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Montag, 27.Juni 2005

 192. Montagsgespräch Musiklabor der Hochschule für Musik & Theater München
                   mit Richard Aicher zum Thema: Circuit Bending und Bend Art. Hier mehr dazu

Circuit Bending in aller Kürze

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CircuitBending nennt sich eine Bewegung im Bereich elektronischer Klangkunst, die auf Reed Ghazala zurückgeht, der diese Technik 1996 erstmals in einem in der Zeitschrift EMI erschienen Feature vorstellte.. Man könnte diese Methode auch mit "chaotischem Verändern" elektronischer Schaltkreise von vornehmlich Elektronik-Spielzeugen und Mini-Keyboards bezeichnen. Ziel ist hierbei, die enthaltenen elektronischen Regelkreise in labile und instabile Zustände zu versetzen, in denen sie dann, beraubt ihrer vom Entwickler implementierten Stabilität, zu neuen "Instrumenten" werden und nicht vorhergesehene bzw. nicht vorhersehbare Geräusche und Klangmuster von sich geben.

Die Integration des Circuit-Bending in meine „Bend Art":

„Ich erlebte circuitbending erstmals während einer Performance von Joker Nies in der T-U-B-E München, im Februar 2005. Das Thema interessiert mich sofort, obwohl ich zunächst nicht wusste warum. Es folgten Wochen fieberhafter Ebay-Aktivitäten um interessante Musical Toys und Instruments zu finden. Spätestens nach dem 40ten Paket machte ich mir den DHL-Fahrer zum Feind. Dann nächtelanges löten und „benden" in meinem immer mehr selbst ins Chaos stürzenden Studios. Im Laufe der Zeit fand ich im circuit bending mehr und mehr Parallelen zu den Techniken und Ideen, die ich zur Erstellung meiner Arbeiten im Bereich Digital Art und Digital Sound entwickelte und nutze. Dabei setze ich als klangliches bzw. bildnerisches Ausgangsmaterial meist im Web oder im täglichem Leben vorgefundene Bild-, Text- und Klangfragmente ein, die dann, nach Durchlaufen verschiedenster "Bending-Prozesse", bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, geignetes neues Ausgangsmaterial für meine Arbeiten und Kompositionen im musikalischen, bildnerischen und sprachlichen Bereich darstellen. Dies nenne ich „BEND ART", die entstehenden Bilder und Kompositionen
BENT OBJECTS. Dies ist der Grund, warum mich "Circuit Bending" auf Anhieb faszinierte, die Methode lässt sich nahtlos in meine „Bend Art" integrieren. Nur die Materialien sind andere, hier elektronische Spielzeuge und Instrumente. So ist es nicht verwunderlich, dass die meisten der weltweit zahlreichen Circuit Bender ihre Instrumente mit Namen und individuellen Designs ausstatten, und meist in Multimedialen Bereichen tätig sind.

Meine„Circuit Bent Instruments"

Im Lauf der sehr intensiven Beschäftigung mit dem Thema Circuit Bending entstand in vieler Nächte und Tage jüngster Zeit  in meinem Vielklang-Chaos-Laboratorium ein neues elektronisches Klang- und Geräusch-Instrumentarium (more about my Bent Instruments), das ich in meiner Klanginstallation STABIL - LABIL - INSTABIL (more about the stabil labil instabil sound installation with live circuit bending) am 23./24.4.2004 auf der Materialausgabe 2005 des Vereins Echtzeit e.V. an der Musikhochschule iin München erstmals einsetze. Als elektronische Ausgangsmaterialien dienten wie im Circuit Bending üblich, elektronischer Instrumente und Musik-Spielzeuge, die sich nach vorangegangener umfassender elektronischer Veränderung (Circuit Bending = „Verbiegen elektronischer Schaltkreise), nach dem Einschalten meist in klanglich nicht mehr stabilen Zuständen befinden und dann interessante Geräusche von sich geben können oder auch nicht. Die Kunst des Benders besteht meiner Meinung nach darin, in möglichst chaotischer Vorgehensweise Kurzschlüsse auf den Platinen zu produzieren, elektronische Bauteile einzubauen, an Stellen, an denen sie nicht vorgesehen waren, alles nach der Methode von Zufall und Irrtum. Ziel ist die Suche nach dem ultimativen Bend, der das Instrument in instabile Zustände versetzen kann, den vom Entwickler vorgesehenen stabilen Spiel- und Klang-Zustände zerstört! Elektronisches Grundwissen ist als eine von Wissen und Denken bestimmte Methode verpönt. Ich denke, ein guter Bender fängt einfach an, mit den nassen Fingern Kontakte zu berühren, mit Kabeln willkürlich Kurzschlüsse herzustellen und hören was passiert. So kann auch wirklich jeder Circuit Bender sein! Die Bends (Verbiegungen) werden dann, um sie „musikalisch" einsetzen zu können, durch den Einbau von Schalter und Reglern reproduzierbar gemacht. Ob das gebendete Gerät, im chaotischen Zustand nach dem Einschalten, dann jedoch tatsächlich wieder den zuvorgefundenen Zustand erreicht, oder einen ganz anderen,  bleibt dann trotzdem ungewiss. So ist auch in der musikalischen Darbietung mit gebendeten Gerätschaften das Chaos die Methode. Das System stellt sich damit selbst auf den Kopf. Die Resonanzkatastrophe wird zum unüberhörbaren Normalfall.   

 

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