Commodore SX 64, Artikel von Richard Aicher, für 64er Magazin

SX 64 im Test

Mobilität ist eine Zauberformel, die unser Leben im letzten Jahrzehnt entscheidend beeinflußt hat. Transistorradio, tragbare Stereoanlage, Fernseher, Mobil-Home, wen wundert’s, wenn auch die Computerindustrie, vom Portablefieber erfaßt, mehr und mehr „tragbare“ Mini-, Home- und Personal Computer auf den Markt bringt. Vielleicht gehören in naher Zukunft mit Portables bewaffnete „Hacker“ am Badestrand unter dem Sonnenschirm genauso zum Strandalltag wie heute Familienväter im Kampf mit dem Gummiboot.

Seitdem 1980 Adam Osborne seinen ebenso viel geschmähten wie hochgelobten Osborne 1 vorstellte und damit die Portable-Lawine ins Rollen kam, erschienen zirka 80 bis 100 „Tragbare“ auf dem amerikanischen Markt. In immer neuen Variationen versuchten findige Ingenieure, mehr oder wenig erfolgreich, möglichst viel Hardware auf immer kleinerem Raum und mit immer weniger Gewicht unterzubringen. Auf der Hannovermesse ’83 stellte Commodore erstmals seinen lange angekündigten und mit viel Spannung erwarteten Koffercomputer vor, den Commodore Executive als SX 64 mit Single-Floppy beziehungsweise DX 64 mit Double-Floppy ausgestattet. Auffallend: der eingebaute Farbmonitor. Wäre nicht das Commodore-Firmenemblem untrüglicher Beweis für die Herkunft des Gerätes, hätte ich vom äußeren Erscheinungsbild her nie auf Commodore getippt. Kein Cremeweiß, keine weichen Rundungen. Nein, stahlgrau, eckig, mit blauem Zierstreifen und modernem Design, so präsentiert sich der SX 64 äußerlich (Bild 1).

Nimmt man den Deckel ab, in dem die Tastatur (Bild 2) untergebracht ist, kommen links der 5-Zoll-Farbmonitor und rechts das querliegende Diskettenlaufwerk (5,25 Zoll à 170 KByte, identisch mit der VC 1541) sowie ein Diskettenablagefach (an dieser Stelle befindet sich beim DX 64 das zweite Lauiwerk) zum Vorschein. Rechts daneben eine schmale Klapptüre mit dem ResetKnopf und sieben Einstellreglern (Bild 3). Hiermit können Lautstärke, Kontrast, Helligkeit, Farbsättigung, Rot-Grünbalance sowie der Bildfang eingestellt werden. Die Einstellung ist stabil, und auch nach mehrmaligem Ein- und Ausschalten des Gerätes mußte ich keine Neueinstellung an den Reglern vornehmen. Gott sei Dank, denn die relativ wackeligen Drehregler konnten mich nicht davon überzeugen, ewig halten zu wollen. Die Module kommen oben in den Steckschacht. Ungeheure Stabilität hingegen strahlt der monströse Tragegriff aus, der gleichzeitig auch als Standfuß dient. Hier versuchte man, so scheint mir, das wettzumachen, was bei der Konstruktion des Computer- und Tastaturgehäuses etwas vernachlässigt wurde, die mechanische Stabilität, die bei einem transportablen Computer sicher eine entscheidende Rolle spielt. So klobig der Griff auch optisch wirkt, so gut liegt er beim Transport in der Hand und läßt zumindest die ersten Kilometer Fußmarsch mit dem SX 64 zu einem Kinderspiel werden. Spätestens nach zehn Minuten jedoch beginnen langsam die Armgelenke zu schmerzen. Man merkt das Gewicht von 10 kg und erkennt, daß sich die Portabilität des SX 64 höchstens auf die Strecken Wohnzimmer – Arbeitsraum oder Wohnung – Garage beschränken wird, soll nicht ein Hanteltraining unumgänglicher Bestandteil des Tagesablaufs werden.

Der große Vorteil des „alles in einem Gehäuse-Gerätes“ scheint mir deshalb weniger in der Transportmöglichkeit über längere Strecken zu liegen als in der Tatsache, daß er schnell und ohne Kabelgewirr (das Netzteil ist selbstverständlich eingebaut) betriebsbereit und nach der täglichen Arbeit auch genauso schnell wieder verstaut ist. Mit 5 Zoll Bildschirmdiagonale (13 cm) gestaltet sich die Arbeit jedoch nicht immer zum Vergnügen. Gegen die Farbqualität des Monitors (Bild 4) läßt sich nichts sagen, sie ist hervorragend; ein O von einer Null beziehungsweise die von einer 8 zu unterscheiden, erfordert jedoch viel Einfühlungsvermögen (vergleiche Bild 5). Hier hilft selbst die Brille wenig. Sicher, für die Größe, [die]ser Winzigkeit des Monitors ist die Auflösung ausgezeichnet, aber in diesem Falle wären ein größeres Gehäuse und ein größerer Monitor die bessere Lösung gewesen.

Wer auf dem SX 64 Texte verarbeiten möchte, sollte schon jetzt einen Zusatzmonitor in „Normalgröße“ auf den nächsten Weihnachtswunschzettel schreiben, ein Monitoranschluß ist in der Rückseite vorhanden. So entgeht man auch der Qefahr, sich mitten im schönsten Spiel zu zweit vor dem Bildschirm eine Beule am Kopf zu holen bei dem beidseitigen Versuch, noch näher mit den Augen an den Ort des Geschehens zu kommen. Kurz und gut, besten Gewissens kann ich den eingebauten Monitor nur als Kontrollmonitor empfehlen.

Großes Lob verdienen die 66 Tasten in QWERTY-Anordnung. Die Tastatur stellt gleichzeitig den Deckel des Computers dar. Abgeklappt kann sie, freibeweglich und nur mit einem Verbindungskabel von zirka 50 cm Länge mit dem Gehäuse verbunden, bedient werden. Mit 3 cm Bauhöhe kann man sie im Vergleich zur 8032 SK-Tastatur getrost als für Commodore-Verhältnisse superflach bezeichnen. Commodore vermied Experimente und übernahm das Konzept des vielfach bewährten und beliebten C 64 fast vollständig in den SX 64. Bis auf die ergonomisch bessere Formgebung mit schöner gerundeten Tasten unterscheidet sich die Tastatur weder in Belegung noch Anzahl der Tasten von der des Commodore 64. Das Verbindungskabel Computer/Tastatur erscheint sehr robust. Etwas unpraktisch: Die Steckbuchse an der Unterseite des Tragbaren, die den Kabelstecker aufnimmt, ist in einem Schacht verborgen und dadurch etwas schwer zugänglich. Sehr instabil erscheinen mir die Plastik-Schnappvorrichtungen am Tastaturgehäuse, mit denen dieses am Gehäuse befestigt wird. Sie verklemmten sich bei meinem Gerät nach einem Transport prompt und ich stand alle Ängste aus, die Tastatur nur mit Bruch wieder vom Gehäuse loszubringen.

Auf der Oberseite des Gehäuses ist ein durch Federklappen geschützter Expansionport, das heißt, ein Steckplatz für Module, zum Beispiel das IEEE488-Interface, Spiele und so weiter. In diesen Steckplatz passen alle für den C 64 bestimmten Module. Über das IEEE-488-Interface ist die gesamte Peripherie der 4000er und 8000er Systeme anschließbar. Ein neues Steckmodul, das in diesen Tagen erhältlich sein soll, und austauschbare Tastenkuppen ermöglichen die Umrüstung der 64-Tastatur auf den deutschen Zeichensatz.

Auf der Rückseite des Gehäuses befinden sich die Peripherieanschlüsse (Bild 6):

  • Die DIN-Buchse für den Audio- und Videoausgang.
  • Ein serieller Bus zum Anschluß für das Diskeffenlaulwerk VC 1541 und/oder Drucker 1525, MPS 801, VC 1526 beziehungsweise den Plotter VC 1520.
  • Der Userport als frei programmierbare 8-Bit-parallel-Schnittstelle. Durch entsprechende Programmierung als RS232-Schnittstelle verwendbar.
  • Zwei Anschlüsse für Joysticks.

Im Inneren des Computers befindet sich die modifizierte Rechnerplatine des C 64, aufgeteilt auf zwei Platinen, sowie die modifizierte Platine der Floppy VC 1541 und ein 8-cm-Lautsprecher, der befriedigende Klangergebnisse erzielt. Die im Gehäuseinneren erzeugte Wärme wird über die Lüftungsschlitze genügend abgeleitet, auch nach einem Dauerbetriebstest von 48 Stunden erwärmte sich der SX 64 nur unwesentlich.

Genau wie der C 64 arbeitet auch der SX 64 mit der 8-Bit-MOS-CPU 6510 aus der Familie 65xx, bei einem Systemtakt von 985248 kHz [Anm. d. Erfassers: Tatsächlich sind es natürlich 985248 Hz oder 985,248 kHz oder 0,985 MHz]. Der Speicher verfügt über 64 KByte RAM, wovon in Basic 38 KByte für Programm und Variablen verfügbar sind. 52 KByte können hiervon für den Einsatz von Maschinensprache oder ladbaren Programmiersprachen genutzt werden. In 20 KByte ROM sind das Betriebssystem, der Basic-Interpreter und die I/O-Routinen untergebracht. Da der 6510 als 8-Bit-Prozessor selbst nur einen Adreßraum von 64 KByte verwalten kann, der vom RAM selbst belegt ist, bestand das Kunststück darin, mittels zusätzlicher Logik eine sinnvolle Verwaltung der sich teilweise überlappenden Speicherbereiche auszuklügeln. Hier kam Commodore der glückliche Umstand zugute, über eine eigene Halbleiterfabrikation, nämlich der Tochterfirma MOS zu verfügen. Ein speziell entwickeltes „Adress Manager IC“ (FPLA, Field programmable Logic Array) übernimmt diese komplizierte Aufgabe. Auch der Prozessor selbst sowie das Sound-IC, das SID 6581 (ebenfalls ein Peripherie-Baustein der 65xx-Familie) sowie der Videocontroller VIC, der Schlüssel zur hochauflösenden Grafik, gehen auf das Konto der MOS-Entwicklungsingenieure.

Der SX 64 benutzt genau wie der C 64 das Commodore-Basic V 2.0 und ist maschinensprachekompatibel zum 6502. Es können jedoch auch andere Programmiersprachen wie zum Beispiel Pascal, Comal, Pilot, Assembler und Logo geladen werden. Das Basic-ROM wird dann abgeschaltet, und es stehen 20 KByte für die Programmiersprache und den Arbeitsspeicher zur Verfügung.

Das Basic des SX 64 ist identisch mit dem des C 64. Da das V 2.0-Basic in der Literatur bereits zur Genüge abgehandelt wurde, möchte ich an dieser Stelle nicht mehr näher darauf eingehen.

SX 64-Einsteiger brauchen sich über ein mangelndes Angebot an Software keine Gedanken machen, der C 64 hat hier Basisarbeit geleistet. Auch Literatur existiert mittlerweile in Hülle und Fülle. Ohne diese kommt der ernsthafte SX 64-User sowieso nicht aus. Das Bedienungshandbuch ist im Vergleich zum C 64-Handbuch zwar sehr ausführlich, doch viele wichtige Dinge bleiben auch hier wieder unerwähnt oder werden nur dürftig am Rande behandelt. Unverständlicherweise gerade die Bereiche, die den SX 64 interessant machen, nämlich die Erzeugung von Sprites sowie die Möglichkeiten der hochauflösenden Grafik und der Klangerzeugung mit dem SID 6581. Vergebens suchte ich im englischen Handbuch, das mir vorlag, nach dem Befehl, der in den hochauflösenden Grafik-Mode führt. Auch die interessantesten Möglichkeiten des wirklich hervorragenden SID-Chips, nämlich Ringmodulation, Synchronisation und Filterung bleiben gänzlich unerwähnt.

Im hochauflösenden Grafikmodus können 64000 (320 x 200) einzelne Bildschirmpunkte (Pixels) angesprochen werden. Nach dem Einschalten durch POKE 53265,59:POKE 53272,24 können die einzelnen Bildschirmpunkte mittels POKE x,y gesetzt und mittels POKE x,0 wieder gelöscht werden. Jeder Adresse entspricht hierbei eine Zeile von acht Bildschirmpunkten. Je nachdem, welche Punkte nun gesetzt werden sollen, setzt man den zugehörigen n-Wert in nachfolgender Formel gleich Null und bildet die Summe [Anm. d. Erfassers: Natürlich muß n für einen gesetzten Punkt gleich Eins gesetzt werden].
Formel: y=n^7 + n^6 + n^5 + n^4 + n^3 + n^2 + n^1 + n^0
[Anm. d. Erfassers: Die Formel ist leider auch Kappes, es müßte eigentlich y=n[7]*2^7 + … + n[0]*2^0 heißen, wobei die n’s natürlich jeweils pro Punkt verschieden sind, daher die Indizierung]
wobei nun der Summenwert y den zu pokenden Wert darstellt. Ein kleines Beispiel soll dies verdeutlichen (Bild 7):

Diese drei Punkte lassen sich mittels POKE 8192,128+16+8, also POKE 8192,152 setzen. So einfach ist das also. Im Blockgrafik-Modus stellt der Bildschirmspeicher (Adressen 1024 bis 2023) 25 Zeilen und 40 Spalten in einer 8 x 8-Punktematrix zur Verfügung.

Für Farbe im tristen Alltag sorgt der Farbspeicher ebenfalls mit 1000 Bildpunkten (Adressen 55296 bis 56295). An Farben stehen Schwarz, Weiß, Rot, Türkis, Violett, Grün, Blau, Gelb, Orange, Braun, Hellrot, drei verschiedene Grauwerte, Hellgrün und Hellblau zur Auswahl (Bild 8). Die tausend Farbpunkte stellen den inneren Bildschirmbereich dar. Darüber hinaus existiert noch ein zweiter Bildschirmbereich, der Rahmen, der unabhängig vom inneren Bereich mit denselben 15 Farben eingefärbt werden kann.

Bewegung ins Bild bringen die vom Benutzer frei definierbaren Sprites, Figuren in hochauflösender Grafik, maximal 24 x 21 Punkte groß, die über POKE-Befehle erstellt werden. Maximal acht Sprites dürfen gleichzeitig auf dem Bildschirm bewegt werden.

Klänge in den Raum posaunt der SX 64 mit Hilfe des SID 6581, eines kompletten dreistimmigen Synthesizers mit drei Wellenformen (Dreieck, Sägezahn und Pulswelle) je Stimme. Drei Hüllkurvengeneratoren regeln für jede Stimme einen separaten Lautstärkeverlauf der Töne. Rauschgenerator, Filter, Ringmodulator, das, wovon manch großer Synthesizer träumt, ist vorhanden. So verwundert es nicht, daß in jüngster Zeit immer mehr Musiksoftware angeboten wird, die den C 64 beziehungsweise SX 64 in ein „Musikinstrument“ mit vielfältigen Möglichkeiten verwandeln.

Fazit

Interessant ist der SX 64 für alle, die viel unterwegs sind und ohne Computer nicht auskommen wollen oder aber ihren Computer auch zu Hause oft auf- und abbauen müssen. Leider besitzt der SX 64 keinen Akkuanschluß, so daß er eigentlich kein Portable im wahrsten Sinne des Wortes ist. Die Schwachstelle am Ganzen: der Bildschirm. Eine Nummer größer wäre in diesem Falle sicher besser gewesen, dafür hätte wohl jeder ein etwas größeres Gehäuse in Kauf genommen. Besonderes Lob verdienen die Tastatur, die ein ermüdungsfreies Arbeiten auch über einen längeren Zeitraum ermöglicht, und das ansprechende Design des Gehäuses. Ein weiteres großes Plus: die völlige Kompatibilität zum C 64 (die Programmodule werden oben eingesteckt; siehe Bild 9) sowie die Möglichkeit, nach Einbau der CP/M-Karte auf das große Angebot an CP/M-Software zurückgreifen [zu] können, auch wenn bisher nur wenige Programme, die unter CP/M laufen, auf das Commodore-Diskettenformat umgeschrieben wurden.

Hier originalmanuskript Richard Aicher

Das MPS-System von Roland

Das MPS-System von Roland

Bezüglich Musiksoftware ging der Trend auf der Frankfurter Messe eindeutig in Richtung größerer Rechner. Roland demonstrierte unter anderem das MPS-System für den IBM-PC und kompatible Rechner. Das Programm benötigt das MPU-401 Midi-Interface von Roland und die Adaptercard MIF-IPC für den IBM. Die Adaptercard verbindet den Rechner mit dem Interface. Sie wird in den Expansionsslot im Inneren des Rechners gesteckt. Benutzt man aus Kostengründen statt des Original-IBMs einen kompatiblen Rechner, empfiehlt es sich, immer vor dem Kauf das gesamte System auf Lauffähigkeit mit der Software zu überprüfen. Ich hatte Gelegenheit, das Programm auf einem Epson PC zu testen. Mit diesem Rechner gab es keinerlei Schwierigkeiten.

Die Software läuft auf dem IBM-PC, PCXT und PCAT. Als Betriebssystem ist MS DOS 2.0 bzw. eine höhere Version erforderlich. Minimalanforderung für den Rechner sind 256 KByte Memory und eine Disk Drive. Zwei Laufwerke erleichtern die Arbeit erheblich. Erst ab 320 KByte kann man mit einem IBM-Kompatiblen, Matrix Printer mit High Resolution Print Modus, Noten zu Papier bringen. Besitzt man 640 KByte, bringt die MPS-Software zirka 60000 Töne im Arbeitsspeicher unter.

Bei der Software handelt es sich um einen 8-Spur- Realtime- und -Step Time-Recorder. Die eingespielten Songs lassen sich automatisch in Bildschirmnotation übersetzen und komfortabel editieren bzw. ausdrucken. Das MPS-System gliedert sich in drei Modes: Song Mode, Print Mode und Score Mode, die interaktiv arbeiten. Jede Eingabe innerhalb eines bestimmten Modes wird automatisch in die restlichen Modes übernommen. Editiert man etwa im Score Mode, werden die Änderungen der bearbeiteten Phrase beim Abspielen des Songs im Song Mode berücksichtigt.

Bild: Das Track-Panel des MPS-Systems im Realtime-Aufnahmemodus:

Nach dem „Booten“ der Software erscheint zunächst die System-Page am Bildschirm. Von hier wählt man einen der drei Modes, kann das Data-Memory löschen, Diskoperations anwählen oder das Programm wieder verlassen. Das MPS-Sytem arbeitet menügesteuert. In jeder Page er scheint am unteren Bildschirmrand eine sogenannte Menüzeile mit den jeweils anwählbaren Optionen. Zur Anwahl der Optionen dienen immer die 10 Funktionstasten.

Der Song Mode

Mit F3 gelangt man in den Song Mode. Nach kurzer Zeit erscheint am Bildschirm die Song Page. Die acht waagrechten Balken symbolisieren die acht Aufnahme-Tracks. Neben den acht Songaufnahmespuren gibt es noch einen sogenannten „Conductor Track“, auf den Tempo und Taktwechsel separat aufgezeichnet werden können. Am unteren Bildschirmrand wieder, wie üblich, das Fenster mit den Menüoptionen. Die Pattern-Balken sind taktweise optisch unterteilt.

Jedes Kästchen symbolisiert einen Takt. Bespielte Takte erscheinen weiß. Im Song Mode stehen insgesamt drei Unter-Pages zur Verfügung: System, Arrange und Midi. Sie werden mit der Page Up bzw. Page Down-Taste durchgestepped. In jedem Fall bleiben die Tracks am Bildschirm erhalten. Die drei Sub Pages unterscheiden sich einzig in den Menüoptionen.

Die MPS-Software arbeitet mit einem sogenannten „Phrase Buffer“. In der Arrange Page wählt man mit F1 die Option „Record“, drückt die Space-Taste, und die Aufnahme beginnt, die MPU-401. clickt. Nun spielt man über das Masterkeyboard ein. Die Einspielung wird zunächst im Phrase Buffer, einer Art Zwischenspeicher, gespeichert. Sämtliche ankommenden Midi- Channel- Informationen werden registriert. Spielt man einen kompletten Song ein, der gleichzeitig Informationen auf verschiedenen Midi-Channels enthält, werden alle Channel- Informationen richtig aufgenommen. Man kann auf diese Weise ein komplettes Demo, bestehend aus 16 Tracks auf unterschiedlichen Channels, aus einem anderen Sequenzer oder Computer auf eine einzige Phrase in die MPS-Software überspielen.

Sollen nur Informationen bezüglich eines einzigen Channels registriert und aufgenommen werden, lässt sich dieser mit der Option „Filter“ bestimmen. Nun kann man die Phrase wiedergeben, mittels Autocorrect korrigieren (l/8tel gerade bis 1/32 Triole), transponieren, mit einem neuem Midi- Channel belegen oder mit Namen versehen und auf Diskette abspeichern. Will man sie in den Song übernehmen, wird sie mit der Option „Insert“ an die gewünschte Stelle kopiert. Man muss hierzu lediglich den Bar und Track bestimmen. Der Insert erfolgt automatisch, die belegten Bars „färben“ sich weiß. Befindet sich schon eine Aufnahme an dieser Stelle, wird sie normalerweise gelöscht und durch die neue Phrase ersetzt. Soll die alte Aufnahme ebenfalls an dieser Stelle erhalten bleiben, kann man mit der Option „Merge“ die neue Phrase zu der schon vorhandenen addieren. Die Midi-Channel-Informationen bleiben dabei separat erhalten.

Am Bildschirm ist selbstverständlich nicht der gesamte Song zu sehen, sondern nur 80 Takte davon. Der Takt, mit dem die Darstellung beginnen soll, lässt sich mit F7 (Start Bar) eingeben. Mit dem sogenannten Song Cursor kann man Tracks und Bars markieren. Die Position des Song Cursors wird links oben am Bildschirm angegeben (Track Bar).

Auf diese Weise kann man beliebig viele Phrasen in die acht Tracks des Songs einfügen. Man kann auch bereits früher auf Diskette abgelegte Phrasen in den Phrase Buffer holen und dann einfügen. Außerdem lassen sich beliebig viele Stücke eines Tracks „liften“ und zurück in den Phrase Buffer holen, um sie dann etwa an einer anderen Stelle des Songs wieder zu insertieren.

Selbstverständlich erlaubt die MPS-Software auch Punch In / Out. Unabhängig voneinander lassen sich für die Aufnahme und Wiedergabe der Start Bar (S Bar) und die Anzahl der aufgenommenen bzw. wiedergegebenen Bars bestimmen. Wählt man den Aufnahmebereich innerhalb des Wiedergabebereiches, kann man auf diese Weise beliebige Automatic Punch Ins'“ bzw. Einzähler festlegen.

Mit der Funktion „Track“ lassen sich einzelne Tracks „muten“, das heißt aus dem Playback abschalten. Track Merge hilft, Spuren zu sparen. Sind zwei oder mehr Tracks o.k., „merged“ (mischt) man sie einfach zusammen. Auch in diesem Fall bleiben die Channel- Informationen erhalten. Das Wiedergabe- und Aufnahmetempo der MPS-Software lässt sich in Realtime über die Plus- und Minus-Tasten verändern, aber auch alphanumerisch eintippen. Für den Takt lassen sich Zähler von 1 bis 24 und die Nenner 2, 4, 8 und 16 eingeben. Midi- Controller- Informationen sind abschaltbar, außerdem lässt sich die Velocity für die Wiedergabe begrenzen (Track oder Song). Neben der Track Transpose-Funktion existiert auch eine Song Transpose-Funktion. Mit der Option „Sync“ lässt sich der Recorder auf externe oder interne Midi-Synchronisation bzw. Tape Sync schalten.

Mit der Funktion „Base“ kann die Time Base (Auflösung, Clock Ticks je 1/4tel Note) des MPU-401 eingestellt werden. Normalerweise beträgt sie 120. Die möglichen Werte betragen 48,72,96,120,144,168 und 192. Will man notieren, ist die Auflösung 120 Vorschrift. Mit „Echo“ lässt sich schließlich das am Midi- Input des MPU-401 eintreffende Signal direkt an die Outs durchschalten (Midi Merge).

Der Score Mode

Im Score Mode lassen sich im Phrase Buffer befindliche Phrasen automatisch am Bildschirm notieren und editieren. Man muss also zunächst entweder eine Phrase in den Buffer einspielen bzw. von der Diskette einladen. Möglichkeit Nr. 3: Man liftet einen Teil eines Tracks im Song Mode in den Phrase Buffer. Auch der Score Mode besteht aus drei verschiedenen Menü-Pages: System, Analysis und Edit. Am Bildschirm erscheinen nach dem Wechsel in den Score Mode normalerweise zwei Notenzeilen (maximal), die obere im Violin-, die untere im Bassschlüssel. Dies ist die „Grand‘-Darstellung. Die Grenzlinie für die Notation in die Violin bzw. Basszeile lässt sich eingeben. Die Option „Clef“ gestattet daneben noch die Darstellung der Notation in einer einzigen Notenzeile mit Violinschlüssel (Treble) oder Bassschlüssel (Bass).

Acht verschiedene Dur-Schlüssel von C bis Cis und C bis Ces lassen sich anwählen. Die Molltonarten müssen durch verwandte Durtonarten ausgedrückt werden. Vor der Notation muss die Phrase für die Bildschirmdarstellung formatiert werden (Bar oder Phrase). Diese Formatierung bestimmt die Auflösung für die BildschirmdarsteIlung. Sie ist im Bereich 1/32tel Triole bis 1/8tel gerade einstellbar. Die Formatierung kann bei langen Phrasen einige Minuten dauern.

Danach steht jedoch die gesamte Phrase in Notenschrift am Bildschirm. Jedoch ist die Notation meist noch nicht ganz fehlerfrei, geschweige denn optisch hervorragend. Sämtliche Notenhälse sind jetzt nach unten gezeichnet, außerdem kommt es zu Interferenzen der Fähnchen. Das heißt, werden zwei 96tel Töne als Akkord notiert, besitzt der Akkord jetzt nicht einen Hals mit 2 Fähnchen, sondern deren gleich vier. (Sie werden addiert.)

In der Edit Sub-Page lassen sich alle nötigen Schönheitsoperationen durchführen. Hier kann man diese Interferenzen automatisch für die gesamte Phrase oder einzelne Bars korrigieren. In einem weiteren Korrekturdurchgang bereitet man dann automatisch die Richtung der Hälse auf, sofern gewünscht. Ab welcher Tonhöhe sie nach oben bzw. nach unten gezeichnet werden sollen, lässt sich bestimmen.

Mit der Option „Beam“ kann man aufeinanderfolgende l/8tel, l/96tel oder 1/32tel Töne mit Balken binden. Hier arbeitet MPS jedoch nicht immer ganz zuverlässig. Manchmal wurden die Balken zwar korrekt gezeichnet, aber der Rechner vergaß, ein oder zwei Fähnchen wegzunehmen. Die Balkenrichtung (Up / Down) lässt sich wieder wählen. Die Option „Tie“ gestattet das Binden von aufeinanderfolgenden Noten mit demselben Zeitwert. Da MPS interaktiv arbeitet, wird dies im Play Mode berücksichtigt. Mit der Option „Move“ lassen sich einzelne Noten um eine Position nach rechts bzw. links verschieben.

Zum Step -Recorder wird die MPS-Software mit der Option „Object“. Hier lässt sich jetzt bestimmen, welche Notationszeichen mit der Insert-Taste in die Notenzeilen eingegeben bzw. mittels Delete entfernt werden sollen. Zur Verfügung stehen Noten, Accidentials, Pausen, Text, Symbol. Entscheidet man sich für eine bestimmte Option und drückt die zugehörige Funktionstaste, erscheint im Menüfenster die Auswahl der jeweils zur Verfügung stehenden Zeichen. Das sind Zeitdauer für die Töne, Klammern, Wiederholungszeichen usw. und die Pausenzeichen. Im Textmodus lassen sich über die Notenzeilen Song-Lyrics per alphanumerischer Tastatur eingeben. Die Tonhöhe und die Stelle, an der die angewählten Notationszeichen in der Notenlinie erscheinen sollen, bestimmt man mit den Cursor-Tasten. Insert gedrückt, und kurze Zeit später erscheint das Zeichen an der richtigen Stelle. Befinden sich bereits sehr viele Zeichen im Phrase Buffer, kann es unter Umständen bis zu einer Minute dauern, bis das Zeichen am Bildschirm erscheint. Die Option „Modify“ gestattet eine Reihe weiterer Eingaben, mit denen sich die Parameter der in Step Time eingegebenen Noten weiter festlegen lassen. So kann man die Noten oktavieren (- 8va, + 8va, + 16va), triolisch eingeben (l/16-t, 1/8-t, 1/4-t und 1/2-t) und mit bestimmter Midi-Velocity und Gate-Länge belegen.

Bild: Bildschirm-Notation ist im Score-Modus möglich:

Fügt man im Edit-Mode eine Note in eine bestehende Aufnahme ein, erhält sie denselben Midi-Channel, den auch die restlichen Phrase trägt. Mit der Option „Channel New“ kann man jedoch auch die Note mit einem separaten Midi-Channel versehen. Die Komposition lässt sich im Score Mode natürlich jederzeit auch abspielen, wählbar ist entweder die gesamte Phrase, der graphisch dargestellte Bar oder eine bestimmte Anzahl von Bars. Am Bildschirm erscheint dazu Bar für Bar die zugehörige Notation.

Der Print Mode

Im Print Mode lässt sich schließlich die „Partitur“ zu Papier bringen. Die Auflösung ist im Print Mode wesentlich besser als auf dem Bildschirm. Wie gesagt ist jedoch ein minimales Memory von 320 KByte Voraussetzung. Im Print Mode arbeitet die MPS-Software High-Resolution-Pages der Notation aus. Jede Page kann maximal vier Systeme in Grand-Notation beinhalten. Jede Notenzeile kann maximal sechs Bars lang sein. Mit den Optionen „Cut“ und „Paste“ wird die Page aus einzelnen Bars zusammengesetzt. Mit dem Cursor Keys steppt man hierzu die Phrase bis zum gewünschten Bar, gibt dann die genaue Position auf der Page an, in die der Bar eingefügt werden soll, und fertig.

Am Bildschirm sieht man nie die gesamte Page, sondern maximal einen Bar, jeweils den, der eingefügt werden soll. Man muss sich die genaue Zusammensetzung der Page deshalb sehr genau aufschreiben, um nicht die Übersicht zu verlieren. Will man einen kompletten Song notieren, ist überdies meist nicht die gesamt Information in einer einzigen Phrase untergebracht. In diesem Fall muss man die diversen Phrasen hintereinander in den Phrase Buffer laden und bearbeiten.

Am einfachsten ist es, man „merged“ alle acht Tracks in einen und „liftet“ diesen als Phrase in den Phrase Buffer zum Notieren. Will man komplexere Systeme notieren, etwa mit acht verschiedenen Instrumenten (Tracks), ist das Verfahren sehr zeitraubend, da alle acht Tracks hintereinander bearbeitet und gedruckt werden müssen.

Zusammenfassung

Das MPS-System ist ein sehr komfortabler 8-Track Realtime Recorder mit Step by Step-Eingabemodus via Notationssymbolik. Verschiedene Midi-Channel-Informationen können gleichzeitig aufgenommen werden. Tracks und Phrasen lassen sich mischen, wobei ebenfalls die Channel- Informationen beibehalten werden. Die in Realtime eingespielten Phrasen lassen sich automatisch notieren und auf dem Bildschirm ausgeben bzw. ausdrucken. Die Darstellung am Bildschirm ist bemerkenswert übersichtlich, und es stehen extrem viele Korrekturoptionen zur Verfügung.

Die drei Pages Song, Score und Print arbeiten interaktiv, das heißt in Step Time eingegebene Notationszeichen werden im Song Mode für die Wiedergabe berücksichtigt. MPS ist deshalb auch ein vollwertiger Step Time-Composer. In die Bildschirmdarstellung lassen sich Texte eingeben und mit ausdrucken.

Die Zusammenstellung einzelner Druckpages erfordert viel Zeit. Im Gegensatz zum Score Mode verfügt der Print Mode leider nur über wenige Edit-Features. Die Print Outs lassen sich nicht sehr differenziert bearbeiten. Maximal haben nur vier Systeme mit maximal zwei Notenzeilen (Grand) auf einer Page Platz. Die Systeme lassen sich nicht gemeinsam klammern. Die Notationsausdrucke dürften deshalb vor allem für Klavierauszüge, Instrumentennotation, weniger zur Erstellung gesamter Partituren interessant sein. Die Software ist auf Anforderung bei Roland in Norderstedt erhältlich.

Testbericht von Richard Aicher, veröffentlicht April 1984 in Soundcheck Musikmagazin