgt zu guter Letzt ein Stereo-Chorus. Der sich aber leider auch bei Korg durch leichtes Rauschen bemerkbar macht.

Volume, Tune und Key-Assign-Modes
Zu den bei den Schiebereglern für Gesamtvolumen und Tune lässt sich nicht viel sagen, außer, dass das Tuning im Bereich eines Halbtones arbeitet. Neben diesen Reglern sind die drei Key-Assign-Switches für die bei den Poly Modes 1 und 2 sowie den Unisono-Mode zum Solospiel mit fettem Sound Alle sechs Oszillatoren jeder Bank spielen in diesem Fall wie bei einem monophonen Synthie jeweils den gleichen Ton. Die einzelnen Oszis werden im Unisono Mode zusätzlich leicht gegeneinander verstimmt. Die entstehenden Schwebungen machen den Sound noch voller.

Midi-Features
Mittlerweile beinahe selbstverständlich: die Midi-Channels sind von 1 bis 16 wählbar. Normalerweise arbeitet der DW 6000 im Poly-Mode. Der Omni-Mode lässt sich zu bzw. abschalten. Dann gibt es noch den etwas unglücklich mit ‚Midi Enable‘ benannten Switch, mit dem man die empfangenen Daten bestimmt. In der Stellung ‚Note Data‘ verarbeitet der DW 6000 nur Tonhöhen- und -längeninformationen, während in der Stellung ‚All‘ auch die restlichen Informationen, also Modulation und Pitch Bend, Portamento, Pedal und Programmwechsel sowie die System Exclusive Informationen verarbeitet werden.

In und Outs
Zu den In und Outs auf der Rückseite: zwei getrennte Outs für Left und Right Signal, einer davon ist zusätzlich der Mono Out. Der Pegel ist in zwei Stufen (high und low) schalt bar. Daneben eine Phone- Klinkenbuchse und die drei Klinkenbuchsen für das Volumepedal bzw. die beiden Footswitches für Portamento und Programm up. Im Gegensatz zu den bisher besprochenen Standardklinkenbuchsen sind die Tape In und Outs für die Tapememory 3,5 mm Klinke.
Last but not least ein Write Enable Switch und die drei Midi-Buchsen (ln-, Out- und Thru-). Beinahe hätte ich natürlich das Wichtigste vergessen: der DW 6000 ist sechsstimmig spielbar, leider ohne Anschl agdynamik bzw. After Touch. Das Keyboard hat einen Umfang von 5 Oktaven (c-c).

Zusammenfassung
Der DW 6000 ist ein solider, leicht programmierbarer Synthie mit interessanten Klangmöglichkeiten. Von den Factorysounds sollte man sich zunächst nicht abschrecken lassen. Beim Korg- Vertrieb arbeitet man an neuen. Mit dem Synthie lassen sich alle gängigen Analogsounds und darüber hinaus interessante, ‚digitaler klingende‘ Sounds realisieren. Wirklich schade fand ich eigentlich nur, dass er nicht mit Anschlagsdynamik spielbar ist. Der empfohlene Verkaufspreis liegt bei 3.290,- DM.

Richard Aicher, erschienen im April 1985 in SoundCheck

Sequential Circuits Multitrack

Sequential Circuits Multitrack

Testbericht von Richard Aicher. Erschienen im Mai 1985 im Musikmagazin Soundcheck

Ein Winzling. Vom Äußeren her, jedenfalls. Auf den ersten Blick war ich zunächst einmal enttäuscht. Der Multitrack hat mit Sequential Circuits Design von früher nichts mehr zu tun. Vorbei sind die Zeiten, als Keyboards wie der legendäre Prophet V auch noch wie solche aussahen. Das Plastikzeitalter und die Miniaturisierung greift auf dem Keyboardmarkt um sich. Doch diese Mini-Dinger leisten mehr als weit massivere Vorfahren. Das Keyboard des Multitrack umfasst fünf Oktaven und ist sechsstimmig mit regelbarer Anschlagsdynamik spielbar. Diese lässt sich auf die Lautstärke, den Filter und den LFO-Amount legen. Verglichen z. B. mit Roland Keyboards ist der Anschlag härter. Die sechs Voices werden mittels ‚last note priority‘ den jeweils sechs zuletzt gespielten Tasten zugeordnet. Zwei Wheels an der linken Seite ermöglichen Pitch Modulation im Bereich einer Terz nach oben und unten, sowie Modulation der Oszillatoren.

Die sechs Voices sind total nach herkömmlichem Schema spannungsgesteuerter Analog-Synthies aufgebaut und voneinander völlig unabhängig. Der resultierende Sound ist ein Leckerbissen für Analog-Fans und mit zunehmender Digitalisierung der Keyboard-Klangwelten eine erfrischende Abwechslung.

Die Oszillator-Waveforms sind Sägezahn, Dreieck und Rechteck und können unabhängig voneinander an und abgeschaltet werden, lassen sich jedoch leider nicht stufenlos mischen. Die Pulsweite ist natürlich manuell regelbar (1%-99%), lässt sich aber auch automatisch vom LFO modulieren. Zum Oszillatorsound lässt sich Noise in beliebigem Verhältnis zum ischen. Die Oszillatoren sind im Bereich von vier Oktaven grob- und innerhalb eines Halbtones feinstimmbar. Hierzu tippt man zweistellige Digitalwerte ein. So steht z. B. ’00‘ für die tiefste Oktave, 12 für die nächsthöhere, 24 wieder für eine drüber usw. Ein Digit entspricht einem Halbton. Schade, dass die Werte -nicht in den entsprechenden Tonbezeichnungen übersetzt werden.

Mit einem Master Tune, der nicht in das Memory übernommen wird, lässt sich das ganze Oszillatorset gemeinsam im Live-Betrieb nachstimmen. Der Multitrack verfügt über automatisches Tuning. Nach genau 30 Sekunden Spielpause wird der Reihe nach jeweils ein Oszillator neu gestimmt. Greift man in die Tasten, unterbricht der Multitrack den Tuning- Vorgang sofort. Auch kurz nach dem Einschalten des Multitracks werden als erstes die Oszillatoren gestimmt. Für witzige Effekte sorgt die Glide-Funktion, vor allem im polyphonic Mode (Unisono off). Normalerweise setzt man sie nur im sogenannten ‚Unisono Mode‘ ein (alle Oszillatoren spielen einen Ton, entspricht monophonem Synthie mit sechs Oszillatoren). Die langsamste Glide-Geschwindigkeit ist ca. drei Sekunden/Oktave.

Für jede Voice des Multitracks stehen zwei Modulationssysteme zur Verfügung: Frequency-Modulation und LFO-Modulation. Im ersteren Fall moduliert die Oszillatorfrequenz den Filter (high-frequency modulation). Damit erhält man recht interessante ringmodulatorartige Sounds (Glocken und Crashs, DX 7-Percussion). Der LFO bietet Dreieck- -und Rechteckkurvenformen für Vibratos, Triller und ähnliches. Die LFO-Frequenz reicht von ca. 1/4 Hz bis 20 Hz. Die Modulationstiefe (Amount) regelbar. Der Multitrack stellt je Voice zwei LFOs zur Verfügung: einen für den Oszillator und einen für den VCF. Ein dritter LFO wäre natürlich nicht schlecht gewesen.

Drei Envelopes machen das Klangtüfteln zur Freude. Oszillator, Filter und VCA verfügen jeweils über eine eigene Envelope. Mit der Oszillatorenvelope lassen sich z. B. ätzende Toms mit original Simmons-Bend-Effekt realisieren. Die regelbaren Bereiche (ca. 1 bis IS Sek.), sind wie gewohnt: Attack, Decay, Sustain und Release, sowie der Envelope-Amount.

Ein 24 dB (4-pol) Low Pass sorgt für guten Ton. Die Cutoff-Frequenz ist mit 128 Digits sehr fein einstellbar. Der Filter lässt sich deshalb bei entsprechend hoher Resonanz als vierte Ton-Signalquelle einsetzen. Dann wirkt der Cutoff-Regler als Tuningregler für den Sinus-Sound des schwingenden Filters. Wie schon erwähnt, lässt sich der Filter sowohl vom LFO als auch von der Oszillatorfrequenz modulieren.

Die LFO-Modulation ist schaltbar , die Oszillator- Modulation regelbar. Das Keyboard- Tracking lässt sich in drei Stärken auf den Filter schalten. Den schwingenden Filter kann man so als Pseudo-Oszillator über das Keyboard spielen.

Für das Kind der jüngsten Digitalgeneration ist selbstverständlich, dass die gesamte Steuerung des sonst analogen Geräts voll digital abläuft. Das heißt für den Musiker: Tipptaster , LEDs und Digital LED-Displays. Fast alle Parameter sind in 64 Digits aufgelöst, die Cutoff-Frequenz sogar in 128. Die feine Auflösung vermindert hörbare Sprünge beim Verändern der Parameter in Realtime. Das Problem der Parameterwahl im Edit-Mode ist recht gut gelöst. Alle Parameter stehen im Parameter Edit Feld, einem Feld mit vier Zeilen (Banks) und 10 Spalten

~

(Parameter). Jeder Parameter steht auf einem Kreuzungspunkt einer Zeile mit einer Spalte. Mit dem Bank- Switch wählt man die Bank an, in der der gewünschte Parameter steht. Sie wird von einer LED markiert. Dann wählt man mit dem Spalten- Select Switch die richtige Spalte. Unter jeder Spalte befindet sich ein eigener Select Switch. Mit einem Parameter Value-Regler stellt man dann den gewünschten Parameter ein. Der eingestellte Wert erscheint im Display. Bei Programmieren eigener Sounds kann man entweder von den 100 mitgelieferten Sounds ausgehen oder vom sogenannten Basic Patch. Das Basic Patch ist nichts anderes als eine Minimal-Einstellung des Multitracks. Man hört einen ganz einfachen Sägezahnton. Alle anderen Parameter sind automatisch auf 0 zurückgestellt. So lassen sich neue Sounds ganz von den Roots an schnell programmieren.

Erst das Herzstück, der sechsstimmig polyphone Sequenzer macht den Multitrack zu dem, was er ist, eine perfekte Komponier- und Arrangiermaschine. Er kann vier polyphone Sequenzen, insgesamt 1600 Töne, aufnehmen und wiedergeben. Die vier Sequenzen lassen sich zur Wiedergabe in beliebiger Reihenfolge aneinanderhängen. Jede Voice lässt sich mit einem völlig eigenständigen Sound versehen, auswählbar aus den 100 Memories. Dann klingen die einzelnen Stimmen allerdings recht dünn. Nur ein Oszillator je Voice ist eben etwas wenig. Der Sequenzer arbeitet in drei verschiedenen Modes. Im ‚Record Basic Track‘-Mode wird die Grundspur angelegt, die die Sequenzlänge bestimmt. Die restlichen Spuren nimmt man dann im Overdub-Mode auf. Mit den sechs Track-Switches bestimmt man, wieviele und welche Tracks im jeweiligen Durchlauf aufgenommen werden sollen. Im Overdub- Mode werden zuvor aufgenom – mene Sequenzen nicht gelöscht. Ein eingebautes Metronom erleichtert die Aufnahme der Sequenzen. Die ‚Auto Correct ‚-Funktion korrigiert direkt während dem Einspielen, wählbar auf gerade achtel oder Triolen. Daneben gibt es nur noch einen Hi-Res Mode mit 96er Quantelung. Eine 32tel Autokorrektur hat man leider nicht vorgesehen. Im Overdub Mode lassen sich die aufgenommenen Tracks editieren, also Töne hinzufügen oder löschen. Der Sequenzer lässt sich zu jedem Standard Midi Clock, z. B. von einer Drum Maschine kommend, synchronisieren. Auch ‚Nicht-Midi ‚-Clockimpulse kann man zur Synchronisation benutzen, z. B. einen Sync- Puls zur Tape-Synchronisation. Bequemer als per Hand startet man die Sequenzen per Footswitch. Die Playback- und Aufnahmegeschwindigkeit lässt sich in genügend großem Bereich regeln.

Arpeggiators kamen in letzter Zeit etwas aus der Mode. Der Multitrack hat wieder einen. Er arbeitet auf drei verschiedene Weisen: Up/ Down und Assign. Das Arpeggiator- Memory reicht für maximal 16 gedrückte Tasten. Er nutzt ausschließlich Voice 6. Die Arpeggios lassen sich transponieren. Im Assign-Mode kann man kurze Riffs abspeichern. Der Arpeggiator spielt in diesem Fall die Töne in der gleichen Folge, wie sie eingespielt wurden.

Zur Soundverbesserung ist ein Stereochorus eingebaut. Er ist natürlich an- und abschaltbar, Tiefe und Geschwindigkeit lassen sich regeln.

In dieser Klasse bisher nie dagewesene Soundmöglichkeiten bietet der ‚Stack‘-Mode (Stack = Stapel). Zu verdanken ist dies wiederum den sechs, voneinander völlig unabhängigen Voices. Genau wie im. Sequenzer- Mode lassen sich auch im Realtime- Mode bis zu sechs verschiedene Sounds gleichzeitig auf einen gespielten Ton legen. Je nach dem, wieviele Programme man auf diese Weise Huckepack übereinanderlegt, verringert sich natürlich die Zahl der spielbaren Stimmen. Legt man zwei Sounds übereinander, kann man noch dreistimmig spielen, bei dreien bleiben jedoch nur noch zwei Stimmen unabhängig voneinander spielbar. Mit den Stacks kann man auch Split-Points auf dem Keyboard abspeichern. Bis zu fünf Stacks kann man auf die linke Keyboardhälfte legen. Die verbleibenden liegen dann auf der rechten Hälfte. Für jede Hälfte lässt sich getrennt bestimmen, ob sie polyphon oder als monophoner Stack gespielt werden soll. Zehn verschiedene Stack/Split-Presets haben im Memory Platz.

Der Multitrack ist einer der wenigen Keyboards, die im Mono-Mode arbeiten können. Schließt man einen Computer mit Midi-Recorder-Software an, können die sechs Voices des Multitrack selektiv angesprochen werden. Belegt man die sechs Voices mit unterschiedlichen Sounds, spart man auf diese Weise einige Keyboards. Ein Channel spielt dann meinetwegen den Bass, drei andere die Begleitung, und es bleiben noch zwei Channels für eine fette Solostimme. Vier verschiedene Midi-Modes stehen zur Verfügung: Omni On/Mono Off, Omni On/Mono On, Omni Off/Mono Off und Omni Off/Mono On. Ob die Wheel- bzw. Keyboard Pressure Daten bzw. Programmwechselinformationen übertragen werden sollen oder nicht, lässt sich wählen. Diese Zusatzinformationen benötigen ja immer ziemlich viel Speicherplatz und werden nicht immer benötigt. Der Midi Channel und der Midi Mode Switch befinden sich mit den beiden Tape Memory Switches, den Master Tune und Volume Reglern, .sowie den Chorusreglern im rechten Abschnitt des Panels.

Alle Ein- und Ausgänge liegen auf der Rückseite des Geräts und sind als Klinkenbuchsen ausgeführt. Zwei Mix Outputs, die sechs Track Outputs, Midi In und Out, Tape-Memory In und Out, sowie ein Footswitch- Jack. Ein Midi Thru ist unverständlicher weise nicht vorhanden. Einzeln abgenommene Tracks werden aus den Summen Outs abgeschaltet. Die Einzelausgänge sind für die Anwendung im Studio natürlich ein Segen und sparen teures Nachrüsten. Vom Werk wird der Multitrack mit 100 Demosounds und vier Demosequenzen geliefert. Sie verdeutlichen so ziemlich das gesamte Soundspektrum des Multitrack und sind ordentlich programmiert. Eine Demosequenz zeigt die Möglichkeiten des Multitracking. Beim Antesten erhält man über die gespeicherten Presets also einen recht genauen Eindruck von den Möglichkeiten des Keyboards. Der Multitrack bietet den Sound für Analog-Freaks. Vor allem die Möglichkeit mehrere Sounds übereinanderzulegen und Keyboard-Splits zu definieren sind in dieser Preisklasse einmalig. Der integrierte Sequenzer ist leicht zu bedienen und bietet die Möglichkeit, einfach und schnell gute Arrangements zu erstellen. Vier Sequenzen sind jedoch nicht gerade viel. Legt man auf jede Voice einen anderen Sound, klingen die Stimmen nicht mehr gerade bombastisch, dafür hat man aber viele Sounds gleichzeitig parat. Die Programmierung der Sounds geht nach analogem Muster und funktioniert mit der Zeilen/ Spalten-Methode recht übersichtlich. Midi-Freaks werden sich über den Mono-Mode freuen. Im Studio sind die Track-Einzelausgänge ein großer Vorteil. Der Preis des Multitrack beträgt ca. DM 5500,-.

Aicher