Yamaha CX5M, Artikel von Richard Aicher für Happy Computer, April 1985

Feature von Richard Aicher für Happy Computer, im April 1985

Er sieht aus wie ein ganz normaler MSX-Homecomputer, doch sein Sound lässt manchen professionellen Synthesizer vor Scham erröten. Das Wunderkind entspross jüngst einer japanischen » Musiker-Familie « und ist schon im Begriff, die Bühnen der Welt zu erobern – der Yamaha CX5M Music Computer.

Bild: Richard Aicher im Studio


Das Licht erlischt, Scheinwerfer tauchen die Bühne in dunkles Rot und Blau. » Computer in Concert« ist das Motto des Abends. Zwei Männer, viele Bildschirme, Klaviaturen und eine Unmenge Elektronik entführen uns in die Sphären computerisierter Musik. Mit von der Partie ist erstmals ein » ganz normaler « MSX-Computer. » Er muss heute die Feuertaufe bestehen «, verraten die Musiker der Gruppe Weltklang, «endlich hat ein solches Ding die Grenze zwischen Homecomputer und Synthesizer überschritten, zumindest, was den Sound betriff t«. Tatsächlich lauschte ich an diesem Abend vergeblich nach einem mir bekannten Sound-Chip-Klang. Nichts erinnerte an die bekannten dünnen Klänge der »Chiporchester« verschiedener Homecomputer. Das neue Wunderkind brillierte Sound für Sound. Gleich, ob nepalesische Tempelglöckchen oder die Glocken von Notre-Dame, ob Klavier oder Gitarre, der CX5M hatte alles parat vom tiefsten Bass bis zu den brillantesten Höhen.

Oberflächlich betrachtet, unterscheidet sich der CX5M nicht von all den anderen MSX-Computern, die momentan einen neuen Markt zu erobern versuchen. Nur sein grauschwarzes Design lässt ihn einen Hauch eleganter als seine Konkurrenten erscheinen. Der Rest, ganz der Norm entsprechend: 73 Tasten, davon fünf doppelt belegte Funktionstasten, ein abgesetzter Cursor- Block und eine Slot für die MSX-ROM-Programm-Cartridges. An der Rückseite befinden sich die Anschlüsse für Monitor, Fernseher und Ton, der Druckerport, die DIN-Buchse für den Kassettenrecorder und der Netzanschluss. Erst ein Blick auf die linke Seitenwand offenbart dem Fachmann das Besondere: Midi-In, Midi-Out, Audio-Out und Musical-Keyboard sind ganz und gar ungewöhnliche Buchsenbeschriftungen in der Welt der Homecomputer. Für den CX5M jedoch stellen sie den Nabel der Welt des Musikers dar. Selbstverständlich ist der CX-5 zur breiten Palette an Peripherie und Software im MSX-Standard voll kompatibel.

Yamaha-Spezialitäten

Bei der Konstruktion dieses Heimcomputers hat Yamaha seine Erfahrungen im Musik-Bereich voll ausgespielt. Bei der Wahl des Soundchips war man natürlich an den MSX-Standard gebunden, der den AY-3-8910 als »Musikmacher« vorschreibt. Dieser Chip verfügt über drei voneinander unabhängige Tongeneratoren mit variabler Lautstärke und einem Rauschgenerator. Von Dreiklängen bis zu Brandungsrauschen lässt sich alles mit ihm realisieren. Die Lautstärke des Sounds während des Klangablaufs lässt sich mit dem internen Hüllkurvengenerator bestimmen. Dieser ist jedoch eine Schwachstelle des AY-3-891O, wenn man ihn mit dem SID-Chip des Commodore 64 vergleicht. Man kann hier nur aus einigen fest vorgegebenen Lautstärkeverläufen wählen. Commodore-Musiker haben diesbezüglich viel mehr Freiheiten. Dafür lässt sich der Chip im Yamaha-Computer, dank den speziellen Sound-Befehlen des MSX-Basic, sehr viel einfacher und schneller programmieren. Gründliches Studium der Funktionsweise des Chips ist jedoch Voraussetzung. Danach ist es keine Kunst mehr, die 14 Register des Chips auf passende Werte zu setzen. Bald tönen die gewünschten Sounds und Melodien aus dem Lautsprecher. Hier helfen die Basic-Befehle SOUND, PLAY und BEEP. Der PLAY-Befehl nutzt die sogenannte »Music Macro Language«. Will man zum Beispiel einen D-Dur-Akkord spielen, gibt man einfach >PLAY“D“, „+F“, „A“< ein und schon tönt es aus dem Lautsprecher. Genauso einfach setzt man die Register für Tonlänge, Lautstärke und Hüllkurve. Ein entsprechender Befehl sieht folgendermaßen aus: »PLAY“m2000s11t 200″«. In diesem Fall wäre das Hüllkurvenregister (m)auf den Wert 200, die Kurvenform des Oszillators (s) auf 11 und das Tempo (t)auf 200 gesetzt. Der Klang ist beim AY-3-891O genauso mäßig wie der aller anderen entsprechenden Chips. Auch der vielgerühmte SID-Chip des C 64 macht hier keine Ausnahme. Es fehlen die satten Bässe und brillianten Höhen. Das Signal ist ständig, wenn auch schwach, von sirrenden Störgeräuschen überlagert.

Das Herz des musikalischen Wunderkindes

Das eigentliche Goldstück des Yamaha-Musik-Computers liegt in einer Art Safe gesichert, an der Unterseite des Gerätes: das FM-Klangmodul SFG01. Es sorgt auf Wunsch statt des Sound-Chips für den Ton, liegt also außerhalb des MSX-Standards. Dieses Kästchen erzeugt die Töne nach einem völlig neuen Klangsynthese- Prinzip, das der Profi »Frequenz-Modulations-Synthese« nennt und nach dem Yamaha als erster und einziger Synthesizer-Hersteller seine Instrumente erklingen lässt. Die Vorteile an der Sache: fantastischer Klang auch für verwöhnte Musikerohren und ein relativ niedriger Preis. Vor noch nicht mal zwei Jahren erschienen der erste FM-Synthesizer, der legendäre Yamaha DX-7, auf dem Markt. Jetzt gelang das Kunststück, das Volumen des Musikmachers nochmals schrumpfen zu lassen. Der Synthesizer findet heute bequem im »Safe« des CX-5 Platz.

Klänge wie aus einem professionellem Synthesizer

Die Klänge aus dem Yamaha-Computer haben sich von den bekannt blassen Tönen der diversen Sound-Chips hiermit völlig losgelöst. Erstmals auch für Profis salonfähig, besitzen sie eine Brillianz, die nur noch von wenigen Synthesizern der obersten Spitzenklasse übertroffen wird.

Mit der Software wird der Synthesizer richtig ausgereizt

Acht verschiedene Klänge kann man dem Modul gleichzeitig entlocken und mit verschiedenen Tönen belegen. Genauso, als hätte man eine Band mit acht verschiedenen Instrumenten vor sich. 43 verschiedene Instrumentenklänge stehen bereits abrufbereit zur Verfügung, vom Piano über das Xylophon bis hin zum Vogelzwitschern. Wem das nicht genügt, dem sind im Erfinden von neuen Klängen kaum Grenzen gesetzt.

Eine Klaviatur gehört zum System

Wie es sich für einen Musik-Computer gehört, hat man den CX-5 auch mit einem Klaviatur-Anschluss versehen. Yamaha bietet zur Zeit eine externe Klaviatur an: Das Mini-Keyboard YK-01 für zirka 300 Mark mit 44 Schmal-Tasten. Ein weiteres Keyboard mit 49 Tasten soll bald folgen.

Integriertes Musikprogramm

Im Betriebssystem des Computers ist bereits ein fertiges Musikprogramm integriert. Der Befehl »Call Music« macht es binnen einer Sekunde startklar. Um es sinnvoll zu nutzen, benötigt man eine der beiden Klaviaturen. So ausgerüstet hat man eine Musikmaschine, die viele der altbewährten Heimorgeln weit in den Schatten stellt. Man kann gleichzeitig Solomelodie und eine polyphone Begleitung spielen. Hierzu lässt sich die Klaviatur per Software an beliebiger Stelle in eine linke und eine rechte Hälfte teilen. Für Spielfaule ist zusätzlich eine Begleitautomatik, die selbsttätig Bass- und Begleitharmonien spielt, sowie eine Art Elektronik-Schlagzeug integriert. Fünf verschiedene rhythmische Grundmuster (Disco,Swing, 16 Beat, Slow-Rock, Walzer und Jazz-Rock) stehen bereit. Der Harmonie-Begleitautomat kann wahlweise nach Flöte, Gitarre, Horn oder Blasinstrument klingen. Leider sind diese Klangfarben jedoch etwas schmalbrüstig programmiert und lassen sich auch nicht ändern. Für den Begleitbass stehen zwei verschiedene Versionen zur Verfügung, die recht ordentlich klingen. Mit den zwölf tiefsten Tasten der Klaviatur transponieren wir unser Begleitorchester und bestimmen, ob wir Dur-, Moll-, Mollseptimen oder Septakkord wünschen. Das Ganze funktioniert genau wie die Begleitautomaten herkömmlicher Heimorgeln. Für die kreativere Seite des Ganzen, die von Hand gespielte Begleitung und das Solo, stehen nun jeweils alle 47 Preset-Klangeinstellungen des FM-Moduls zur Auswahl bereit. Mit einer Art Softwaremischpult regeln wir die Lautstärken der einzelnen Orchestergruppen, die Tonhöhe kann man auch stimmen. Mit einem sogenannten LFO lassen sich interessante zusätzliche Tonhöhen-Effekte erzielen. Ein eingebauter »Software-Recorder « schneidet nach Belieben unser Konzert mit und behält sie im Speicher. Natürlich lassen sich die aufgenommenen Musikstücke, genau wie die Parametereinstellungen der aktuellen Vorführung auf Kassette, abspeichern. Die Bedienung des Programms ist kinderleicht. Mit der RETURN-Taste lenkt man einen roten Cursor von Parameter zu Parameter. Die Cursortasten dienen dann zur Veränderung des jeweiligen Wertes. Ein Druck auf eine Taste der Klaviatur startet das Begleitorchester, das Drücken der Taste »R«auf der alphanumerischen Tastatur stoppt die Musik wieder.

MIDI-Möglichkeiten

Für professionelle Musiker hat Yamaha den CX-5 midikompatibel entwickelt. Dies verraten die beiden 5poligen DIN-Buchsen an der linken Seite des Computers: ))Midi-In« und ))Midi- Out«. Über diese Buchsen lässt sich der CX-5 mit anderen midi-kompatiblen Synthesizern verbinden. Letztere lassen sich dann zum Beispiel von der Klaviatur des CX-5 aus bedienen.

Die ersten drei Softwaremodule

Für Musiker sind auch die ersten drei Softwaremodule gedacht, die Yamaha anbietet. Der FM Music- Composer YRM-101 ermöglicht das mehrstimmige Komponieren im Bildschirmdialog per Notenschrift. Mit dem YRM-102 Voicing-Programm erhält man ein Werkzeug zur gezielten Klangerzeugung des FM-Synthesizers. Das dritte Programm erlaubt DX-7-Besitzern, ihren Synthesizer schnell und übersichtlich zu programmieren.

Die wichtigsten Daten des Yamaha CX5M auf einen Blick

CPU: Z80A
Frequenz: 3.58 MHz
RAM: 32 KByte
ROM: 32 KByte
Grafik: 16 Farben, 32 Sprite-Ebenen, Auflösung: 256 x 192 Bildpunkte
Tastatur: Schreibmaschinen-Tastatur, Leuchtdioden für »Power on« und »Caps lock«
Preise (zirka):
Konsole inklusive Synthesizereinheit: 1500 Mark
Klaviatur mit 44 Tasten: 300 Mark
Musiksoftware auf ROM-Modul: je 150 Mark

Originalmanuskript – Richard Aicher – 1985

Oscar Music Synthesizer – Test von Richard Aicher, Soundcheck, April 1985

Zumächst dachte ich mir, Oscar sei ein Relikt aus der Synthi-Steinzeit, nur neu aufgelegt. Wer spielt heute noch ein monophones Keyboard, ausser er hat einen der legendären Minimoogs zu Hause? Doch Oscar räumte die anfängliche Skepsis im Lauf des Tests schnell beiseite. Oscar ist kein kleiner kautziger Nachbar, sondern ein neuer zweistimmig spielbarer Solosynthi aus England mit umfangreichen Memory- und Sequenzerftmktionen. Sein Äußeres – ungewohnt im Design und mit nichts Anderem vergleichbar. Oscar sieht aus, als könnte ihm auch ein Sturz aus dem vierten Stock nichts anhaben: bullig umd schlagfest. Beschriftet mit riesen Lettern, die Farben hellbeige und schwarz, wuchtige „Stoßdämpfer“, die die Drehknöpfe auf der Frontplatte schützen sollen, ungeheuer massive Seitenteile, all dies lässt ihn nicht gerade grazil, geschweige denn futuristisch wirken. Leider hält die demonstrierte Massivität nicht so ganz, was sie verspricht. Die Stoßdämpfer sind aus Weich-Plastik und, zumindest beim Testmodell, wackelig, weil nur aufgesteckt. Auch die Drehpotis wackeln. Den Vergleich mit der strotzenden Massivität eines Minimoogs kann Oscar nicht bestehen. Trotzdem, er überlebt unsanfte Schläge im rauhen Live-Betrieb.

Das Keyboard

Das drei-oktavige Keyboard lässt sich sauber spielen. Kein lappriger Anschlag, sondern wirklich guter Druckpunkt. Bei Oscar ist es nicht bloß zum Spielen da. Die Tasten sind in verschiedene Bereiche eingeteilt und nummeriert. Im Edit-Mode besitzen sie nämlich ganz bestimmte und, je nach Mode, wechselnde Ftmktionen. Durch gleichzeitiges Drücken einer bestimmten Tastenund Push-Button-Kombination kann man Sound-, Sequence- und Kurvenform- Presets anwählen sowie Kurvenformen synthetisieren, die Oszillatoren stimmen oder Sequenzen eingeben oder editieren. Am Keyboard gibt’s noch ein Pitch- und ein Modulation- Wheel. Neben den Wheels zwei Push-Buttons, mit denen sich die Fußlage des Keyboards Step-By-Step ändern lässt.

Oszillatorsektion

Oscar hat zwei Oszillatoren mit jeweils drei Kurvenformen: Dreieck, Sägezahn und Rechteck. Dann gibt ’s noch ein Rechteck mit wählbarer ‚fixed‘ Pulsweite und eines mit dreieckmodulierter Pulsweite. Natürlich gibt’s auch Noise. Das ist aber noch lange nicht alles. Neben diesen altbekannten Waveforms hat man noch 5 Preset-Waveforms zur Verfügtmg: Full Organ, Harpsichord, Strang Lead, Double Pulse und Tripie Pulse. Und dann lassen sich, wie gleich zu sehen, 5 weitere Waveforms selbst programmieren und auf die bei den Oszillatoren legen. Oscar nutzt hierzu das Verfahren der additiven Klangsynthese, und das ist bei einem Synthi in dieser Preisklasse neu. Wie bei einer Sinus-Zugriegel- Orgel lassen sich die Waveforms durch Mischen (Addieren), Mastertune und Detune der beiden Oszillatoren auch durch Drücken von entsprechenden Keyboard-Tasten und einem Push-Button einstellen. Mit dem Osc Balance-Regler kann man die bei den Oszillator-Outputs mixen. Ein weiteres Poti regelt das Verhältnis von Noise- und Oszillator- Mastervolume. Mit zwei Potis lässt sich der Einfluß des Modulation- Wheels auf Filter und Oszillator, sowie des Bend-Wheels auf die Oszillatoren regeln.

Sehr umfangreich sind die Glide- Funktionen. Der Glide-Drehschalter besitzt sechs Stellungen für Portamento oder Glissando mit einstellbarer Time oder mit ‚fixed‘ Time. Daneben gibt es noch eine Auto-Stellung.

Filtersektion

Es sind zwei 12 dB Filter vorhanden, die man in Serie oder parallel schalten kann. In Serie sind sie 24 dB steil, parallel hat man 12 dB Filter, deren Cutoff-Frequenz unabhängig voneinander im Bereich von 16 Hz bis 16 kHz regelbar ist. Die Filter lassen sich als High-Pass, Low-Pass oder Band-Pass schalten, sowie als Tracking Filter. Filter wie Oszillator lassen sich vom LFO modulieren, der Dreieck, Sägezahn und Rechteck zur Verfügung stellt.

Envelopes

Zwei getrennte ADSR steuern Filter und Verstärker. Sie können auf die unterschiedlichste Weise gemeinsam oder getrennt vom Keyboard, dem Clock-Oszillator oder extern getriggert werden. Außer dem Stufenschalter für den Trigger-Mode gibt ’s noch den Function-Mode- Schalter. Hier schaltet man zwischen monophonem und duophonem Spiel um, wählt‘ den Arpeggiator an, oder die drei Hold-Funktionen.

Sound

Der Sound des Ganzen ist recht fetzig und erinnerte mich etwas an den Moog-Source. Eben recht gute Bässe, nicht ganz so gewaltig wie einst beim Minimoog, etwas ‚digitaler. Recht gut lassen sich Orgelsounds in allen Varianten erzeugen. Die Presets kann ich nicht beurteilen, da im Testgerät aufgrund eines Transportschadens auf dem Weg aus England alle Memories gelöscht waren.

Sequenzer

Insgesamt haben 12 Sequenzen und 10 Songs im Memory Platz. Jede Sequenz kann maximal 255 Events lang sein, für jeden Song sind bis zu 255 Sequenzen einsetzbar. Ton, Pause, Programmwechselinformation, Repeat-Befehle oder Untersequenzen gelten als Event. Die Repeat-Funktion erlaubt eine beliebige Wiederholung von Sequenzen, wobei die Wiederholung als ein Event gewertet wird.

In den 10 Songs lassen sich auch Voice -Änderungen mitabspeichern. Sequenzen und Songs kann man editieren. Das Einfügen oder Löschen einzelner Events geht einfach.

Der Sequenzer ist eine Art Composer. Die Töne gibt man über das Keyboard ein; sie können gebunden werden. Auch Legatospiel merkt Oscar sich. Pausen markiert man durch Drücken eines Push-Buttons. Es dauert einige Zeit, bis man perfekt mit den 5 Sequenz-Druckschaltern umgehen kann, die je nach Mode diverse Funktionen erfüllen. Im Playback-Mode mit Duo-Trigger kann man zum Playback der Sequenz eine Melodieline auf dem Keyboard spielen. Waveforms, Voices und Sequenzen lassen sich getrennt oder in beliebigen Kombinationen auf Cassette speichern. Also zum Beispiel Waveforms und Voices zusammen, oder Voices und Sequenzen. Sie lassen sich aber immer nur als ganze Sets auf Cassette ausgeben. Die 5 LEDs zeigen jeweils an, ob und was geladen oder gespeichert wird.

An Sounds stehen 24 Presets und beim Testmodell 12 programmierbare Sounds zur Verfügung. Wie aus England zu erfahren war, wird Oscar aber jetzt mit 36 frei programmierbaren Sounds geliefert. Sämtliche Schalter und Potistellungen werden ins Memory mit übernommen. Die Programme ruft man durch Drücken einzelner Sinuskurven unterschiedlicher Frequenz und Amplitude erzeugen. Nur daß hier keine Zugriegel gezogen werden, sondern alles via Elektronik passiert. Im Waveform Edit-Mode sind 24 Keys ebenso viele harmonische Obertöne zugeordnet, die man durch Tastendruck zur Oszillator- Waveform addieren kann. Mehrfacher Druck auf die entsprechende Taste verdoppelt jeweils die Amplitude des entsprechenden Obertones. Die einzelnen Harmonischen lassen sich auch wieder löschen. Klingt alles unheimlich kompliziert? Wirklich, man muß auch etwas üben, bis man die Prozedur kapiert hat und gezielt Waveforms synthetisieren kann. Dann stehen aber Klangbastlern Tür und Tor offen.

Die Fußlage von Oszillator 2 lässt sich von -2 bis +3 Oktaven gegen Oszillator 1 verstimmen. Natürlich gibt’s auch ein Master-Tunepoti. Die Oszillatoren können von 32 bis 2 Fuß gestimmt werden. Fünf LEDs zeigen die Fußlage an. Die gleichen LEDs sind in anderen Programm-Modes für andere Dinge zuständig, man darf sich dadurch anfangs nicht verwirren lassen. Wenn man will, kann man von Push-Button und Keyboardtaste auf. Man kann deshalb Programme nicht wechseln, ohne das Spiel zu unterbrechen.

Oscar ist, wie es sich mittlerweile für einen Digital-Synthi gehört, MIDI-kompatibel. An der Rückwand befinden sich MIDI In, -Out und – Thru. Sonst verfügte mein Prototyp nur über eine Audio-Out und eine kombinierte Trigger /Tape-Memory Buchse. Oscar ist jetzt in Deutschland erhältlich. Sein Preis liegt unter DM 3000,-.

Zusammenfassung

Das Gerät ist super für Sound und Experimental-Freaks, die einen voll speicherbaren Lead- und Effekt- Synthi mit Sequenzer suchen. Es  erfordert einige Zeit, bis man alle Features durch hat. Oscar besitzt hervorragende Möglichkeiten der Waveform-Generation für seine beiden Oszillatoren. Die Memories sind, wie schon erwähnt, nach dem Prototyp von 580 auf 1500 Steptime Events für den Sequenzer erweitert worden. Auch wurden die freien Voice-Memories jetzt auf 36 aufgestockt, und das kann sich sehen und hören lassen. Vielleicht hätte man aber anstatt die Tasten des Keyboard mit Schaltfunktionen zu belegen, lieber eine numerische Tastatur eingebaut, wie es ja auch PPG nach einem mißglückten, ähnlichen Versuch mit dem Wave 360 machte.. Fazit: Absolut super für Hardcore Synthi-Freaks, ansonsten hätte der Oscar getrost einige Jahre früher auf. den Markt kommen können.

Richard Aicher, April 1985 für Soundcheck

Pro 16 MIDI Sequenzer Software von Steinberg Research

Pro 16 MIDI Sequenzer Software von Steinberg Research

Testbericht von Richard Aicher, geschrieben im April 1985

Steinberg Research hat sich mittlerweile bei allen Midi-Musikern einen sehr guten Namen gemacht. Doch die Jungs ruhten sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern arbeiteten fleißig. Das Ergebnis: Die neue Pro 16 Midi Sequenzer Software und ein Notenschreiber in Vorbereitung. Gleich vornweg: Der Pro 16 wird den guten Ruf der Firma weiter festigen. Er macht jede Midi Recording Session zum angenehmen Zeitvertreib.

Midi als Philosophie

Für alle, die immer noch nicht wissen, wo der Hase lang läuft: Midi ist nicht bloß ein Wort, sondern eine ganze Philosophie. Ein genormtes Interface macht die Koppelung von Keyboards, Drum Machines und Effektgeräten möglich. Die Instrumente dürfen von verschiedenen Herstellern stammen. Mittlerweile halten sich die meisten an die Midi Spezifikationen. Von einem Keyboard aus lassen sich so mehrere andere steuern. Drum Machines können so mit Sequenzern synchronisiert werden. Expander lassen sich bequem über den Bildschirm programmieren. Ein Homecomputer kann als Zentralcomposer das gesamte Equipment steuern. Voraussetzung sind natürlich midikompatible Geräte, Homecomputer“ Midi-Interfaces und geeignete Software.

Die Pro 16 Software gehört in die Kategorie der Midi Recorder und ist auf den Commodore 64 Computer abgestimmt. Prinzipiell kann man das Ding mit einer 16-Spur Maschine vergleichen. Nur dass hier die Aufnahmen nicht auf Band, sondern zunächst im Computer und dann auf der Diskette gespeichert werden. Natürlich lassen sich mit dem Pro 16 nur Informationen von Keyboards, Drumcomputern oder midikompatiblen Effektgeräten aufnehmen. Ein Mikrofon jedenfalls, lässt sich nicht an diesen Recorder anschließen. Leider sehen die Signal Out-Buchsen diverser Taperecorder genauso aus wie die Midi-Buchsen. Was liegt also für manchen näher, als den Sound des Recorders über ein Midi-Kabel in das Interface zu jagen und mit geeigneter Midi-Recorder Software aufzunehmen? Auch das beste Midi-Interface versteht solche Toninformationen nie. Es kapiert wirklich ausschließlich Steuerinformationen von midikompatiblen Geräten.

Stimmenvielzahl

Die 16 Spuren des Pro 16 können theoretisch beliebig vielstimmig bespielt werden. Praktisch bringt man natürlich nur so viele Stimmen auf jeder Spur unter, wie das angeschlossene Einspielkeyboard spielen kann. Außerdem muss man sich immer im Klaren sein, dass für jede aufgenommene Stimme auch zum Abspielen eine vorhanden sein muss. Hat man meinetwegen drei sechsstimmige Keyboards, kann man zwar hintereinander in 16 Durchgängen 96 Stimmen aufnehmen, davon werden aber nur insgesamt 18 Stimmen wiedergegeben. Die Moral von der Geschieht, will man den konventionellen 16 Spurrecorder völlig durch ein Midi-System ersetzen, bräuchte man theoretisch 16 Instrumente. Das kommt natürlich ziemlich teuer. Doch stellt sich für Keyboarder zumindest heute schon die Frage, ob sieh die Anschaffung eines 16-Spur Taperecorders noch lohnt. Meine Meinung: lieber ’nur‘ ein Achtspurtape kaufen und vom gesparten Geld das Midi-System erweitern. Denn Midi Recording bietet im Vergleich zum konventionellen Taperecording einige wichtige Arbeitserleichterungen.

Das Bedienpanel

Das Bildschirmfoto zeigt das Bedienpanel des Pro 16 Sequenzers. Es bleibt die ganze Recordingsession über das Gleiche. So entfällt Gottseidank nerviges Hin- und Herschalten zwischen verschiedenen Pages. Dafür mussten die Entwickler natürlich sämtliche Funktionen auf dieser einzigen Page unterbringen. Doch keine Angst, nach kurzer Einarbeitung hat man den Pro 16 bald begriffen. Man muss kein Programmierprofi sein, um mit ihm arbeiten zu können.

Ein Farbfernseher oder -monitor erleichtert die Arbeit ungemein. Viele Funktionen zeigt der Pro 16 durch Farbwechsel an. So signalisiert ein roter Bildschirmrand . den Record-, ein grüner hingegen den Playmode. Hat man keine Farbe, tut’s zur Not ‚jedoch auch ein Schwarz/Weiß-Gerät. Die Bedienpage ist in mehrere Zonen aufgeteilt. Im oberen Bildschirmdrittel sehen wir die Spurentable. Hier können wir die 16 vorhandenen Spuren ein- und ausschalten. Im Play Mode hört man nur die eingeschalteten Spuren. Die Aufnahmen bleiben jedoch auch beim Ausschalten erhalten. Unter der Spurnummer sehen wir das Feld für die

Midi-Kanal-Wahl. Der Midi-Kanal bestimmt, über welches angeschlossene Gerät die Spur im Playmode wiedergegeben wird. Voraussetzung ist natürlich, am angeschlossenen Gerät lässt sich der Empfangskanal einstellen (1-16). Ein Stockwerk unter der Spurentable, die Informationszeile. Hier schreibt der Pro 16 jeweils im Klartext in welcher Bedienfunktion wir uns befinden, und auf welchen Parameter der zugehörige Wert gesetzt ist. Auch Bedienfehler werden hier angezeigt. Darunter die Funktionstable. Hier bestimmen wir, welche Sequenz bearbeitet wird, Tempo (TMP), die Länge der Sequenz (LEN) den Takt (TMSIGNTR) und die Quantisierung der Autokorrektur. Sie lässt sich von 1/4 bis 1/96 (Realtime) wählen. Auch Triolen lassen sich korrigieren. Gibt man etwa den Wert 16 ein, heißt das, dass alle eingespielten Töne auf die nächstliegende Sechzehntel Note korrigiert werden. So erhält man auch bei ungenauem Spiel exaktes Timing. Je höher die Quantize- Einstellung ist, umso genauer muss man natürlich einspielen. In der Einstellung 96 ist die Quantisierung praktisch unhörbar fein. Dies ist Realtime Mode.

In der Funktionstable bestimmen wir weiterhin, welche der 16 Spuren aufgenommen wird (REC). Im Feld SGL können wir uns für Step‘ By Step-Eingabe oder Einspielen entscheiden. Hier entscheiden wir auch, ob der Pro 16 im Sequenz Mode (zyklisches Abspielen eines kompletten Songs) arbeitet.

Eine Zeile darunter wird der noch freie Speicherplatz (MEM) angezeigt. Daneben:. Taktanzeige (BAR), Stepzähler (NUM) und ein Velocity Display (VEL). Letzteres zeigt die Dynamik des Einspielinstruments. Ganz am unteren Bildschirmrand haben die Steinberg Programmierer einen besonderen Gag plaziert. Eine Art Software Pegelanzeige aller Tracks. Vergleichbar mit den Aussteuerungsinstrumenten eines Taperecorders. So sieht man immer, was auf den einzelnen Tracks gerade los ist. Für jeden Track ist ein separater Balken zuständig.

SYN, TRP – WID?

Zu guter letzt noch die Felder SYN, DSK,TRP und I/C. Keine Angst vor den Kürzeln. Wie schon gesagt, bei Anwahl eines Parameters erscheint es in der Infozeile jeweils im Klartext. Mit SYN bestimmen wir eine der drei möglichen Synchronisationsarten. Der Pro 16 kann intern oder extern synchronisiert werden. Im letzteren Fall zum Beispiel durch einen Drumcomputer (48 Clocks pro Viertel) oder von einer Bandmaschine. Die dritte Möglichkeit ist die Synchronisierung durch die Midi-Clock eines am Eingang des Interfaces angeschlossenen Instruments. In dieser Stellung kann der Pro 16 1″‚“- von diesem Gerät aus gestartet werden. Aufnahme ist in diesem Mode (MID) nicht möglich. In Verbindung mit dem Steinberg Synchroniser hat man noch sehr viel mehr Synchronisationsmöglichkeiten.

DSK steht für Disketten Operationen. Klar, dass man die eingespielten Songs auf Diskette sichern kann. Man sollte sich übrigens, das kann ich nicht oft genug betonen, angewöhnen, Zwischenergebnisse so oft wie möglich auf Diskette zu speichern. Spätestens, wenn man eines Tages durch eine Netzschwankung oder den Schalt funken von Nachbars Kühlschrank, die Arbeit vieler Stunden verloren hat, bereut man, vorher nicht zwischengespeichert zu haben. Ganz Vorsichtige fertigen sogar von jeder Datendiskette eine Sicherheitskopie an. Disketten nehmen nämlich jede unsanfte Behandlung sehr übel und weigern sich dann strikt, ihren Inhalt wiederzugeben. Fatal!

Transponierte Strophen

Der Pro 16 kann komplette Tracks und Sequenzen auf Knopfdruck transponieren. Verschieden transponierte Strophen muss man also nicht mehrfach einspielen. Im Feld TRP gibt man einfach die Anzahl der Halbtonschritte an, die die aktuelle Sequenz nach oben oder unten transponiert werden soll. Insgesamt lassen sich 67 Halbtonschritte von Cl nach oben oder 60 nach unten transponieren. Bleibt noch das letzte Feld, I/C = „Insert Copy Sequenz“, zu besprechen. Die aktuelle Sequenz oder Spur lässt sich hiermit per Knopfdruck auf eine andere freie Sequenz oder Spur kopieren. So baut man gleichbleibende Basistracks schnell in eine neue Sequenz ein. Mit dieser Funktion lässt sich die aktuelle Sequenz auch in die Songtable eingliedern (insert). Am rechten Bildschirmrand schließlich die Songtable. Mit ihr können wir die Sequenzen in bestimmter Reihenfolge verknüpfen (Sequence chain). Insgesamt merkt sich der Pro 16 maximal 64 verschiedene Sequenzen. Vorausgesetzt, der zulässige Speicherbereich wird nicht überschritten. Die Song Kette hat 256 Glieder. Jedes Glied entspricht einem Durchgang einer Sequenz. Im Song Mode arbeitet der Pro 16 die gesamte Kette Sequenz für Sequenz ab. Gibt man eine Null anstelle einer Sequenznummer ein, fasst er das als Stop Signal auf und beendet das Spiel.

Beispiel

Wie geht eine Recording Session vor sich? Als erstes gliedern wir unseren Song in logische Funktionsblöcke, also Intro, verschiedene Strophen, Refrains, Schluss usw. Der Grund: Parts, die mehrfach wiederholt werden, brauchen wir nur einmal einzuspielen. Wir können sie ja im Song Mode in beliebiger Reihenfolge aneinanderketten oder dieselbe Sequenz mehrfach hintereinander abspielen. Die einzelnen Sequenzen nehmen wir im Sequenz Mode auf. Der Pro 16 spielt die Sequenz dann ohne Unterbrechung zyklisch. Wir geben zunächst die Parameter Takt, Tempo, die Länge unserer Sequenz in Takten und den Quantisierungsfaktor vor. Jetzt müssen wir nur noch den Cursor auf das REC-Feld setzen und mit der Funktionstaste F1 die Nummer der aufzunehmenden Spur in dieses Feld tasten. Druck auf die RETURN-Taste gibt jetzt den Startschuss. Der Bildschirm rand wird rosa und aus dem Lautsprecher des angeschlossenen Fernsehers tönen acht gleiche Metronomschläge als Vorzähler. Es werden immer 2 Takte vorgezählt. Mit dem letzten Vorzählschlag wird der Bildschirmrand weiß, das Achtung- Signal gewissermaßen. Dann beginnt automatisch die Aufnahme, der Bildschirm rand ist jetzt rot: Record Mode. Der Pro 16 nimmt die vorbestimmte Anzahl von Takten auf. Aus dem Fernsehlautsprecher hören wir den Metronom-Pieps. Im BAR und NOM Feld erkennen wir im mer, in welchem Takt und an welchem Beat wir uns momentan befinden. Dann wird der Bildschirmrand grün, der Sequenzer wechselt automatisch in den Wiedergabe Modus und spielt unsere Aufnahme wieder ab. Das Kanal on/off Feld der aufgenommenen Spur ist nun weiß geworden. Es signalisiert so, dass sich auf dieser Spur eine Aufnahme befindet. That’s all!

Spurwechsel

Die nächste Spur nehmen wir genauso easy auf. Wir stoppen hierzu den Sequenzer mit der RUN/STOP Taste, wählen im Record-Feld die nächste aufzunehmende Spur, RETURN gedrückt, und das Ganze beginnt von vorne. Die zuvor aufgenommene Spur hören wir natürlich als Playback. Wir können sie aber auch, sofern gewünscht, mit dem on/ off Schalter stumm schalten. So einfach ist das alles. Die Songparameter,Tempo, Time Signature und Taktanzahl lassen sich übrigens auch während des Abspielens bzw. der Aufnahme ändern. Schwierige Passagen, die unsere spieltechnischen Fertigkeiten übersteigen, können wir Step By Step eintippen. In diesem Fall bestimmt der eingestellte Quantize-Wert den Notenwert, den der Pro 16 bei einem Druck auf die Leertaste des Commodore 64 weiterzählt. Die Tonhöhe bestimmen wir wie gewohnt über die Tasten des Keyboards. Pausen erzeugen wir durch ‚Nur ‚-Drücken der Leertaste. Sind wir mit unserer Sequenz zufrieden, geht’s ans Arrangieren. Hier zeigt sich nun, wie vorteilhaft man mit einem Midi System arbeiten kann. Für Taperecorder Freaks bedeutet Neuarrangieren immer gleich Neuaufnahme. Nicht so für uns. Wir können unsere Sequenzen abfahren und nach Herzenslust so lange an den Soundprogrammen rum feilen oder die Tracks von verschiedenen Keyboards spielen lassen, bis alles soundmässig zusammenpasst. Zu guter letzt probieren wir mit der Songtable noch die optimale Verknüpfung der einzelnen Parts aus. Und schneller als gedacht ist der Song im Kasten.

Der Pro 16 besitzt übrigens genau wie ein guter Mixer auch eine Solotaste zum Solo-Hören einzelner Tracks. Sehr praktisch. Durch Drücken der Taste A des Computers wird der Ton Al auf alle Midi-Kanäle ausgegeben. So lassen sich die angeschlossenen Instrumente leicht stimmen.

Zusammenfassung

Midi ist ein Segen für Keyboarder und Studios. Doch das System nützt nichts ohne gute Software. Der Steinberg Pro 16 erfüllt alle Anforderungen an einen guten Midi-Recorder. Er ist leicht zu bedienen, sicher im Umgang und bietet viele Vorteile im Vergleich zur Arbeit mit einem Tape-Recorder. Ein großes Plus: Realtime- und Step By Step- Eingabe sind innerhalb eines Recording Vorgangs gleichzeitig nutzbar. Beim Arbeiten mit dem Sequenzer merkt man sofort, dass hier nicht nur Software produziert wurde, sondern sich Musiker etwas bei der Entwicklung gedacht haben. Die Software kostet ca. 290,- DM. Bei der Verfassung dieses Manuskriptes erfuhr ich, dass in den nächsten Tagen eine Update Version des Pro 16 fertig ist. Die Update Version ermöglicht zusätzlich Punch in/ Punch out, Mixdown durch Festlegen der Velocity-Werte und als Gag am Rande eine Echtzeituhr , die die Länge des Songs auf Minute und Sekunde genau angibt.

Text und Fotos, Richard Aicher, 1985 für SoundCheck

Oscar Synthesizer

Oscar Music Synthesizer

Original-Manuskript Testbericht und Fotos von Richard Aicher erschienen im April 1985 im Keyboardmagazin Soundcheck

Zunächst dachte ich mir, Oscar sei ein Relikt aus der Synthi-Steinzeit, nur neu aufgelegt. Wer spielt heute noch ein monophones Keyboard, außer er hat einen der legendären Minimoogs zu Hause? Doch Oscar räumte die anfängliche Skepsis im Lauf des Tests schnell beiseite. Oscar ist kein kleiner kautziger Nachbar, sondern ein neuer zweistimmig spielbarer Solosynthi aus England mit umfangreichen Memory- und Sequenzerfunktionen. Sein Äußeres – ugewohnt im Design und mit nichts Anderem vergleichbar. Oscar sieht aus, als könnte ihm auch ein Sturz aus dem vierten Stock nichts anhaben: bullig und schlagfest. Beschriftet mit riesen Lettern, die Farben hellbeige und schwarz, wuchtige „Stoßdämpfer“, die die Drehknöpfe auf der Frontplatte schützen sollen, ungeheuer massive Seitenteile, all dies lässt ihn nicht gerade grazil, geschweige denn futuristisch wirken. Leider hält die demonstrierte Massivität nicht so ganz, was sie verspricht. Die Stoßdämpfer sind aus Weich-Plastik und, zumindest beim Testmodell, wackelig, weil nur aufgesteckt. Auch die Drehpotis wackeln. Den Vergleich mit der strotzenden Massivität eines Minimoogs kann Oscar nicht bestehen. Trotzdem, er überlebt unsanfte Schläge im rauhen Live-Betrieb.

Das Keyboard

Das drei-oktavige Keyboard lässt sich sauber spielen. Kein lappriger Anschlag, sondern wirklich guter Druckpunkt. Bei Oscar ist es nicht bloß zum Spielen da. Die Tasten sind in verschiedene Bereiche eingeteilt und nummeriert. Im Edit-Mode besitzen sie nämlich ganz bestimmte und, je nach Mode, wechselnde Funktionen. Durch gleichzeitiges Drücken einer bestimmten Tasten und Push-Button-Kombination kann man Sound-, Sequence- und Kurvenform- Presets anwählen sowie Kurvenformen synthetisieren, die Oszillatoren stimmen oder Sequenzen eingeben oder editieren. Am Keyboard gibt’s noch ein Pitch- und ein Modulation- Wheel. Neben den Wheels zwei Push-Buttons, mit denen sich die Fußlage des Keyboards Step-By-Step ändern lässt.

Oszillatorsektion

Oscar hat zwei Oszillatoren mit jeweils drei Kurvenformen: Dreieck, Sägezahn und Rechteck. Dann gibt ’s noch ein Rechteck mit wählbarer ‚fixed‘ Pulsweite und eines mit dreieckmodulierter Pulsweite. Natürlich gibt’s auch Noise. Das ist aber noch lange nicht alles. Neben diesen altbekannten Waveforms hat man noch 5 Preset-Waveforms zur Verfügung: Full Organ, Harpsichord, Strang Lead, Double Pulse und Triple Pulse. Und dann lassen sich, wie gleich zu sehen, 5 weitere Waveforms selbst programmieren und auf die bei den Oszillatoren legen. Oscar nutzt hierzu das Verfahren der additiven Klangsynthese, und das ist bei einem Synthi in dieser Preisklasse neu. Wie bei einer Sinus-Zugriegel- Orgel lassen sich die Waveforms durch Mischen (Addieren), Mastertune und Detune der beiden Oszillatoren auch durch Drücken von entsprechenden Keyboard-Tasten und einem Push-Button einstellen. Mit dem Osc Balance-Regler kann man die bei den Oszillator-Outputs mixen. Ein weiteres Poti regelt das Verhältnis von Noise- und Oszillator- Mastervolume. Mit zwei Potis lässt sich der Einfluss des Modulation- Wheels auf Filter und Oszillator, sowie des Bend-Wheels auf die Oszillatoren regeln.

Sehr umfangreich sind die Glide- Funktionen. Der Glide-Drehschalter besitzt sechs Stellungen für Portamento oder Glissando mit einstellbarer Time oder mit ‚fixed‘ Time. Daneben gibt es noch eine Auto-Stellung.

Filtersektion

Es sind zwei 12 dB Filter vorhanden, die man in Serie oder parallel schalten kann. In Serie sind sie 24 dB steil, parallel hat man 12 dB Filter, deren Cutoff-Frequenz unabhängig voneinander im Bereich von 16 Hz bis 16 kHz regelbar ist. Die Filter lassen sich als High-Pass, Low-Pass oder Band-Pass schalten, sowie als Tracking Filter. Filter wie Oszillator lassen sich vom LFO modulieren, der Dreieck, Sägezahn und Rechteck zur Verfügung stellt.

Envelopes

Zwei getrennte ADSR steuern Filter und Verstärker. Sie können auf die unterschiedlichste Weise gemeinsam oder getrennt vom Keyboard, dem Clock-Oszillator oder extern getriggert werden. Außer dem Stufenschalter für den Trigger-Mode gibt ’s noch den Function-Mode- Schalter. Hier schaltet man zwischen monophonem und duophonem Spiel um, wählt‘ den Arpeggiator an, oder die drei Hold-Funktionen.

Sound

Der Sound des Ganzen ist recht fetzig und erinnerte mich etwas an den Moog-Source. Eben recht gute Bässe, nicht ganz so gewaltig wie einst beim Minimoog, etwas ‚digitaler. Recht gut lassen sich Orgelsounds in allen Varianten erzeugen. Die Presets kann ich nicht beurteilen, da im Testgerät aufgrund eines Transportschadens auf dem Weg aus England alle Memories gelöscht waren.

Sequenzer

Insgesamt haben 12 Sequenzen und 10 Songs im Memory Platz. Jede Sequenz kann maximal 255 Events lang sein, für jeden Song sind bis zu 255 Sequenzen einsetzbar. Ton, Pause, Programmwechselinformation, Repeat-Befehle oder Untersequenzen gelten als Event. Die Repeat-Funktion erlaubt eine beliebige Wiederholung von Sequenzen, wobei die Wiederholung als ein Event gewertet wird.

In den 10 Songs lassen sich auch Voice -Änderungen mit abspeichern. Sequenzen und Songs kann man editieren. Das Einfügen oder Löschen einzelner Events geht einfach.

Der Sequenzer ist eine Art Composer. Die Töne gibt man über das Keyboard ein; sie können gebunden werden. Auch Legatospiel merkt Oscar sich. Pausen markiert man durch Drücken eines Push-Buttons. Es dauert einige Zeit, bis man perfekt mit den 5 Sequenz-Druckschaltern umgehen kann, die je nach Mode diverse Funktionen erfüllen. Im Playback-Mode mit Duo-Trigger kann man zum Playback der Sequenz eine Melodieline auf dem Keyboard spielen. Waveforms, Voices und Sequenzen lassen sich getrennt oder in beliebigen Kombinationen auf Cassette speichern. Also zum Beispiel Waveforms und Voices zusammen, oder Voices und Sequenzen. Sie lassen sich aber immer nur als ganze Sets auf Cassette ausgeben. Die 5 LEDs zeigen jeweils an, ob und was geladen oder gespeichert wird.

An Sounds stehen 24 Presets und beim Testmodell 12 programmierbare Sounds zur Verfügung. Wie aus England zu erfahren war, wird Oscar aber jetzt mit 36 frei programmierbaren Sounds geliefert. Sämtliche Schalter und Potistellungen werden ins Memory mit übernommen. Die Programme ruft man durch Drücken einzelner Sinuskurven unterschiedlicher Frequenz und Amplitude erzeugen. Nur dass hier keine Zugriegel gezogen werden, sondern alles via Elektronik passiert. Im Waveform Edit-Mode sind 24 Keys ebenso viele harmonische Obertöne zugeordnet, die man durch Tastendruck zur Oszillator- Waveform addieren kann. Mehrfacher Druck auf die entsprechende Taste verdoppelt jeweils die Amplitude des entsprechenden Obertones. Die einzelnen Harmonischen lassen sich auch wieder löschen. Klingt alles unheimlich kompliziert? Wirklich, man muss auch etwas üben, bis man die Prozedur kapiert hat und gezielt Waveforms synthetisieren kann. Dann stehen aber Klangbastlern Tür und Tor offen.

Die Fußlage von Oszillator 2 lässt sich von -2 bis +3 Oktaven gegen Oszillator 1 verstimmen. Natürlich gibt’s auch ein Master-Tunepoti. Die Oszillatoren können von 32 bis 2 Fuß gestimmt werden. Fünf LEDs zeigen die Fußlage an. Die gleichen LEDs sind in anderen Programm-Modes für andere Dinge zuständig, man darf sich dadurch anfangs nicht verwirren lassen. Wenn man will, kann man von Push-Button und Keyboardtaste auf. Man kann deshalb Programme nicht wechseln, ohne das Spiel zu unterbrechen.

Oscar ist, wie es sich mittlerweile für einen Digital-Synthi gehört, MIDI-kompatibel. An der Rückwand befinden sich MIDI In, -Out und – Thru. Sonst verfügte mein Prototyp nur über eine Audio-Out und eine kombinierte Trigger /Tape-Memory Buchse. Oscar ist jetzt in Deutschland erhältlich. Sein Preis liegt unter DM 3000,-.

Zusammenfassung

Das Gerät ist super für Sound und Experimental-Freaks, die einen voll speicherbaren Lead- und Effekt- Synthi mit Sequenzer suchen. Es erfordert einige Zeit, bis man alle Features durch hat. Oscar besitzt hervorragende Möglichkeiten der Waveform-Generation für seine beiden Oszillatoren. Die Memories sind, wie schon erwähnt, nach dem Prototyp von 580 auf 1500 Steptime Events für den Sequenzer erweitert worden. Auch wurden die freien Voice-Memories jetzt auf 36 aufgestockt, und das kann sich sehen und hören lassen. Vielleicht hätte man aber anstatt die Tasten des Keyboard mit Schaltfunktionen zu belegen, lieber eine numerische Tastatur eingebaut, wie es ja auch PPG nach einem missglückten, ähnlichen Versuch mit dem Wave 360 machte. Fazit: Absolut super für Hardcore Synthi-Freaks, ansonsten hätte der Oscar getrost einige Jahre früher auf. den Markt kommen können.

Gottfried Richards

April 1985 SOUND CHECK 47