Pro 16 MIDI Sequenzer Software von Steinberg Research

Pro 16 MIDI Sequenzer Software von Steinberg Research

Testbericht von Richard Aicher, geschrieben im April 1985

Steinberg Research hat sich mittlerweile bei allen Midi-Musikern einen sehr guten Namen gemacht. Doch die Jungs ruhten sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern arbeiteten fleißig. Das Ergebnis: Die neue Pro 16 Midi Sequenzer Software und ein Notenschreiber in Vorbereitung. Gleich vornweg: Der Pro 16 wird den guten Ruf der Firma weiter festigen. Er macht jede Midi Recording Session zum angenehmen Zeitvertreib.

Midi als Philosophie

Für alle, die immer noch nicht wissen, wo der Hase lang läuft: Midi ist nicht bloß ein Wort, sondern eine ganze Philosophie. Ein genormtes Interface macht die Koppelung von Keyboards, Drum Machines und Effektgeräten möglich. Die Instrumente dürfen von verschiedenen Herstellern stammen. Mittlerweile halten sich die meisten an die Midi Spezifikationen. Von einem Keyboard aus lassen sich so mehrere andere steuern. Drum Machines können so mit Sequenzern synchronisiert werden. Expander lassen sich bequem über den Bildschirm programmieren. Ein Homecomputer kann als Zentralcomposer das gesamte Equipment steuern. Voraussetzung sind natürlich midikompatible Geräte, Homecomputer“ Midi-Interfaces und geeignete Software.

Die Pro 16 Software gehört in die Kategorie der Midi Recorder und ist auf den Commodore 64 Computer abgestimmt. Prinzipiell kann man das Ding mit einer 16-Spur Maschine vergleichen. Nur dass hier die Aufnahmen nicht auf Band, sondern zunächst im Computer und dann auf der Diskette gespeichert werden. Natürlich lassen sich mit dem Pro 16 nur Informationen von Keyboards, Drumcomputern oder midikompatiblen Effektgeräten aufnehmen. Ein Mikrofon jedenfalls, lässt sich nicht an diesen Recorder anschließen. Leider sehen die Signal Out-Buchsen diverser Taperecorder genauso aus wie die Midi-Buchsen. Was liegt also für manchen näher, als den Sound des Recorders über ein Midi-Kabel in das Interface zu jagen und mit geeigneter Midi-Recorder Software aufzunehmen? Auch das beste Midi-Interface versteht solche Toninformationen nie. Es kapiert wirklich ausschließlich Steuerinformationen von midikompatiblen Geräten.

Stimmenvielzahl

Die 16 Spuren des Pro 16 können theoretisch beliebig vielstimmig bespielt werden. Praktisch bringt man natürlich nur so viele Stimmen auf jeder Spur unter, wie das angeschlossene Einspielkeyboard spielen kann. Außerdem muss man sich immer im Klaren sein, dass für jede aufgenommene Stimme auch zum Abspielen eine vorhanden sein muss. Hat man meinetwegen drei sechsstimmige Keyboards, kann man zwar hintereinander in 16 Durchgängen 96 Stimmen aufnehmen, davon werden aber nur insgesamt 18 Stimmen wiedergegeben. Die Moral von der Geschieht, will man den konventionellen 16 Spurrecorder völlig durch ein Midi-System ersetzen, bräuchte man theoretisch 16 Instrumente. Das kommt natürlich ziemlich teuer. Doch stellt sich für Keyboarder zumindest heute schon die Frage, ob sieh die Anschaffung eines 16-Spur Taperecorders noch lohnt. Meine Meinung: lieber ’nur‘ ein Achtspurtape kaufen und vom gesparten Geld das Midi-System erweitern. Denn Midi Recording bietet im Vergleich zum konventionellen Taperecording einige wichtige Arbeitserleichterungen.

Das Bedienpanel

Das Bildschirmfoto zeigt das Bedienpanel des Pro 16 Sequenzers. Es bleibt die ganze Recordingsession über das Gleiche. So entfällt Gottseidank nerviges Hin- und Herschalten zwischen verschiedenen Pages. Dafür mussten die Entwickler natürlich sämtliche Funktionen auf dieser einzigen Page unterbringen. Doch keine Angst, nach kurzer Einarbeitung hat man den Pro 16 bald begriffen. Man muss kein Programmierprofi sein, um mit ihm arbeiten zu können.

Ein Farbfernseher oder -monitor erleichtert die Arbeit ungemein. Viele Funktionen zeigt der Pro 16 durch Farbwechsel an. So signalisiert ein roter Bildschirmrand . den Record-, ein grüner hingegen den Playmode. Hat man keine Farbe, tut’s zur Not ‚jedoch auch ein Schwarz/Weiß-Gerät. Die Bedienpage ist in mehrere Zonen aufgeteilt. Im oberen Bildschirmdrittel sehen wir die Spurentable. Hier können wir die 16 vorhandenen Spuren ein- und ausschalten. Im Play Mode hört man nur die eingeschalteten Spuren. Die Aufnahmen bleiben jedoch auch beim Ausschalten erhalten. Unter der Spurnummer sehen wir das Feld für die

Midi-Kanal-Wahl. Der Midi-Kanal bestimmt, über welches angeschlossene Gerät die Spur im Playmode wiedergegeben wird. Voraussetzung ist natürlich, am angeschlossenen Gerät lässt sich der Empfangskanal einstellen (1-16). Ein Stockwerk unter der Spurentable, die Informationszeile. Hier schreibt der Pro 16 jeweils im Klartext in welcher Bedienfunktion wir uns befinden, und auf welchen Parameter der zugehörige Wert gesetzt ist. Auch Bedienfehler werden hier angezeigt. Darunter die Funktionstable. Hier bestimmen wir, welche Sequenz bearbeitet wird, Tempo (TMP), die Länge der Sequenz (LEN) den Takt (TMSIGNTR) und die Quantisierung der Autokorrektur. Sie lässt sich von 1/4 bis 1/96 (Realtime) wählen. Auch Triolen lassen sich korrigieren. Gibt man etwa den Wert 16 ein, heißt das, dass alle eingespielten Töne auf die nächstliegende Sechzehntel Note korrigiert werden. So erhält man auch bei ungenauem Spiel exaktes Timing. Je höher die Quantize- Einstellung ist, umso genauer muss man natürlich einspielen. In der Einstellung 96 ist die Quantisierung praktisch unhörbar fein. Dies ist Realtime Mode.

In der Funktionstable bestimmen wir weiterhin, welche der 16 Spuren aufgenommen wird (REC). Im Feld SGL können wir uns für Step‘ By Step-Eingabe oder Einspielen entscheiden. Hier entscheiden wir auch, ob der Pro 16 im Sequenz Mode (zyklisches Abspielen eines kompletten Songs) arbeitet.

Eine Zeile darunter wird der noch freie Speicherplatz (MEM) angezeigt. Daneben:. Taktanzeige (BAR), Stepzähler (NUM) und ein Velocity Display (VEL). Letzteres zeigt die Dynamik des Einspielinstruments. Ganz am unteren Bildschirmrand haben die Steinberg Programmierer einen besonderen Gag plaziert. Eine Art Software Pegelanzeige aller Tracks. Vergleichbar mit den Aussteuerungsinstrumenten eines Taperecorders. So sieht man immer, was auf den einzelnen Tracks gerade los ist. Für jeden Track ist ein separater Balken zuständig.

SYN, TRP – WID?

Zu guter letzt noch die Felder SYN, DSK,TRP und I/C. Keine Angst vor den Kürzeln. Wie schon gesagt, bei Anwahl eines Parameters erscheint es in der Infozeile jeweils im Klartext. Mit SYN bestimmen wir eine der drei möglichen Synchronisationsarten. Der Pro 16 kann intern oder extern synchronisiert werden. Im letzteren Fall zum Beispiel durch einen Drumcomputer (48 Clocks pro Viertel) oder von einer Bandmaschine. Die dritte Möglichkeit ist die Synchronisierung durch die Midi-Clock eines am Eingang des Interfaces angeschlossenen Instruments. In dieser Stellung kann der Pro 16 1″‚“- von diesem Gerät aus gestartet werden. Aufnahme ist in diesem Mode (MID) nicht möglich. In Verbindung mit dem Steinberg Synchroniser hat man noch sehr viel mehr Synchronisationsmöglichkeiten.

DSK steht für Disketten Operationen. Klar, dass man die eingespielten Songs auf Diskette sichern kann. Man sollte sich übrigens, das kann ich nicht oft genug betonen, angewöhnen, Zwischenergebnisse so oft wie möglich auf Diskette zu speichern. Spätestens, wenn man eines Tages durch eine Netzschwankung oder den Schalt funken von Nachbars Kühlschrank, die Arbeit vieler Stunden verloren hat, bereut man, vorher nicht zwischengespeichert zu haben. Ganz Vorsichtige fertigen sogar von jeder Datendiskette eine Sicherheitskopie an. Disketten nehmen nämlich jede unsanfte Behandlung sehr übel und weigern sich dann strikt, ihren Inhalt wiederzugeben. Fatal!

Transponierte Strophen

Der Pro 16 kann komplette Tracks und Sequenzen auf Knopfdruck transponieren. Verschieden transponierte Strophen muss man also nicht mehrfach einspielen. Im Feld TRP gibt man einfach die Anzahl der Halbtonschritte an, die die aktuelle Sequenz nach oben oder unten transponiert werden soll. Insgesamt lassen sich 67 Halbtonschritte von Cl nach oben oder 60 nach unten transponieren. Bleibt noch das letzte Feld, I/C = „Insert Copy Sequenz“, zu besprechen. Die aktuelle Sequenz oder Spur lässt sich hiermit per Knopfdruck auf eine andere freie Sequenz oder Spur kopieren. So baut man gleichbleibende Basistracks schnell in eine neue Sequenz ein. Mit dieser Funktion lässt sich die aktuelle Sequenz auch in die Songtable eingliedern (insert). Am rechten Bildschirmrand schließlich die Songtable. Mit ihr können wir die Sequenzen in bestimmter Reihenfolge verknüpfen (Sequence chain). Insgesamt merkt sich der Pro 16 maximal 64 verschiedene Sequenzen. Vorausgesetzt, der zulässige Speicherbereich wird nicht überschritten. Die Song Kette hat 256 Glieder. Jedes Glied entspricht einem Durchgang einer Sequenz. Im Song Mode arbeitet der Pro 16 die gesamte Kette Sequenz für Sequenz ab. Gibt man eine Null anstelle einer Sequenznummer ein, fasst er das als Stop Signal auf und beendet das Spiel.

Beispiel

Wie geht eine Recording Session vor sich? Als erstes gliedern wir unseren Song in logische Funktionsblöcke, also Intro, verschiedene Strophen, Refrains, Schluss usw. Der Grund: Parts, die mehrfach wiederholt werden, brauchen wir nur einmal einzuspielen. Wir können sie ja im Song Mode in beliebiger Reihenfolge aneinanderketten oder dieselbe Sequenz mehrfach hintereinander abspielen. Die einzelnen Sequenzen nehmen wir im Sequenz Mode auf. Der Pro 16 spielt die Sequenz dann ohne Unterbrechung zyklisch. Wir geben zunächst die Parameter Takt, Tempo, die Länge unserer Sequenz in Takten und den Quantisierungsfaktor vor. Jetzt müssen wir nur noch den Cursor auf das REC-Feld setzen und mit der Funktionstaste F1 die Nummer der aufzunehmenden Spur in dieses Feld tasten. Druck auf die RETURN-Taste gibt jetzt den Startschuss. Der Bildschirm rand wird rosa und aus dem Lautsprecher des angeschlossenen Fernsehers tönen acht gleiche Metronomschläge als Vorzähler. Es werden immer 2 Takte vorgezählt. Mit dem letzten Vorzählschlag wird der Bildschirmrand weiß, das Achtung- Signal gewissermaßen. Dann beginnt automatisch die Aufnahme, der Bildschirm rand ist jetzt rot: Record Mode. Der Pro 16 nimmt die vorbestimmte Anzahl von Takten auf. Aus dem Fernsehlautsprecher hören wir den Metronom-Pieps. Im BAR und NOM Feld erkennen wir im mer, in welchem Takt und an welchem Beat wir uns momentan befinden. Dann wird der Bildschirmrand grün, der Sequenzer wechselt automatisch in den Wiedergabe Modus und spielt unsere Aufnahme wieder ab. Das Kanal on/off Feld der aufgenommenen Spur ist nun weiß geworden. Es signalisiert so, dass sich auf dieser Spur eine Aufnahme befindet. That’s all!

Spurwechsel

Die nächste Spur nehmen wir genauso easy auf. Wir stoppen hierzu den Sequenzer mit der RUN/STOP Taste, wählen im Record-Feld die nächste aufzunehmende Spur, RETURN gedrückt, und das Ganze beginnt von vorne. Die zuvor aufgenommene Spur hören wir natürlich als Playback. Wir können sie aber auch, sofern gewünscht, mit dem on/ off Schalter stumm schalten. So einfach ist das alles. Die Songparameter,Tempo, Time Signature und Taktanzahl lassen sich übrigens auch während des Abspielens bzw. der Aufnahme ändern. Schwierige Passagen, die unsere spieltechnischen Fertigkeiten übersteigen, können wir Step By Step eintippen. In diesem Fall bestimmt der eingestellte Quantize-Wert den Notenwert, den der Pro 16 bei einem Druck auf die Leertaste des Commodore 64 weiterzählt. Die Tonhöhe bestimmen wir wie gewohnt über die Tasten des Keyboards. Pausen erzeugen wir durch ‚Nur ‚-Drücken der Leertaste. Sind wir mit unserer Sequenz zufrieden, geht’s ans Arrangieren. Hier zeigt sich nun, wie vorteilhaft man mit einem Midi System arbeiten kann. Für Taperecorder Freaks bedeutet Neuarrangieren immer gleich Neuaufnahme. Nicht so für uns. Wir können unsere Sequenzen abfahren und nach Herzenslust so lange an den Soundprogrammen rum feilen oder die Tracks von verschiedenen Keyboards spielen lassen, bis alles soundmässig zusammenpasst. Zu guter letzt probieren wir mit der Songtable noch die optimale Verknüpfung der einzelnen Parts aus. Und schneller als gedacht ist der Song im Kasten.

Der Pro 16 besitzt übrigens genau wie ein guter Mixer auch eine Solotaste zum Solo-Hören einzelner Tracks. Sehr praktisch. Durch Drücken der Taste A des Computers wird der Ton Al auf alle Midi-Kanäle ausgegeben. So lassen sich die angeschlossenen Instrumente leicht stimmen.

Zusammenfassung

Midi ist ein Segen für Keyboarder und Studios. Doch das System nützt nichts ohne gute Software. Der Steinberg Pro 16 erfüllt alle Anforderungen an einen guten Midi-Recorder. Er ist leicht zu bedienen, sicher im Umgang und bietet viele Vorteile im Vergleich zur Arbeit mit einem Tape-Recorder. Ein großes Plus: Realtime- und Step By Step- Eingabe sind innerhalb eines Recording Vorgangs gleichzeitig nutzbar. Beim Arbeiten mit dem Sequenzer merkt man sofort, dass hier nicht nur Software produziert wurde, sondern sich Musiker etwas bei der Entwicklung gedacht haben. Die Software kostet ca. 290,- DM. Bei der Verfassung dieses Manuskriptes erfuhr ich, dass in den nächsten Tagen eine Update Version des Pro 16 fertig ist. Die Update Version ermöglicht zusätzlich Punch in/ Punch out, Mixdown durch Festlegen der Velocity-Werte und als Gag am Rande eine Echtzeituhr , die die Länge des Songs auf Minute und Sekunde genau angibt.

Text und Fotos, Richard Aicher, 1985 für SoundCheck

Oscar Synthesizer

Oscar Music Synthesizer

Original-Manuskript Testbericht und Fotos von Richard Aicher erschienen im April 1985 im Keyboardmagazin Soundcheck

Zunächst dachte ich mir, Oscar sei ein Relikt aus der Synthi-Steinzeit, nur neu aufgelegt. Wer spielt heute noch ein monophones Keyboard, außer er hat einen der legendären Minimoogs zu Hause? Doch Oscar räumte die anfängliche Skepsis im Lauf des Tests schnell beiseite. Oscar ist kein kleiner kautziger Nachbar, sondern ein neuer zweistimmig spielbarer Solosynthi aus England mit umfangreichen Memory- und Sequenzerfunktionen. Sein Äußeres – ugewohnt im Design und mit nichts Anderem vergleichbar. Oscar sieht aus, als könnte ihm auch ein Sturz aus dem vierten Stock nichts anhaben: bullig und schlagfest. Beschriftet mit riesen Lettern, die Farben hellbeige und schwarz, wuchtige „Stoßdämpfer“, die die Drehknöpfe auf der Frontplatte schützen sollen, ungeheuer massive Seitenteile, all dies lässt ihn nicht gerade grazil, geschweige denn futuristisch wirken. Leider hält die demonstrierte Massivität nicht so ganz, was sie verspricht. Die Stoßdämpfer sind aus Weich-Plastik und, zumindest beim Testmodell, wackelig, weil nur aufgesteckt. Auch die Drehpotis wackeln. Den Vergleich mit der strotzenden Massivität eines Minimoogs kann Oscar nicht bestehen. Trotzdem, er überlebt unsanfte Schläge im rauhen Live-Betrieb.

Das Keyboard

Das drei-oktavige Keyboard lässt sich sauber spielen. Kein lappriger Anschlag, sondern wirklich guter Druckpunkt. Bei Oscar ist es nicht bloß zum Spielen da. Die Tasten sind in verschiedene Bereiche eingeteilt und nummeriert. Im Edit-Mode besitzen sie nämlich ganz bestimmte und, je nach Mode, wechselnde Funktionen. Durch gleichzeitiges Drücken einer bestimmten Tasten und Push-Button-Kombination kann man Sound-, Sequence- und Kurvenform- Presets anwählen sowie Kurvenformen synthetisieren, die Oszillatoren stimmen oder Sequenzen eingeben oder editieren. Am Keyboard gibt’s noch ein Pitch- und ein Modulation- Wheel. Neben den Wheels zwei Push-Buttons, mit denen sich die Fußlage des Keyboards Step-By-Step ändern lässt.

Oszillatorsektion

Oscar hat zwei Oszillatoren mit jeweils drei Kurvenformen: Dreieck, Sägezahn und Rechteck. Dann gibt ’s noch ein Rechteck mit wählbarer ‚fixed‘ Pulsweite und eines mit dreieckmodulierter Pulsweite. Natürlich gibt’s auch Noise. Das ist aber noch lange nicht alles. Neben diesen altbekannten Waveforms hat man noch 5 Preset-Waveforms zur Verfügung: Full Organ, Harpsichord, Strang Lead, Double Pulse und Triple Pulse. Und dann lassen sich, wie gleich zu sehen, 5 weitere Waveforms selbst programmieren und auf die bei den Oszillatoren legen. Oscar nutzt hierzu das Verfahren der additiven Klangsynthese, und das ist bei einem Synthi in dieser Preisklasse neu. Wie bei einer Sinus-Zugriegel- Orgel lassen sich die Waveforms durch Mischen (Addieren), Mastertune und Detune der beiden Oszillatoren auch durch Drücken von entsprechenden Keyboard-Tasten und einem Push-Button einstellen. Mit dem Osc Balance-Regler kann man die bei den Oszillator-Outputs mixen. Ein weiteres Poti regelt das Verhältnis von Noise- und Oszillator- Mastervolume. Mit zwei Potis lässt sich der Einfluss des Modulation- Wheels auf Filter und Oszillator, sowie des Bend-Wheels auf die Oszillatoren regeln.

Sehr umfangreich sind die Glide- Funktionen. Der Glide-Drehschalter besitzt sechs Stellungen für Portamento oder Glissando mit einstellbarer Time oder mit ‚fixed‘ Time. Daneben gibt es noch eine Auto-Stellung.

Filtersektion

Es sind zwei 12 dB Filter vorhanden, die man in Serie oder parallel schalten kann. In Serie sind sie 24 dB steil, parallel hat man 12 dB Filter, deren Cutoff-Frequenz unabhängig voneinander im Bereich von 16 Hz bis 16 kHz regelbar ist. Die Filter lassen sich als High-Pass, Low-Pass oder Band-Pass schalten, sowie als Tracking Filter. Filter wie Oszillator lassen sich vom LFO modulieren, der Dreieck, Sägezahn und Rechteck zur Verfügung stellt.

Envelopes

Zwei getrennte ADSR steuern Filter und Verstärker. Sie können auf die unterschiedlichste Weise gemeinsam oder getrennt vom Keyboard, dem Clock-Oszillator oder extern getriggert werden. Außer dem Stufenschalter für den Trigger-Mode gibt ’s noch den Function-Mode- Schalter. Hier schaltet man zwischen monophonem und duophonem Spiel um, wählt‘ den Arpeggiator an, oder die drei Hold-Funktionen.

Sound

Der Sound des Ganzen ist recht fetzig und erinnerte mich etwas an den Moog-Source. Eben recht gute Bässe, nicht ganz so gewaltig wie einst beim Minimoog, etwas ‚digitaler. Recht gut lassen sich Orgelsounds in allen Varianten erzeugen. Die Presets kann ich nicht beurteilen, da im Testgerät aufgrund eines Transportschadens auf dem Weg aus England alle Memories gelöscht waren.

Sequenzer

Insgesamt haben 12 Sequenzen und 10 Songs im Memory Platz. Jede Sequenz kann maximal 255 Events lang sein, für jeden Song sind bis zu 255 Sequenzen einsetzbar. Ton, Pause, Programmwechselinformation, Repeat-Befehle oder Untersequenzen gelten als Event. Die Repeat-Funktion erlaubt eine beliebige Wiederholung von Sequenzen, wobei die Wiederholung als ein Event gewertet wird.

In den 10 Songs lassen sich auch Voice -Änderungen mit abspeichern. Sequenzen und Songs kann man editieren. Das Einfügen oder Löschen einzelner Events geht einfach.

Der Sequenzer ist eine Art Composer. Die Töne gibt man über das Keyboard ein; sie können gebunden werden. Auch Legatospiel merkt Oscar sich. Pausen markiert man durch Drücken eines Push-Buttons. Es dauert einige Zeit, bis man perfekt mit den 5 Sequenz-Druckschaltern umgehen kann, die je nach Mode diverse Funktionen erfüllen. Im Playback-Mode mit Duo-Trigger kann man zum Playback der Sequenz eine Melodieline auf dem Keyboard spielen. Waveforms, Voices und Sequenzen lassen sich getrennt oder in beliebigen Kombinationen auf Cassette speichern. Also zum Beispiel Waveforms und Voices zusammen, oder Voices und Sequenzen. Sie lassen sich aber immer nur als ganze Sets auf Cassette ausgeben. Die 5 LEDs zeigen jeweils an, ob und was geladen oder gespeichert wird.

An Sounds stehen 24 Presets und beim Testmodell 12 programmierbare Sounds zur Verfügung. Wie aus England zu erfahren war, wird Oscar aber jetzt mit 36 frei programmierbaren Sounds geliefert. Sämtliche Schalter und Potistellungen werden ins Memory mit übernommen. Die Programme ruft man durch Drücken einzelner Sinuskurven unterschiedlicher Frequenz und Amplitude erzeugen. Nur dass hier keine Zugriegel gezogen werden, sondern alles via Elektronik passiert. Im Waveform Edit-Mode sind 24 Keys ebenso viele harmonische Obertöne zugeordnet, die man durch Tastendruck zur Oszillator- Waveform addieren kann. Mehrfacher Druck auf die entsprechende Taste verdoppelt jeweils die Amplitude des entsprechenden Obertones. Die einzelnen Harmonischen lassen sich auch wieder löschen. Klingt alles unheimlich kompliziert? Wirklich, man muss auch etwas üben, bis man die Prozedur kapiert hat und gezielt Waveforms synthetisieren kann. Dann stehen aber Klangbastlern Tür und Tor offen.

Die Fußlage von Oszillator 2 lässt sich von -2 bis +3 Oktaven gegen Oszillator 1 verstimmen. Natürlich gibt’s auch ein Master-Tunepoti. Die Oszillatoren können von 32 bis 2 Fuß gestimmt werden. Fünf LEDs zeigen die Fußlage an. Die gleichen LEDs sind in anderen Programm-Modes für andere Dinge zuständig, man darf sich dadurch anfangs nicht verwirren lassen. Wenn man will, kann man von Push-Button und Keyboardtaste auf. Man kann deshalb Programme nicht wechseln, ohne das Spiel zu unterbrechen.

Oscar ist, wie es sich mittlerweile für einen Digital-Synthi gehört, MIDI-kompatibel. An der Rückwand befinden sich MIDI In, -Out und – Thru. Sonst verfügte mein Prototyp nur über eine Audio-Out und eine kombinierte Trigger /Tape-Memory Buchse. Oscar ist jetzt in Deutschland erhältlich. Sein Preis liegt unter DM 3000,-.

Zusammenfassung

Das Gerät ist super für Sound und Experimental-Freaks, die einen voll speicherbaren Lead- und Effekt- Synthi mit Sequenzer suchen. Es erfordert einige Zeit, bis man alle Features durch hat. Oscar besitzt hervorragende Möglichkeiten der Waveform-Generation für seine beiden Oszillatoren. Die Memories sind, wie schon erwähnt, nach dem Prototyp von 580 auf 1500 Steptime Events für den Sequenzer erweitert worden. Auch wurden die freien Voice-Memories jetzt auf 36 aufgestockt, und das kann sich sehen und hören lassen. Vielleicht hätte man aber anstatt die Tasten des Keyboard mit Schaltfunktionen zu belegen, lieber eine numerische Tastatur eingebaut, wie es ja auch PPG nach einem missglückten, ähnlichen Versuch mit dem Wave 360 machte. Fazit: Absolut super für Hardcore Synthi-Freaks, ansonsten hätte der Oscar getrost einige Jahre früher auf. den Markt kommen können.

Gottfried Richards

April 1985 SOUND CHECK 47

Die momentane Entwicklung auf dem Sektor Computer und Musik schreitet mit Riesenschritten voran.

Artikel von Richard Aicher – erschienen in Computer Persönlich, Ausgabe 4 vom 5.2. 1985

Im Bereich der Homecomputer-Musik läßt sich mit den etablierten Computern sicher nicht mehr allzu viel Neues entwickeln. Für alle gängigen Systeme gibt es mittlerweile Musik-Software. So ausgerüstet lassen sich mehr oder weniger komfortable Klänge, Geräusche, Melodien und sogar ganze Kompositionen in den Computer eintippen und abspielen. Die Grenzen liegen eindeutig an der Hardware. Der SID-Chip besitzt erstaunliche Fähigkeiten, aber der C 64wurde nicht als »Musik-Maschine« entwickelt, sondern eben als »musikalischer« Computer. Theoretisch wäre es nicht sehr kompliziert, den C 64mit weiteren zusätzlichen Soundmodulen zu bestücken. So ließen sich wenigstens mehr als drei Stimmen produzieren. Doch die sind für sinnvolle musikalische Anwendungen einfach zu wenig. Dann ließen sich die diversen Klaviaturen, die mittlerweile für den Commodore entwickelt wurden, sinnvoller nutzen. Doch der Klang?
Neue Impulse im Bereich der Musik mit Sound-Chips kommen momentan aus dem Bereich der MSXComputer. Denn was passiert, wenn ein japanischer Computerhersteller, dessen Unternehmen gleichzeitig eines der erfolgreichsten der Musikindustrie ist, einen neuen Computer entwickelt? Die Vermutung bestätigt sich: Das Gerät wird ein Musik-Computer. So geschehen mit dem MSX-Computer von Yamaha.
Vor kurzem machte Yamaha mit der Entwicklung des ersten FM-Synthesizers (Klangsynthese nach dem Verfahren der Frequenz- Modulation), der DX-Serie Furore. Das Gerät wurde ein Hit. KeinWunder, der Sound und die Fähigkeiten des Synthesizer waren in dieser Preisklasse bisher nicht zu bekommen. Yamaha ging einen Schritt weiter und verkleinerte einen Synthesizer der DX-Serie, den DX-9, auf die Größe einer Zigarettenschachtel, bei gleicher Soundqualität. Das Yamaha-Klang-Modul war geboren. Natürlich paßt es in den Modulschacht des Yamaha MSX-Rechners. Und, es verwundert niemanden, auch die passende Musiksoftware hatte man parat. Der erste vollmusikertaugliche Homecomputer mit überragender Soundqualität heißt Yamaha CX 5 M. Ob sich dieses System mehr auf dem Musiksektor durchsetzen wird, für den dieser Computer von Yamaha konzipiert wurde oder bei musikinteressierten Computerfreaks, bleibt abzuwarten. Mit billigen LCD-Groß Displays wäre es sinnvoller, den Computer samt Display in das Keyboard selbst zu integrieren. Dies erspart viel Transport und verkabelungs Probleme. Jeder moderne Synthesizer ist sowieso bereits mit mehreren Prozessoren bestückt. Das MIDI-System hat sich innerhalb kürzester Zeit fest etabliert.
In London gibt es mittlerweile drei MIDI-Recordingstudios. In London hat sich jedoch kürzlich ebenfalls eine Vereinigung arbeitsloser Studiomusiker gebildet, die gegen den weiteren Einsatz von Computern in Tonstudios protestieren. „Computer machen uns arbeitslos“, meinen sie. „Computer spielen präziser, zu jederzeit und liefern den optimalen Sound gleich mit“, kontern die Studios. Stein des Anstoßes sind hier natürlich nicht musikalische Home Computer. Sondern Spitzenmusik Systeme wie Fairlight und Synclavier. Sie machen mit ausgefeilter Sampling Technik und Bedien Software nicht nur den Studiomusiker arbeitslos, sondern den Tonmeister gleich mit. Doch bei aller Achtung vor Spitzenmusik Computer, eine gespielte Geige bietet ungleich mehr Nuancen und ein guter Musiker spielt sie mit so viel mehr Ausdruck, Spontanität und Gefühl, das zumindest auf viele Jahrzehnte hinaus natürliche Instrumente nicht von Computern ersetzt werden. Aber es ist ein neuer Musikertypus hinzugewachsen: der Computermusiker. und ein neues Instrument ist gleichberechtigt neben die althergebrachten getreten und das billiger! Mit Sicherheit gibt es in nicht allzu weiter Ferne ein Gerät mit dem Potential eines heutigen Fairlights nicht für hunderttausend sondern vielleicht 7000 Mark im Musik Geschäft an der Ecke zu kaufen
Richard Aicher
Ausgabe 4 vom 6. 2. 85

Atari 260 ST und Commodore Amiga – Welcher Personal Computer macht das Rennen

Atari 260 ST und Commodore Amiga

Welcher Personal Computer macht das Rennen?

Veröffentlicht im Musikmagazin Soundcheck, Jan. 1986

copyright Richard Aicher

Für Atari habe ich in dieser Zeit viele Workshops für Musiker gemacht. Die bekamen dann vorgeführt wie ein MIDI-System funktioniert und was MIDI alles kann. Das waren damals für die meisten Keyboarder noch relativ unbekannte Sachen. Kinder wie die Zeit vergeht. Auf jeden Fall hatte ich immer mein kompleettes MIDI-RACK mit dabei und die Leute waren schon baff

Bisher war der Commodore 64 der Renner unter den Homecomputern, sofern es um den Einsatz als Midi-Rechner ging. Fiir ihn gibt es die meiste und beste Midi-Software. Mittlerweile ist er jedoch nicht mehr der jüngste. Und die letzten Entwicklungen am Computermarkt läuten für 1986 eine neue Epoche im Bereich des computergesteuerten Midisystem sein. Wird der Commodore64 bald abgelöst?

Ort: Systems München. Zeit: 28. Oktober 85. Die Systems ist eine der größten Computer- undSoftware-Messen der Welt. Sie findet in zweijährigem Turnus statt, und hier wird manche Neuheit erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. In den 28 Hallen voller Monitore, Computer und hochtechnisiertem Zubehör war für uns Musiker insgesamt nur ein Quadratmeter interessant, aber der hatte es in sich. Das waren dieStellflächen mit den zwei Super-Micro-Computern zu noch erschwinglichem Preis und mit uferlosen Perspektiven für musikalische Anwendungen: dem Atari 520 ST+ und dem Commodore Amiga.Der Erste ganz öffentlich, der Zweite ganz geheim, im Container versteckt und nur der Prominenz höchstpersönlich vorgeführt.

Atari260ST02

Die Neuen von Atari

Um den lange angekündigten Atari 520ST gab es bereits unzählige Spekulationen, jedoch außer Entwicklungssystemen für Programmierer, keine endgültigen Rechner am Markt. Gottseidank. Denn nun ist eh wieder alles ganz anders als bisher zu lesen. Vorgestellt wurden auf der Systems nun (hoffentlich endgültig) zwei Computer, der 520 ST Plus und der 260 ST. Beide verfügen über ein internes MIDI-Interface mit einem Input und einem Output.

Der 260 ST ist jetzt so ziemlich das, was bisher als 520 ST galt. Er verfügt über den riesigen Arbeitsspeicher von 512 KByte. In diesem Arbeitsspeicher werden Programme und Daten das Midi bzw. Sound Design-Programm, und die eingespielten Sequenzen bzw. erarbeiteten Sound-Einstellungen im Computer abgespeichert. Nur zum Vergleich: derCommodore 64 verfügt über einen Arbeitsspeicher von lediglich 64 Kbyte. Gängige Midi-Software bringt im Commodore 64 zirka 6000 Midi Events unter. ImAtari haben, wie man leicht vermutet, also sehr viel mehr Events Platz. Die Rechnung, 9 facher Arbeitsspeicher bedeutet gleich 9 mal so viele Midi Events, stimmt jedoch nicht ganz. Denn im Arbeitsspeicher des Atari muß außer dem Midiprogramm und den Daten noch das Betriebssystem geladen werden, und das frisst eine ganze Menge des Speicherplatzes weg. Das Betriebssystem ist ein Programm, das dem Computer erst einmal sagt, daß er überhaupt ein Computer ist, und was er alles können soll. Das Betriebssystem des Commodore 64 ist in einem extra Speicherchip getrennt vom Arbeitsspeicher fest eingebrannt. Der Commodore 64 ist normalerweise immer ein Commodore 64. Beim Atari ist das, momentan zumindest, anders. Man muß ihm das Betriebssystem erst von der Diskette aus einflößen. Das hat den Vorteil, daß es durch Updates geändert werden kann. Den Nachteil, das zirka 200 KByte des Arbeitsspeichers verloren gehen. Die Graphik-Auflösung beträgt 640×400 in Schwarz/Weiß. In vier Farben 640×200 und bei 16 Farben noch 320×200 Punkte. Der Atari versteht verschiedene Programmiersprachen wieC, Pascal und Modula2. Letzteres sind Programm -Hochsprachen. Erst mit ihnen kommt der Atari voll zur Blüte. Solche Programme lau-fen viel schneller als Basic-Programme. Die Programmiersprache muß wie das Betriebssystem erst in den Arbeitsspeicher des Rechners geladen werden. Lädt man etwa Basic als Programmiersprache, geht nochmals ein weiterer Teil des Arbeitsspeichers verloren. Im Basic Mode bleiben lediglich noch 60 Kbyte RAM für ein selbstgeschriebenes Programm und die Daten übrig. Das bedeutet nicht mehr die Welt! Als Prozessor wird ein MC 68000 von Motorola eingesetzt. Auch der AppleMacintosh und der Kurzweil arbeiten mit diesem 16/32 Bit Hochleistungsprozessor. Er arbeitet ungleich schneller als der relativ langsame 8 Bit Prozessor des Commodore 64.

Dem schnellen Prozessor verdanken die beiden Ataris denn auch ihm überraschenden Fähigkeiten. Sie stehen im ersten Vergleich zum Apple Macintosh, der immerhin zirka 6000,- DM kostet, nur in wenigen Dingen nach.

Ein Hardwaremäßiger Nachteil der Atari Computer: Sie sind umständlicher aufzubauen, bestehen aus einer Ansammlung von Einzelteilen: dem Netzteil für den Computer, einem für die Diskettenstation, dem eigentlichen Computer, der Diskettenstation und dem Monitor, während im Mac alles in einem einzigen Gehäuse integriert ist. Nicht’s für Live-Musiker.

Im Bedienungskomfort stehen die Ataris dem Macintosh um keinen Deut nach. Die selbe Pull Down Menuetechnik wie der Mac. Programme werden mit der Maus bedient. Man kann die alphanumerische Tastatur vergesset~ Man führt eine sogenannte Maus, ein kleines Kästchen mit zwei Tasten und einem Bewgungssensor untendran auf dem Tisch hin und her, Damit wird der Cursor am Bildschirm an die gewünschte Stelle dirigiert. Ein Knopfdruck, klick die Funktion ist ausgelöst.

Mehrere Ausschnitte eines Programmes können damit gleichzeitig in sogenannten Bildschirm-Fenstern betrachtet werden. Etwa in einem Fenster die Page mit den gewählten Optionen, im zweiten eines mit einem Ausschnitt der Notations-Page und im dritten eines mit der eigentlichen Bedienpage. Alle übersichtlich gleichzeitig am Bildschirm, vier Stück maximal. Diese Fenster lassen sich beliebig am Bildschirm verschieben, ebenfalls mit der Maus und unabhängig voneinander öffnen bzw. schIießen , vergrößern oder verkleinernl.Möglich macht dies die Betriebssoftware GEM.

Der 260 ST kostet zirka um 1300,-. Er kann entweder an einen Monitor oder einen normalen Fernseher angeschlossen werden. Letzterer muß jedoch einen SCART- oder RGB-Eingang haben. Den passenden Schwarzweiß-Monitor SM 124 erhält man von Atari für zirka 600,- DM. Zirka 900,- DM muß man für einen Farbmonitor hinlegen, die Maus kostet zirka 150,- DM.

Der große Bruder

Der große Bruder des Atari 260 ST heißt 520 STi-. Er verfügt über den gigantischen Arbeitsspeicher von 1 MByte, aber keinen SCART-Anschluß, Man kann also nur einen Monitor, nicht aber einen Fernseher anschließen. Sind Basic und Betriebssysteme geladen, bleiben noch 600 KByte Arbeitsspeicher für Daten übrig. Der Arbeitsspeicher lässt sich jedoch auf insgesamt 4 MByte erweitern. Sonst gilt für den 520 ST+ genau das gleiche wie für den 260 ST.

An Software erhält man zum Rechner voraussichtlich eine Textverarbeitung (GEM-Write) , ein Zeichenprogramm (GEM-Draw), Logo und Basic, sowie einen CP/M 2.2 Emtilator. Mit letzterem kann man etwa die Super-Programme Wordstar, Multiplan und dBase II einsetzen. Der Atari 520 ST+ kostet als komplettes System mit Schwarzweiß Monitor nur einige Hundert Mark mehr als das vergleichbare System mit dem 260 ST.

Von Atari werden zu den Rechnern zwei 31/2 Zoll Diskettenstationen angeboten. Eines mit 360 KByte Speicherkapazität für 598- DM. Sie können die Disketten nur einseitig bespielen. Es lassen sich jedoch auch herstellerfremde, aber Shugart-kornpatible Diskettenstationen relativ problemlos anschließen. Nimmt man eine nilt 5 ˝-zoll Format, könnte man auf diese Weise auch mit den zwar weniger praktischen aber nur halb so teuren 5 1/2 zoll Disketten arbeiten. Diese ließen sich dann überdies doppelseitig bespielen.

Ganz neue Perspektiven ergeben sich im Umgang mit einem Festplattenlaufwerk. Das ist eine Art Super-Diskette, fest in einem speziellen Laufwerk eingebaut, auf der die unvorstellbare Datenmenge von 10 MByte, das ist etwa das 6ofache einer Commodore 64 Diskettenseite, Platz hat. So spart man sich das ständige Wechseln der Disketten. Der Nachteil, die Festplatte kann man nicht wechseln. Ist sie voll, heißt es entweder eine neue Festplattenstation dazu-kaufen oder weniger wichtige Sachen wieder löschen . Solche Festplattetilaufwerke kosteten bisher minimal 6.000,- DM. Atari will sie Ende ’85, anschlußfertig unter der Bezeichnung SF 314, für unter 2.000,- Mark auf den Markt bringen. Auf der Festplatte hat man nicht nur sehr viel mehr Platz, sie arbeitet auch zirka dreimal so schnell wie die normalen Laufwerke.

Commodores Antwort

Auch Commodores Amiga brilliert mit im Micro Computer-Bereich bisher einmaligen Graphik-Fähigkeiten. In dieser Beziehung ist er selbst den beiden Ataris nochmals um Einiges überlegen. Der Commodore 64 macht sich hierzu wie ein armseliger Plakatpinsler im Vergleich zu einem Rembrandt aus.

commodoreC6403

Der Prozessor ist wiederum ein MC 68000. Daneben verfügt er jedoch noch über drei weitere Co-Prozessoren, die den Hauptprozessor von sämtlichen Routinearbeiten entlasten.

Zwei dieser Zusatzprozessoren sind nur für die Graphik verantwortlich. Bei der Graphik-Benutzeroberfläche handelt es sich genau wie bei den Ataris und dem Macintosh um das von der amerikanischen Softwarefirina Digital Research entwickelte GEM. Die maximale Auflösung beträgt 640×400 Bildpunkte mit 16 Farben. Eine Palette von 4096 Farbschattierungen steht zur Wahl. Je nach Auflösung können bis zu 32 verschiedene Farbtöne gleichzeitig am Bildschirm eingesetzt werden.

Für die Tonerzeugung ist ein dritter Prozessor zuständig. Im ROM des Amiga sind drei spezielle Audio-Control-Routinen, die den Umgang mit den Audio-Channels erleichtem und auch Hüllkurven definierbar machen. Insgesamt stehen vier voneinander unabhängige Sound-Channels zur Verfügung.

Die Sounds werden in sogenannten Sound-Tables in Form von 16 Bit breiten Sound-Bytes abgelegt. Zur Wiedergabe werden sie zyklisch Byte für Byte ausgelesen. So erhält man beliebige Kurvenformen. Die Waveforms der Channels 0, 1 und 2 können jjeweils Amplitude und/oder Frequenz der Waveform der nächsthöheren Channels modulieren. Sounds können auch per Mikrofon aufgenommen und intern digitalisiert und gespeichert werden.

Zur Wiedergabe werden die Sounds intern von digital nach analog rückgewandelt und nach Filterung in einem Low Pass gemischt an zwei Stereo Outputs des Amiga ausgegeben. Jeweils zwei Channels sind auf einen Ausgang gelegt. Der Filter begrenzt jedoch bereits ab 5,5 khz alle höheren Frequenzen. Das erlaubt natürlich kein musikalisch sinnvolles Sampling. Denn abS kHz beginnen viele Sounds ja erst interessant zu werden. Ob dieser Filter abschaltbar ist, ist mir nicht bekannt.

Das Betriebssystem ist in einem separaten ROM mit 192 KByte untergebracht. Es erlaubt, mehrere Programme gleichzeitig laufen zu lassen. Man nennt das auch Multi Tasking. So könnte man beispielsweise gleichzeitig mit einem Score Writer eine Partitur ausdrucken, einem Midi-Recording-Programm aufnehmen und einem Sound Designer Sounds in Realtime vei~indem. Das geht mit den Ataris nicht. Der Witz:Man spart ständiges Absichern von Daten und Neuladen des anderen Programmes. Vier Programme können gleichzeitig vor sich hinarbeiten, jedes in einem eigenen Bildschirmfenster, Das ist beinahe so, als hätte man vier verschiedene Rechner vor sich. IJngeheuere Rechenkapazität ist hierfür Voraussetzung.

In der Grundausstattung verfügt der Amiga mit „nur‘ 256 KByte über zwar weniger Arbeitsspeicher als die Ataris, ist jedoch mit einer einfachen Zusatzspeicherkarte auf 512 KByte und im Endausbau bis maximal 8.5 MByte ausbaubar.

Im Vergleich zu Atari ist der Amiga um einiges teurer. Sein Preis bewegt sich zwischen 5 .000,- und 6.000,- DM. Aus diesem Grund kommt er sicher lediglich für Studios oder gut betuchte Keyboarder in Frage, die mehr auf seine vielfältigen Sampling-Möglichkeiten den besseren internen Sound Chip oder die besseren graphischen Möglichkeiten bzw. Multi Tasking Wert legen. Sofern es einmal Musik-Software dafür geben wird.

Momentan ist in dieser Richtung zumindest hier in Deutschland noch keine Aktivität zu verzeichnen. Doch es fehlt ja auch noch der Computer. In den USA ist der Amiga jedoch bereits am Markt und im späten Frühjahr soll er auch in deutschen Shops auftauchen.

Gegenüberstellung

Klar ist, daß sowohl die Ataris, als auch vor allehi der Amiga völlig neue Möglichkeiten für Musiker anbieten: Riesige Speicher erlauben endlich, nicht nur einen kurzen, sondern mehrere lange Songs im Arbeitsspeicher unterzubringen, die hervorragenden graphischen Fähigkeiten erlauben Notation in einer Qualität auf den Bildschirm zu bringen, wie es bisher in der „Low Cost-Preisklasse“ nur mit dem Macintosh möglich war. Auch im Sampling-Bereich bieten die riesigen Speicherplätze in Verbindung mit der hervorragenden Graphik und Bedienbarkeit enorme Möglichkeiten: sehr lange Sounds abzuspeichern, bequeme Kurvenbearbeitung am Bildschirm, leichtes Editieren. Der Amiga könnte parallel zur Steuerung des Midi-Equipments per Multi Tasking noch taktgenau eine 3-D Realtime-Graphikshow mit Sample-Sounds liefern.

Wie für die meisten Computer gilt jedoch trotz aller Vorzüge leider auch für diese Stars – not born for the show live on stage. Die vielen Einzelteile stehen dem Einsatz im Studio weniger entgegen, als dem auf der Bühne. Ganz abgesehen von den für den rauhen Live-Einsatz nicht konstruierten Plastikgehäusen. Wie sich die beiden Rechner in Zukunft für Musiker entwickeln werden, hängt jedoch in erster Linie von der einst zur Verfügung stehenden Anzahl und Qualität an Musik-Software ab. Der beste Rechner nutzt in Verbindung mit schlechter Software nichts.

Ein Lichtblick: Am Stand der Firma Atari wurde auf der Systems ein Midi-Demo Programm für den Atari gezeigt. Es kam aus demselben Hause Kapehl & Philipp, in dem auch das legendäre Midi-Kompendium, das bisher immer noch einzige fundierte, theoretische Handbüchlein zum Thema Midi-Theorie, entstand. Das Programm soll zur Musikmesse in Frankfurt fertig sein. Auch Steinberg Research arbeitet momen an Midi-Software für den Atari und sicher noch einige mehr. Man kann momentan lediglich in gespannter Hoffnung warten, bis die Computer bei uns erhältlich sind

– und vor allem passende Musik-Software!

Richard Aicher

Erschienen in Soundcheck Musikmagazin, Januar 1986

Musiksoftware ein Überblick – Artikel von Richard Aicher

Music Hard and Soft: eine kleine Marktübersicht von Richard Aicher für das 64er Magazin, November 1984

Von der Qualität und leichten Bedienbarkeit der Programme hängt die Qualität der Keyboardarrangements immer mehr mit ab. Nichts-desto-trotz sollte man immer daran denken, daß ein schlechter Song auch mit der ausgefeiltesten Software nicht besser wird. Hier ein kurzer Überblick über Midi-Software und -Interfaces für den Commodore 64.

Steinberg Research: 16-Spur-Midi-Recorder, Interface und Drum to Midi Converter

Vom Keyboarder für Keyboarder entwickelt wurde die Steinberg-Midi-Software: Einer der beiden Entwickler ist selbst Keyboarder in der Gruppe um die Rock-Lady Inga Rumpf. Dieselbe Firma verteibt auch ein Mini-Midi-Interface mit einem Midi-Input und zwei Outputs. Das Interface selbst besteht aus einer Platine mit festgelöteten Buchsen. Die Platine wird direkt in den User-Port des C 64 gesteckt. Leider hat man, wahrscheinlich aus Kostengründen, auf ein Gehäuse verzichtet. Hier empfiehlt es sich, auf jeden Fall selbst Hand anzulegen. Preis zirka 120 Mark.

Die Software kann man als 16 Spur-Multitrack-Recorder bezeichnen. 16 Sequenzen verschiedener Länge haben im Arbeitsspeicher Platz. Die einzelnen Sequenzen spielt man Spur für Spur ein. Jede faßt bis zu 16 polyphone Spuren und unterschiedliche Parameter. Pitchbending und Modulation, Dynamik und After Touch sowie Sound-Änderungen werden mit aufgezeichnet. Natürlich nur, wenn das Instrument dazu in der Lage ist. Jede Spur kann dabei so viele Stimmen aufnehmen, wie das Einspielkeyboard zur Verfügung stellt. Längere Kompositionen bildet man durch Verknüpfen der 16 Sequenzen, wobei die Reihenfolge frei wählbar ist. Die 16 Sequenzen und 16 Spuren erscheinen recht musikerfreundlich in einer Art Songtable am Bildschirm. Man arbeitet ausschließlich mit diesem Bild (Bild 1). Bereits während der Aufnahme werden etwaige Timingfehler korrigiert, wobei die Korrektur für jede Spur individuell anwählbar ist. (Korrektur auf 1/4-, 1/8-, 1/16-, 1/32- und 1/64-Werte möglich). Ein Metronom hilft während des Einspielens, das richtige Tempo zu halten.

Bild 1. Alle wichtigen Daten auf einen Blick bei der Steinberg-Midi-Software

Bis zu 16 Midi-Instrumente spricht das Interface im Playmode an. Die 16 Recorder-Spuren lassen sich natürlich beliebig auf die 16 Channels und somit verschiedenen Instrumente verteilen. Die Software ist für OMNI-, POLY- und MONOmode ausgelegt.

Ein Farbbildschirm ist unbedingt nötig. Die einzelnen Betriebsmodes, wie Aufnahme, Play und so weiter, erkennt man durch verschiedene Hintergrundfarben. Bespielte Spuren lassen sich in jede beliebige Sequenz und dort an jeden Platz kopieren, sowie in einem Bereich von + 32 bis +32 Halbtönen transportieren. Preis 290 Mark.

Für schwierige Synchronisations-Aufgaben in größeren Midi-Systemen, stellt Steinberg eine auf die Midi-Multitrack-Recorder-Software und den C 64 abgestimmte Synchronisier-Platine her. Mit dieser läßt sich dann eine Band-Maschine synchronisieren (Tape Sync) oder der Midi-Recorder extern triggern. Umgekehrt kann man ihm diverse Clock-Signale und einen Start-Impuls zur Steuerung externer, noch nicht Midi-kompatibler Elektronik-Drums entnehmen. Preis zirka 98 Mark.

Demnächst erscheint im Programm von Steinberg ein Drum-to-Midi-Converter. Dies wäre das erste Gerät dieser Art. Mit diesem Gerät kann man dann endlich Percussion-Impulse direkt in die Midi-Software einspielen. Hierzu ist zusätzlich Hardware nötig. Die Impulse können entweder von einem Pad-Set (Simmons oder ähnliches) oder über Mikrofon von einem »echten« Schlagzeugset abgenommen werden.

Jellinghaus Music Systems: Midi-Interfaces und Software

Jellinghaus, einer der deutschen Pioniere auf dem Gebiet der Midi-Technik, bietet zwei verschiedene Interface-Versionen an. Ein sogenanntes Mini-Interface, zum Preis von 115 Mark, daß sich ausschließlich an den Commodore 64 anschließen läßt, sowie eines mit mehr Features, das sich sowohl mit 6502 als auch Z80-Prozessoren ansprechen läßt, zum Preis von 330 Mark. Das Mini-Interface verfügt lediglich über einen In- und zwei Outputs. Die größere Version bietet zusätzlich eine Midi-Thru-Buchse sowie Drum Sync-Möglichkeit.

Jellinghaus bietet diverse Software für den Commodore 64 an. Vor allem Yamaha-DX-7-Besitzer kommen hier auf ihre Kosten. Der Sound-Editor DX-7/DX-9 zeigt alle Soundparameter dieser Keyboards übersichtlich auf dem Bildschirm an. Dies weiß jeder zu schätzen, der sich schon an der Programmierung der beiden Keyboards versucht hat. Die einzelnen Parameter lassen sich nun bequem über die C 64-Tastatur editieren und anschließend ausdrucken.

Überdies entkommt man auf diese Weise auch den teuren RAM-Cartridges, denn mit dieser Software lassen sich sämtliche Sounddaten auch auf die Commodore-Diskette speichern. Preis zirka 185 Mark.

Auch eine Multitracker-Software gibt es hier, den sogenannten Multitrack Live-Sequenzer für den Commodore 64 (Bild 2).

Bild 2. Das Hauptmenü beim Multitrack Live-Sequenzer

Er stellt 12 Spuren zur Verfügung, natürlich wieder voll polyphon. 10000 Events (note on/note off) haben insgesamt im Speicher Platz. Ein Metronom sorgt für den richtigen Takt, die Aufnahme startet mit einem wählbaren Ereignis, zum Beispiel der ersten gespielten Note, einem Druck auf die Programmwechseltaste oder durch Drehen am Pitch-Bender. Für jede Aufnahme-Spur läßt sich getrennt festlegen, welche Parameteränderungen gespeichert werden sollen, zum Beispiel Keyboarddaten, Anschlagsdynamik, Programmwechsel, Pitch Bender und andere. Die Auswahl erfolgt in einem Filter-Menü. Diese Bezeichnung erscheint mir hier allerdings etwas fehl am Platze. Beim Arbeiten mit einer Drum-Box kann entweder diese den Recorder, oder der Recorder diese synchronisieren. Das Tempo läßt sich im Bereich von 40 bis 200 regeln, die Taktart kann von 2/2 bis 11/2, 2/4 bis 11/4, 2/8 bis 11/8 gewählt werden. Natürlich auch hier alle drei Midimodes und wählbare Zuordnung von Spuren auf Channels. Einzigartig bisher: Die gespeicherten Songs lassen sich listen und editieren. Auf dem Bildschirm erscheint hierbei ein korrektes Zeitprotokoll der Reihenfolge, in der bestimmte Tasten gedruckt und wieder losgelassen wurden, mit Angabe der zusätzlich aufgenommenen Parameter. Außerdem lassen sich alle Spuren nachträglich im Timing korrigieren, in 1/4 bis 1/32-Werten, sowie 1/4- bis 1/32-Triolen. Weitere Features: Endlos-Wiedergabe (loops), Fuß-Schalter-Anschluß, Transponierung und Loudness-Skalierung jedes Tracks und die Möglichkeit, mehrere Tracks auf einen abzumischen (Mix-Down). Das Jellinghaus Midi-Recording-Studio kostet 250 Mark.

Eine weitere interessante Midi-Software: das Master-Keyboard (Bild 3). Dieses Programm ist interessant, wenn man viele Instrumente an seinem Midi-System angeschlossen hat und live darauf spielen will. Die Einspielklaviatur läßt sich dann in verschiedenen Weisen zur Steuerung der anderen Synthis einsetzen. So lassen sich zum Beispiel auf dem Einspiel-Keyboard (Master Keyboard) sechs Splitpunkte bestimmen. Mit den so entstandenen Klaviaturabschnitten kann man dann die restlichen Synthis gezielt vom Master-Keyboard aus live spielen. Außerdem können für die angeschlossenen Keyboards oder Effektgeräte 80 Presets programmiert werden, so daß sie bei Anwahl eines dieser Presets durch einen Tastendruck auf die bestimmten Klangbeziehungsweise Effektprogramme geschaltet werden. Ein drittes Feature ermöglicht zu jedem gespielten Ton andere hinzumischen. Diese Software kostet 200 Mark.

Bild 3. Bildschirmdarstellung beim Master-Keyboard

Passport Design: Midi-Interface und Software

Passport Design ist in Computermusik-Kreisen durch ihr System für den Apple II, das Mountain Board Music System, wohlbekannt. Mittlerweile wurde auch Midi-Software und ein Interface für den C 64 von dieser Firma entwickelt. Auf der Midi-Interface-Karte sind drei 5-Pol-DIN-Buchsen vorhanden. Einmal Midi-In, einmal Midi-Out und eine dritte Buchse, für die Synchronisation einer Drum-Maschine (Drum Sync). Die Midi-Interfacecard überträgt und empfängt sämtliche Standard-Midi-Daten. Sie kostet in Deutschland 590 Mark.

Mit dem Midi-Recorder Midi/4 kann man bis zu 16 Stimmen Real-Time einspielen, beliebig über vier Aufnahmespuren verteilt. Hierbei speichert die Software alle für die Komposition wichtigen Informationen, also Tonhöhe, Dauer, Anschlagsdynamik, Pitch-Bend, Presetänderungen und After Touch. Sollte man sich einmal verspielt haben, können einzelne Stellen mit der »Punch-In«-Funktion während des Abspielens korrigiert werden, — so, als hätte man eine der guten alten Vier-Spur-Bandmaschinen vor sich. Natürlich lassen sich alle Midikompatiblen Rhythmusmaschinen synchronisieren. Auch Geräte ohne Midi-Bus, wie zum Beispiel ältere Electronic-Drums der Firmen Roland und Korg, kann man anschließen, sofern sie einen 5-Pol-DIN-Stecker zur Synchronisation besitzen. Das Schlagzeug wird durch die Software gestoppt und gestartet. Weitere Features von Midi/4 sind eine »Loop«-Funktion, »Clicktrack on/off«, die die Synchronisation des Midi-Sequenzers mit einer Bandmaschine erlaubt und »Transposition«. Der Preis beträgt in Deutschland zirka 295 Mark.

Sequential Circuits: Model 64-Sequenzer für den Commodore 64

Der Model 64 Midi-Sequenzer Sequential Circuits ist als Cartridge entwickelt, die in den Memory-Expansion-Port des C 64 gesteckt wird. Um ihn voll ausnutzen zu können, benötigt man ein sechsstimmig polyphones, Midi-fähiges Keyboard. Der Sequenzer zeichnet dann exakt das auf, was von der Tastatur her eingespielt wird. Insgesamt können bis zu 4000 Noten gespeichert werden. Verfügt das benutzte Keyboard über Anschlagsdynamik, so wird auch diese mit aufgezeichnet.

Der Sequenzer merkt sich auch alle Pitchbend- beziehungsweise Modulationsinformationen. Im Wiedergabemodus können alle gespeicherten Informationen dann entweder real-time oder auto-corrected, wobei Timing Fehler des Einspielens nachkorrigiert werden, an den angeschlossen Synthesizer gegeben werden. Der Speicher des Sequenzers läßt sich in acht Blocks unterteilen, jeder dieser Blocks enthält dann eine sechsstimmig polyphone Sequenz, die alle unterschiedliche Längen haben können. Die Sequenzen kann man nachträglich per Software ganz, oder in Teilbereichen ändern, transportieren und auf Diskette beziehungsweise Kassette abspeichern. Der Sequenzer ist so konstruiert, daß er auch ohne Monitor betrieben werden kann. LEDs auf der Frontplatte signalisieren den jeweiligen Betriebszustand, was natürlich vor allem für Livemusiker auf der Bühne praktisch ist. An den Sequenzer kann man einen Fußschalter anschließen, zum Starten und Stoppen, wenn keine Hand frei ist; außerdem läßt er sich mit externen Rhythmusgeräten synchronisieren. Es kostet 725 Mark.

Natürlich gibt es noch mehr Software, noch mehr Interfaces. Alles Aufzuzählen würde den Rahmen erheblich sprengen. Für den Keyboarder zumindest, kann ein gut durchdachtes Midi-System mit entsprechender Software ein herkömmliches Recordingsystem mit Mehrspurmaschine und Mischpult in vielen Fällen ersetzen. Billiger kommt man jedoch auch nicht weg. Die Anschaffungskosten eines Computersystems und der Midi-Soft- und Hardware dürften sich in der Größenordnung eines Acht-Spur-Recorders der Low-Cost-Klasse bewegen.

Richard Aicher

https://www.64er-magazin.de/8409/midi_markt.html


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WELTKLANG Live @ Perry Rhodan Festival – Buchmesse Frankfurt

1988 auf der Buchmesse in Frankfurt. Ein grosses Weltklang-Konzert als Eröffnung des Perry Rhodan Festivals. Ausverkaufte Halle und eine superbe Video-Show von Benno Fredmüller auf drei riesigen Leinwänden. Ein wirklich schönes Erlebnis.

Der Track den wir auf vielen Live-Konzerten noch spielten entsand in seiner Grundversion beim Test des Roland Juno 106 zusammen mit der SCI Tom 420 Drummachine und dem Sequenzer Pro 16 von Steinberg Research auf meinem Commodore SX64. Als Sampler konnte ich damals einen Prototypen eines Samplers von Dieter Döpfer einsetzen. Hier im Clip eine erweiterte Version mit u.a. einem SoundPart von Sebastian Niesen RIP, der einige Zeit Member von WELTKLANG war.

Mit dabei von der Partie an Equipment mein PPG Wavecomputer 2.0 und der PPG Wavecomputer 360. Andreas hatte ein PPG Eventsystem am Start und seinen Arp Rhodes Chroma. Weiterhin mit dabei viel Analoge Synthies in den Back-Racks.

IMA Internationale MIDI Association – Artikel von Richard Aicher für 64er Magazin, September 1985

IMA, die Internationale MIDI Association bietet Mitgliedschaft an

Alle an der Entwicklung des MIDI-Systems Interessierte, können in der International Midi Association (IMA) Mitglied werden. Die IMA ist eine nichtkommerzielle Einrichtung. Sie verfügt über sämtliche Informationen zum aktuellen Stand des MIDI-Geschehens. Die Gesellschaft versucht, ein weltweites Forum des Gedankenaustausches zu sein. Die Mitglieder unterteilt man in drei Gruppen: Hersteller, Händler und Anwender. Für jede Kategorie werden spezifisch zugeschnittene Informationen angeboten.

Der Mitgliedsbeitrag beläuft sich für Anwender auf jährlich 40 Dollar, zuzüglich 5 Dollar Postgebühren. Dafür erhält man das »MIDI Specification Manual« kostenlos. Diese Fundgrube für MIDI-Technik-Freaks kann man auch als Nichtmitglied, zum Preis von 10 Dollar zuzüglich 5 Dollar Postgebühren, beziehen.

Daneben existieren noch eine Reihe anderer interessanter Angebote, die Mitglieder kostenlos oder zumindest ermäßigt erhalten. Zum Beispiel, das monatlich erscheinende »IMA Bulletin« vollgepackt mit den allerneuesten Informationen zum MIDI-Standard, Produktinformationen, Kontaktadressen anderer Mitglieder, Seminarpläne und Termine, der 36 mal jährlich erscheinende »IMA Update Service« und jährlich herausgegebene »IMA Sourcer« mit Nachrichten über MIDI Equipment. 

Detailliertere Informationen bietet die »IMA Membership Information Brouchure«. Diese erhält man über: 

IMA — The International MIDI Association, 8426 Vine Valley Drive, Sun Valley, CA 91352

Richard Aicher

Commodore SX 64, Artikel von Richard Aicher, für 64er Magazin

SX 64 im Test

Mobilität ist eine Zauberformel, die unser Leben im letzten Jahrzehnt entscheidend beeinflußt hat. Transistorradio, tragbare Stereoanlage, Fernseher, Mobil-Home, wen wundert’s, wenn auch die Computerindustrie, vom Portablefieber erfaßt, mehr und mehr „tragbare“ Mini-, Home- und Personal Computer auf den Markt bringt. Vielleicht gehören in naher Zukunft mit Portables bewaffnete „Hacker“ am Badestrand unter dem Sonnenschirm genauso zum Strandalltag wie heute Familienväter im Kampf mit dem Gummiboot.

Seitdem 1980 Adam Osborne seinen ebenso viel geschmähten wie hochgelobten Osborne 1 vorstellte und damit die Portable-Lawine ins Rollen kam, erschienen zirka 80 bis 100 „Tragbare“ auf dem amerikanischen Markt. In immer neuen Variationen versuchten findige Ingenieure, mehr oder wenig erfolgreich, möglichst viel Hardware auf immer kleinerem Raum und mit immer weniger Gewicht unterzubringen. Auf der Hannovermesse ’83 stellte Commodore erstmals seinen lange angekündigten und mit viel Spannung erwarteten Koffercomputer vor, den Commodore Executive als SX 64 mit Single-Floppy beziehungsweise DX 64 mit Double-Floppy ausgestattet. Auffallend: der eingebaute Farbmonitor. Wäre nicht das Commodore-Firmenemblem untrüglicher Beweis für die Herkunft des Gerätes, hätte ich vom äußeren Erscheinungsbild her nie auf Commodore getippt. Kein Cremeweiß, keine weichen Rundungen. Nein, stahlgrau, eckig, mit blauem Zierstreifen und modernem Design, so präsentiert sich der SX 64 äußerlich (Bild 1).

Nimmt man den Deckel ab, in dem die Tastatur (Bild 2) untergebracht ist, kommen links der 5-Zoll-Farbmonitor und rechts das querliegende Diskettenlaufwerk (5,25 Zoll à 170 KByte, identisch mit der VC 1541) sowie ein Diskettenablagefach (an dieser Stelle befindet sich beim DX 64 das zweite Lauiwerk) zum Vorschein. Rechts daneben eine schmale Klapptüre mit dem ResetKnopf und sieben Einstellreglern (Bild 3). Hiermit können Lautstärke, Kontrast, Helligkeit, Farbsättigung, Rot-Grünbalance sowie der Bildfang eingestellt werden. Die Einstellung ist stabil, und auch nach mehrmaligem Ein- und Ausschalten des Gerätes mußte ich keine Neueinstellung an den Reglern vornehmen. Gott sei Dank, denn die relativ wackeligen Drehregler konnten mich nicht davon überzeugen, ewig halten zu wollen. Die Module kommen oben in den Steckschacht. Ungeheure Stabilität hingegen strahlt der monströse Tragegriff aus, der gleichzeitig auch als Standfuß dient. Hier versuchte man, so scheint mir, das wettzumachen, was bei der Konstruktion des Computer- und Tastaturgehäuses etwas vernachlässigt wurde, die mechanische Stabilität, die bei einem transportablen Computer sicher eine entscheidende Rolle spielt. So klobig der Griff auch optisch wirkt, so gut liegt er beim Transport in der Hand und läßt zumindest die ersten Kilometer Fußmarsch mit dem SX 64 zu einem Kinderspiel werden. Spätestens nach zehn Minuten jedoch beginnen langsam die Armgelenke zu schmerzen. Man merkt das Gewicht von 10 kg und erkennt, daß sich die Portabilität des SX 64 höchstens auf die Strecken Wohnzimmer – Arbeitsraum oder Wohnung – Garage beschränken wird, soll nicht ein Hanteltraining unumgänglicher Bestandteil des Tagesablaufs werden.

Der große Vorteil des „alles in einem Gehäuse-Gerätes“ scheint mir deshalb weniger in der Transportmöglichkeit über längere Strecken zu liegen als in der Tatsache, daß er schnell und ohne Kabelgewirr (das Netzteil ist selbstverständlich eingebaut) betriebsbereit und nach der täglichen Arbeit auch genauso schnell wieder verstaut ist. Mit 5 Zoll Bildschirmdiagonale (13 cm) gestaltet sich die Arbeit jedoch nicht immer zum Vergnügen. Gegen die Farbqualität des Monitors (Bild 4) läßt sich nichts sagen, sie ist hervorragend; ein O von einer Null beziehungsweise die von einer 8 zu unterscheiden, erfordert jedoch viel Einfühlungsvermögen (vergleiche Bild 5). Hier hilft selbst die Brille wenig. Sicher, für die Größe, [die]ser Winzigkeit des Monitors ist die Auflösung ausgezeichnet, aber in diesem Falle wären ein größeres Gehäuse und ein größerer Monitor die bessere Lösung gewesen.

Wer auf dem SX 64 Texte verarbeiten möchte, sollte schon jetzt einen Zusatzmonitor in „Normalgröße“ auf den nächsten Weihnachtswunschzettel schreiben, ein Monitoranschluß ist in der Rückseite vorhanden. So entgeht man auch der Qefahr, sich mitten im schönsten Spiel zu zweit vor dem Bildschirm eine Beule am Kopf zu holen bei dem beidseitigen Versuch, noch näher mit den Augen an den Ort des Geschehens zu kommen. Kurz und gut, besten Gewissens kann ich den eingebauten Monitor nur als Kontrollmonitor empfehlen.

Großes Lob verdienen die 66 Tasten in QWERTY-Anordnung. Die Tastatur stellt gleichzeitig den Deckel des Computers dar. Abgeklappt kann sie, freibeweglich und nur mit einem Verbindungskabel von zirka 50 cm Länge mit dem Gehäuse verbunden, bedient werden. Mit 3 cm Bauhöhe kann man sie im Vergleich zur 8032 SK-Tastatur getrost als für Commodore-Verhältnisse superflach bezeichnen. Commodore vermied Experimente und übernahm das Konzept des vielfach bewährten und beliebten C 64 fast vollständig in den SX 64. Bis auf die ergonomisch bessere Formgebung mit schöner gerundeten Tasten unterscheidet sich die Tastatur weder in Belegung noch Anzahl der Tasten von der des Commodore 64. Das Verbindungskabel Computer/Tastatur erscheint sehr robust. Etwas unpraktisch: Die Steckbuchse an der Unterseite des Tragbaren, die den Kabelstecker aufnimmt, ist in einem Schacht verborgen und dadurch etwas schwer zugänglich. Sehr instabil erscheinen mir die Plastik-Schnappvorrichtungen am Tastaturgehäuse, mit denen dieses am Gehäuse befestigt wird. Sie verklemmten sich bei meinem Gerät nach einem Transport prompt und ich stand alle Ängste aus, die Tastatur nur mit Bruch wieder vom Gehäuse loszubringen.

Auf der Oberseite des Gehäuses ist ein durch Federklappen geschützter Expansionport, das heißt, ein Steckplatz für Module, zum Beispiel das IEEE488-Interface, Spiele und so weiter. In diesen Steckplatz passen alle für den C 64 bestimmten Module. Über das IEEE-488-Interface ist die gesamte Peripherie der 4000er und 8000er Systeme anschließbar. Ein neues Steckmodul, das in diesen Tagen erhältlich sein soll, und austauschbare Tastenkuppen ermöglichen die Umrüstung der 64-Tastatur auf den deutschen Zeichensatz.

Auf der Rückseite des Gehäuses befinden sich die Peripherieanschlüsse (Bild 6):

  • Die DIN-Buchse für den Audio- und Videoausgang.
  • Ein serieller Bus zum Anschluß für das Diskeffenlaulwerk VC 1541 und/oder Drucker 1525, MPS 801, VC 1526 beziehungsweise den Plotter VC 1520.
  • Der Userport als frei programmierbare 8-Bit-parallel-Schnittstelle. Durch entsprechende Programmierung als RS232-Schnittstelle verwendbar.
  • Zwei Anschlüsse für Joysticks.

Im Inneren des Computers befindet sich die modifizierte Rechnerplatine des C 64, aufgeteilt auf zwei Platinen, sowie die modifizierte Platine der Floppy VC 1541 und ein 8-cm-Lautsprecher, der befriedigende Klangergebnisse erzielt. Die im Gehäuseinneren erzeugte Wärme wird über die Lüftungsschlitze genügend abgeleitet, auch nach einem Dauerbetriebstest von 48 Stunden erwärmte sich der SX 64 nur unwesentlich.

Genau wie der C 64 arbeitet auch der SX 64 mit der 8-Bit-MOS-CPU 6510 aus der Familie 65xx, bei einem Systemtakt von 985248 kHz [Anm. d. Erfassers: Tatsächlich sind es natürlich 985248 Hz oder 985,248 kHz oder 0,985 MHz]. Der Speicher verfügt über 64 KByte RAM, wovon in Basic 38 KByte für Programm und Variablen verfügbar sind. 52 KByte können hiervon für den Einsatz von Maschinensprache oder ladbaren Programmiersprachen genutzt werden. In 20 KByte ROM sind das Betriebssystem, der Basic-Interpreter und die I/O-Routinen untergebracht. Da der 6510 als 8-Bit-Prozessor selbst nur einen Adreßraum von 64 KByte verwalten kann, der vom RAM selbst belegt ist, bestand das Kunststück darin, mittels zusätzlicher Logik eine sinnvolle Verwaltung der sich teilweise überlappenden Speicherbereiche auszuklügeln. Hier kam Commodore der glückliche Umstand zugute, über eine eigene Halbleiterfabrikation, nämlich der Tochterfirma MOS zu verfügen. Ein speziell entwickeltes „Adress Manager IC“ (FPLA, Field programmable Logic Array) übernimmt diese komplizierte Aufgabe. Auch der Prozessor selbst sowie das Sound-IC, das SID 6581 (ebenfalls ein Peripherie-Baustein der 65xx-Familie) sowie der Videocontroller VIC, der Schlüssel zur hochauflösenden Grafik, gehen auf das Konto der MOS-Entwicklungsingenieure.

Der SX 64 benutzt genau wie der C 64 das Commodore-Basic V 2.0 und ist maschinensprachekompatibel zum 6502. Es können jedoch auch andere Programmiersprachen wie zum Beispiel Pascal, Comal, Pilot, Assembler und Logo geladen werden. Das Basic-ROM wird dann abgeschaltet, und es stehen 20 KByte für die Programmiersprache und den Arbeitsspeicher zur Verfügung.

Das Basic des SX 64 ist identisch mit dem des C 64. Da das V 2.0-Basic in der Literatur bereits zur Genüge abgehandelt wurde, möchte ich an dieser Stelle nicht mehr näher darauf eingehen.

SX 64-Einsteiger brauchen sich über ein mangelndes Angebot an Software keine Gedanken machen, der C 64 hat hier Basisarbeit geleistet. Auch Literatur existiert mittlerweile in Hülle und Fülle. Ohne diese kommt der ernsthafte SX 64-User sowieso nicht aus. Das Bedienungshandbuch ist im Vergleich zum C 64-Handbuch zwar sehr ausführlich, doch viele wichtige Dinge bleiben auch hier wieder unerwähnt oder werden nur dürftig am Rande behandelt. Unverständlicherweise gerade die Bereiche, die den SX 64 interessant machen, nämlich die Erzeugung von Sprites sowie die Möglichkeiten der hochauflösenden Grafik und der Klangerzeugung mit dem SID 6581. Vergebens suchte ich im englischen Handbuch, das mir vorlag, nach dem Befehl, der in den hochauflösenden Grafik-Mode führt. Auch die interessantesten Möglichkeiten des wirklich hervorragenden SID-Chips, nämlich Ringmodulation, Synchronisation und Filterung bleiben gänzlich unerwähnt.

Im hochauflösenden Grafikmodus können 64000 (320 x 200) einzelne Bildschirmpunkte (Pixels) angesprochen werden. Nach dem Einschalten durch POKE 53265,59:POKE 53272,24 können die einzelnen Bildschirmpunkte mittels POKE x,y gesetzt und mittels POKE x,0 wieder gelöscht werden. Jeder Adresse entspricht hierbei eine Zeile von acht Bildschirmpunkten. Je nachdem, welche Punkte nun gesetzt werden sollen, setzt man den zugehörigen n-Wert in nachfolgender Formel gleich Null und bildet die Summe [Anm. d. Erfassers: Natürlich muß n für einen gesetzten Punkt gleich Eins gesetzt werden].
Formel: y=n^7 + n^6 + n^5 + n^4 + n^3 + n^2 + n^1 + n^0
[Anm. d. Erfassers: Die Formel ist leider auch Kappes, es müßte eigentlich y=n[7]*2^7 + … + n[0]*2^0 heißen, wobei die n’s natürlich jeweils pro Punkt verschieden sind, daher die Indizierung]
wobei nun der Summenwert y den zu pokenden Wert darstellt. Ein kleines Beispiel soll dies verdeutlichen (Bild 7):

Diese drei Punkte lassen sich mittels POKE 8192,128+16+8, also POKE 8192,152 setzen. So einfach ist das also. Im Blockgrafik-Modus stellt der Bildschirmspeicher (Adressen 1024 bis 2023) 25 Zeilen und 40 Spalten in einer 8 x 8-Punktematrix zur Verfügung.

Für Farbe im tristen Alltag sorgt der Farbspeicher ebenfalls mit 1000 Bildpunkten (Adressen 55296 bis 56295). An Farben stehen Schwarz, Weiß, Rot, Türkis, Violett, Grün, Blau, Gelb, Orange, Braun, Hellrot, drei verschiedene Grauwerte, Hellgrün und Hellblau zur Auswahl (Bild 8). Die tausend Farbpunkte stellen den inneren Bildschirmbereich dar. Darüber hinaus existiert noch ein zweiter Bildschirmbereich, der Rahmen, der unabhängig vom inneren Bereich mit denselben 15 Farben eingefärbt werden kann.

Bewegung ins Bild bringen die vom Benutzer frei definierbaren Sprites, Figuren in hochauflösender Grafik, maximal 24 x 21 Punkte groß, die über POKE-Befehle erstellt werden. Maximal acht Sprites dürfen gleichzeitig auf dem Bildschirm bewegt werden.

Klänge in den Raum posaunt der SX 64 mit Hilfe des SID 6581, eines kompletten dreistimmigen Synthesizers mit drei Wellenformen (Dreieck, Sägezahn und Pulswelle) je Stimme. Drei Hüllkurvengeneratoren regeln für jede Stimme einen separaten Lautstärkeverlauf der Töne. Rauschgenerator, Filter, Ringmodulator, das, wovon manch großer Synthesizer träumt, ist vorhanden. So verwundert es nicht, daß in jüngster Zeit immer mehr Musiksoftware angeboten wird, die den C 64 beziehungsweise SX 64 in ein „Musikinstrument“ mit vielfältigen Möglichkeiten verwandeln.

Fazit

Interessant ist der SX 64 für alle, die viel unterwegs sind und ohne Computer nicht auskommen wollen oder aber ihren Computer auch zu Hause oft auf- und abbauen müssen. Leider besitzt der SX 64 keinen Akkuanschluß, so daß er eigentlich kein Portable im wahrsten Sinne des Wortes ist. Die Schwachstelle am Ganzen: der Bildschirm. Eine Nummer größer wäre in diesem Falle sicher besser gewesen, dafür hätte wohl jeder ein etwas größeres Gehäuse in Kauf genommen. Besonderes Lob verdienen die Tastatur, die ein ermüdungsfreies Arbeiten auch über einen längeren Zeitraum ermöglicht, und das ansprechende Design des Gehäuses. Ein weiteres großes Plus: die völlige Kompatibilität zum C 64 (die Programmodule werden oben eingesteckt; siehe Bild 9) sowie die Möglichkeit, nach Einbau der CP/M-Karte auf das große Angebot an CP/M-Software zurückgreifen [zu] können, auch wenn bisher nur wenige Programme, die unter CP/M laufen, auf das Commodore-Diskettenformat umgeschrieben wurden.

Hier originalmanuskript Richard Aicher

Das MPS-System von Roland

Das MPS-System von Roland

Bezüglich Musiksoftware ging der Trend auf der Frankfurter Messe eindeutig in Richtung größerer Rechner. Roland demonstrierte unter anderem das MPS-System für den IBM-PC und kompatible Rechner. Das Programm benötigt das MPU-401 Midi-Interface von Roland und die Adaptercard MIF-IPC für den IBM. Die Adaptercard verbindet den Rechner mit dem Interface. Sie wird in den Expansionsslot im Inneren des Rechners gesteckt. Benutzt man aus Kostengründen statt des Original-IBMs einen kompatiblen Rechner, empfiehlt es sich, immer vor dem Kauf das gesamte System auf Lauffähigkeit mit der Software zu überprüfen. Ich hatte Gelegenheit, das Programm auf einem Epson PC zu testen. Mit diesem Rechner gab es keinerlei Schwierigkeiten.

Die Software läuft auf dem IBM-PC, PCXT und PCAT. Als Betriebssystem ist MS DOS 2.0 bzw. eine höhere Version erforderlich. Minimalanforderung für den Rechner sind 256 KByte Memory und eine Disk Drive. Zwei Laufwerke erleichtern die Arbeit erheblich. Erst ab 320 KByte kann man mit einem IBM-Kompatiblen, Matrix Printer mit High Resolution Print Modus, Noten zu Papier bringen. Besitzt man 640 KByte, bringt die MPS-Software zirka 60000 Töne im Arbeitsspeicher unter.

Bei der Software handelt es sich um einen 8-Spur- Realtime- und -Step Time-Recorder. Die eingespielten Songs lassen sich automatisch in Bildschirmnotation übersetzen und komfortabel editieren bzw. ausdrucken. Das MPS-System gliedert sich in drei Modes: Song Mode, Print Mode und Score Mode, die interaktiv arbeiten. Jede Eingabe innerhalb eines bestimmten Modes wird automatisch in die restlichen Modes übernommen. Editiert man etwa im Score Mode, werden die Änderungen der bearbeiteten Phrase beim Abspielen des Songs im Song Mode berücksichtigt.

Bild: Das Track-Panel des MPS-Systems im Realtime-Aufnahmemodus:

Nach dem „Booten“ der Software erscheint zunächst die System-Page am Bildschirm. Von hier wählt man einen der drei Modes, kann das Data-Memory löschen, Diskoperations anwählen oder das Programm wieder verlassen. Das MPS-Sytem arbeitet menügesteuert. In jeder Page er scheint am unteren Bildschirmrand eine sogenannte Menüzeile mit den jeweils anwählbaren Optionen. Zur Anwahl der Optionen dienen immer die 10 Funktionstasten.

Der Song Mode

Mit F3 gelangt man in den Song Mode. Nach kurzer Zeit erscheint am Bildschirm die Song Page. Die acht waagrechten Balken symbolisieren die acht Aufnahme-Tracks. Neben den acht Songaufnahmespuren gibt es noch einen sogenannten „Conductor Track“, auf den Tempo und Taktwechsel separat aufgezeichnet werden können. Am unteren Bildschirmrand wieder, wie üblich, das Fenster mit den Menüoptionen. Die Pattern-Balken sind taktweise optisch unterteilt.

Jedes Kästchen symbolisiert einen Takt. Bespielte Takte erscheinen weiß. Im Song Mode stehen insgesamt drei Unter-Pages zur Verfügung: System, Arrange und Midi. Sie werden mit der Page Up bzw. Page Down-Taste durchgestepped. In jedem Fall bleiben die Tracks am Bildschirm erhalten. Die drei Sub Pages unterscheiden sich einzig in den Menüoptionen.

Die MPS-Software arbeitet mit einem sogenannten „Phrase Buffer“. In der Arrange Page wählt man mit F1 die Option „Record“, drückt die Space-Taste, und die Aufnahme beginnt, die MPU-401. clickt. Nun spielt man über das Masterkeyboard ein. Die Einspielung wird zunächst im Phrase Buffer, einer Art Zwischenspeicher, gespeichert. Sämtliche ankommenden Midi- Channel- Informationen werden registriert. Spielt man einen kompletten Song ein, der gleichzeitig Informationen auf verschiedenen Midi-Channels enthält, werden alle Channel- Informationen richtig aufgenommen. Man kann auf diese Weise ein komplettes Demo, bestehend aus 16 Tracks auf unterschiedlichen Channels, aus einem anderen Sequenzer oder Computer auf eine einzige Phrase in die MPS-Software überspielen.

Sollen nur Informationen bezüglich eines einzigen Channels registriert und aufgenommen werden, lässt sich dieser mit der Option „Filter“ bestimmen. Nun kann man die Phrase wiedergeben, mittels Autocorrect korrigieren (l/8tel gerade bis 1/32 Triole), transponieren, mit einem neuem Midi- Channel belegen oder mit Namen versehen und auf Diskette abspeichern. Will man sie in den Song übernehmen, wird sie mit der Option „Insert“ an die gewünschte Stelle kopiert. Man muss hierzu lediglich den Bar und Track bestimmen. Der Insert erfolgt automatisch, die belegten Bars „färben“ sich weiß. Befindet sich schon eine Aufnahme an dieser Stelle, wird sie normalerweise gelöscht und durch die neue Phrase ersetzt. Soll die alte Aufnahme ebenfalls an dieser Stelle erhalten bleiben, kann man mit der Option „Merge“ die neue Phrase zu der schon vorhandenen addieren. Die Midi-Channel-Informationen bleiben dabei separat erhalten.

Am Bildschirm ist selbstverständlich nicht der gesamte Song zu sehen, sondern nur 80 Takte davon. Der Takt, mit dem die Darstellung beginnen soll, lässt sich mit F7 (Start Bar) eingeben. Mit dem sogenannten Song Cursor kann man Tracks und Bars markieren. Die Position des Song Cursors wird links oben am Bildschirm angegeben (Track Bar).

Auf diese Weise kann man beliebig viele Phrasen in die acht Tracks des Songs einfügen. Man kann auch bereits früher auf Diskette abgelegte Phrasen in den Phrase Buffer holen und dann einfügen. Außerdem lassen sich beliebig viele Stücke eines Tracks „liften“ und zurück in den Phrase Buffer holen, um sie dann etwa an einer anderen Stelle des Songs wieder zu insertieren.

Selbstverständlich erlaubt die MPS-Software auch Punch In / Out. Unabhängig voneinander lassen sich für die Aufnahme und Wiedergabe der Start Bar (S Bar) und die Anzahl der aufgenommenen bzw. wiedergegebenen Bars bestimmen. Wählt man den Aufnahmebereich innerhalb des Wiedergabebereiches, kann man auf diese Weise beliebige Automatic Punch Ins'“ bzw. Einzähler festlegen.

Mit der Funktion „Track“ lassen sich einzelne Tracks „muten“, das heißt aus dem Playback abschalten. Track Merge hilft, Spuren zu sparen. Sind zwei oder mehr Tracks o.k., „merged“ (mischt) man sie einfach zusammen. Auch in diesem Fall bleiben die Channel- Informationen erhalten. Das Wiedergabe- und Aufnahmetempo der MPS-Software lässt sich in Realtime über die Plus- und Minus-Tasten verändern, aber auch alphanumerisch eintippen. Für den Takt lassen sich Zähler von 1 bis 24 und die Nenner 2, 4, 8 und 16 eingeben. Midi- Controller- Informationen sind abschaltbar, außerdem lässt sich die Velocity für die Wiedergabe begrenzen (Track oder Song). Neben der Track Transpose-Funktion existiert auch eine Song Transpose-Funktion. Mit der Option „Sync“ lässt sich der Recorder auf externe oder interne Midi-Synchronisation bzw. Tape Sync schalten.

Mit der Funktion „Base“ kann die Time Base (Auflösung, Clock Ticks je 1/4tel Note) des MPU-401 eingestellt werden. Normalerweise beträgt sie 120. Die möglichen Werte betragen 48,72,96,120,144,168 und 192. Will man notieren, ist die Auflösung 120 Vorschrift. Mit „Echo“ lässt sich schließlich das am Midi- Input des MPU-401 eintreffende Signal direkt an die Outs durchschalten (Midi Merge).

Der Score Mode

Im Score Mode lassen sich im Phrase Buffer befindliche Phrasen automatisch am Bildschirm notieren und editieren. Man muss also zunächst entweder eine Phrase in den Buffer einspielen bzw. von der Diskette einladen. Möglichkeit Nr. 3: Man liftet einen Teil eines Tracks im Song Mode in den Phrase Buffer. Auch der Score Mode besteht aus drei verschiedenen Menü-Pages: System, Analysis und Edit. Am Bildschirm erscheinen nach dem Wechsel in den Score Mode normalerweise zwei Notenzeilen (maximal), die obere im Violin-, die untere im Bassschlüssel. Dies ist die „Grand‘-Darstellung. Die Grenzlinie für die Notation in die Violin bzw. Basszeile lässt sich eingeben. Die Option „Clef“ gestattet daneben noch die Darstellung der Notation in einer einzigen Notenzeile mit Violinschlüssel (Treble) oder Bassschlüssel (Bass).

Acht verschiedene Dur-Schlüssel von C bis Cis und C bis Ces lassen sich anwählen. Die Molltonarten müssen durch verwandte Durtonarten ausgedrückt werden. Vor der Notation muss die Phrase für die Bildschirmdarstellung formatiert werden (Bar oder Phrase). Diese Formatierung bestimmt die Auflösung für die BildschirmdarsteIlung. Sie ist im Bereich 1/32tel Triole bis 1/8tel gerade einstellbar. Die Formatierung kann bei langen Phrasen einige Minuten dauern.

Danach steht jedoch die gesamte Phrase in Notenschrift am Bildschirm. Jedoch ist die Notation meist noch nicht ganz fehlerfrei, geschweige denn optisch hervorragend. Sämtliche Notenhälse sind jetzt nach unten gezeichnet, außerdem kommt es zu Interferenzen der Fähnchen. Das heißt, werden zwei 96tel Töne als Akkord notiert, besitzt der Akkord jetzt nicht einen Hals mit 2 Fähnchen, sondern deren gleich vier. (Sie werden addiert.)

In der Edit Sub-Page lassen sich alle nötigen Schönheitsoperationen durchführen. Hier kann man diese Interferenzen automatisch für die gesamte Phrase oder einzelne Bars korrigieren. In einem weiteren Korrekturdurchgang bereitet man dann automatisch die Richtung der Hälse auf, sofern gewünscht. Ab welcher Tonhöhe sie nach oben bzw. nach unten gezeichnet werden sollen, lässt sich bestimmen.

Mit der Option „Beam“ kann man aufeinanderfolgende l/8tel, l/96tel oder 1/32tel Töne mit Balken binden. Hier arbeitet MPS jedoch nicht immer ganz zuverlässig. Manchmal wurden die Balken zwar korrekt gezeichnet, aber der Rechner vergaß, ein oder zwei Fähnchen wegzunehmen. Die Balkenrichtung (Up / Down) lässt sich wieder wählen. Die Option „Tie“ gestattet das Binden von aufeinanderfolgenden Noten mit demselben Zeitwert. Da MPS interaktiv arbeitet, wird dies im Play Mode berücksichtigt. Mit der Option „Move“ lassen sich einzelne Noten um eine Position nach rechts bzw. links verschieben.

Zum Step -Recorder wird die MPS-Software mit der Option „Object“. Hier lässt sich jetzt bestimmen, welche Notationszeichen mit der Insert-Taste in die Notenzeilen eingegeben bzw. mittels Delete entfernt werden sollen. Zur Verfügung stehen Noten, Accidentials, Pausen, Text, Symbol. Entscheidet man sich für eine bestimmte Option und drückt die zugehörige Funktionstaste, erscheint im Menüfenster die Auswahl der jeweils zur Verfügung stehenden Zeichen. Das sind Zeitdauer für die Töne, Klammern, Wiederholungszeichen usw. und die Pausenzeichen. Im Textmodus lassen sich über die Notenzeilen Song-Lyrics per alphanumerischer Tastatur eingeben. Die Tonhöhe und die Stelle, an der die angewählten Notationszeichen in der Notenlinie erscheinen sollen, bestimmt man mit den Cursor-Tasten. Insert gedrückt, und kurze Zeit später erscheint das Zeichen an der richtigen Stelle. Befinden sich bereits sehr viele Zeichen im Phrase Buffer, kann es unter Umständen bis zu einer Minute dauern, bis das Zeichen am Bildschirm erscheint. Die Option „Modify“ gestattet eine Reihe weiterer Eingaben, mit denen sich die Parameter der in Step Time eingegebenen Noten weiter festlegen lassen. So kann man die Noten oktavieren (- 8va, + 8va, + 16va), triolisch eingeben (l/16-t, 1/8-t, 1/4-t und 1/2-t) und mit bestimmter Midi-Velocity und Gate-Länge belegen.

Bild: Bildschirm-Notation ist im Score-Modus möglich:

Fügt man im Edit-Mode eine Note in eine bestehende Aufnahme ein, erhält sie denselben Midi-Channel, den auch die restlichen Phrase trägt. Mit der Option „Channel New“ kann man jedoch auch die Note mit einem separaten Midi-Channel versehen. Die Komposition lässt sich im Score Mode natürlich jederzeit auch abspielen, wählbar ist entweder die gesamte Phrase, der graphisch dargestellte Bar oder eine bestimmte Anzahl von Bars. Am Bildschirm erscheint dazu Bar für Bar die zugehörige Notation.

Der Print Mode

Im Print Mode lässt sich schließlich die „Partitur“ zu Papier bringen. Die Auflösung ist im Print Mode wesentlich besser als auf dem Bildschirm. Wie gesagt ist jedoch ein minimales Memory von 320 KByte Voraussetzung. Im Print Mode arbeitet die MPS-Software High-Resolution-Pages der Notation aus. Jede Page kann maximal vier Systeme in Grand-Notation beinhalten. Jede Notenzeile kann maximal sechs Bars lang sein. Mit den Optionen „Cut“ und „Paste“ wird die Page aus einzelnen Bars zusammengesetzt. Mit dem Cursor Keys steppt man hierzu die Phrase bis zum gewünschten Bar, gibt dann die genaue Position auf der Page an, in die der Bar eingefügt werden soll, und fertig.

Am Bildschirm sieht man nie die gesamte Page, sondern maximal einen Bar, jeweils den, der eingefügt werden soll. Man muss sich die genaue Zusammensetzung der Page deshalb sehr genau aufschreiben, um nicht die Übersicht zu verlieren. Will man einen kompletten Song notieren, ist überdies meist nicht die gesamt Information in einer einzigen Phrase untergebracht. In diesem Fall muss man die diversen Phrasen hintereinander in den Phrase Buffer laden und bearbeiten.

Am einfachsten ist es, man „merged“ alle acht Tracks in einen und „liftet“ diesen als Phrase in den Phrase Buffer zum Notieren. Will man komplexere Systeme notieren, etwa mit acht verschiedenen Instrumenten (Tracks), ist das Verfahren sehr zeitraubend, da alle acht Tracks hintereinander bearbeitet und gedruckt werden müssen.

Zusammenfassung

Das MPS-System ist ein sehr komfortabler 8-Track Realtime Recorder mit Step by Step-Eingabemodus via Notationssymbolik. Verschiedene Midi-Channel-Informationen können gleichzeitig aufgenommen werden. Tracks und Phrasen lassen sich mischen, wobei ebenfalls die Channel- Informationen beibehalten werden. Die in Realtime eingespielten Phrasen lassen sich automatisch notieren und auf dem Bildschirm ausgeben bzw. ausdrucken. Die Darstellung am Bildschirm ist bemerkenswert übersichtlich, und es stehen extrem viele Korrekturoptionen zur Verfügung.

Die drei Pages Song, Score und Print arbeiten interaktiv, das heißt in Step Time eingegebene Notationszeichen werden im Song Mode für die Wiedergabe berücksichtigt. MPS ist deshalb auch ein vollwertiger Step Time-Composer. In die Bildschirmdarstellung lassen sich Texte eingeben und mit ausdrucken.

Die Zusammenstellung einzelner Druckpages erfordert viel Zeit. Im Gegensatz zum Score Mode verfügt der Print Mode leider nur über wenige Edit-Features. Die Print Outs lassen sich nicht sehr differenziert bearbeiten. Maximal haben nur vier Systeme mit maximal zwei Notenzeilen (Grand) auf einer Page Platz. Die Systeme lassen sich nicht gemeinsam klammern. Die Notationsausdrucke dürften deshalb vor allem für Klavierauszüge, Instrumentennotation, weniger zur Erstellung gesamter Partituren interessant sein. Die Software ist auf Anforderung bei Roland in Norderstedt erhältlich.

Testbericht von Richard Aicher, veröffentlicht April 1984 in Soundcheck Musikmagazin